Seit Mitte 2012 war das Leben für Aktien und Anleihen in der Eurozone leicht, unbeschwert und krisenfrei. Denn es galt das Motto:„ Alle Staatsschuldenkrisen stehen still, wenn der starke Arm der EZB es will“. Ihre geldpolitischen Bizepse waren so stark, dass dagegen ein antieurozonaler Spekulant wie ein mangelernährter Spargeltarzan aussah. Mit der liquiditätsnährstoffreichen Kost der EZB sanken die Renditen von Anleihen, was deren Attraktivität und damit den Euro schwächte. Das insgesamt baute wiederum Aktien über Liquiditätshausse und Exportwachstum ähnlich auf wie Proteine die Muskeln. Ja, Mario Draghi war so etwas wie der Fitnesstrainer der Eurozone.
Früher war der Sommer an den Kapitalmärkten eher ruhig und gemütlich. Erst im September ging es an den Börsen wieder zur Sache. 2015 ist von dieser typischen Sommerlässigkeit nicht unbedingt auszugehen. Das gilt auch vor dem Hintergrund, dass Renten- und Aktienmärkte grundsätzlich hoch bewertet sind und unter normalen Umständen längst reif für eine ordentliche Konsolidierung wären. Es darf also eigentlich im anstehenden Sommer in punkto Marktbedingungen nichts anbrennen. Risiken gibt es dennoch. Dabei meine ich noch nicht einmal den Konflikt des Westens mit Russland. Hier kann man nur hoffen, dass die Telefonverbindung von Merkel zu Väterchen Frost Putin nie einfriert.
Wenn dieses Jahr so gut werden sollte, wie es sich derzeit abzeichnet - mit einem DAX irgendwo zwischen 12.000 und 16.000 Punkten, wie von mir zum Jahresbeginn avisiert - dann dürften größere Korrekturen sowieso ausbleiben. Solche rosigen Jahres-Aussichten gibt es wirklich nur äußerst selten, das muss ich immer wieder betonen.
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