Robinhood: Vom Meme-Broker zur Finanz-Superapp

Vom Meme-Broker zur Finanz-Superapp: Robinhood verwaltet fast 400 Mrd. Dollar Kundenvermögen. Doch Zinsflaute und Regulierer könnten die Party stören.

(Bildquelle: Unsplash / appshunter.io)

Robinhood (WKN: A3CVQC / ISIN: US7707001027) liefert im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 1,42 Mrd. US-Dollar und schlägt die Gewinnerwartungen. Trotzdem fallen die ersten Marktreaktionen stark negativ aus. Es stellt sich unter anderem die Frage: Wie viel von Robinhoods Zukunft hängt an Wetten auf Sportergebnisse und Wahlausgänge?

Ein anderes Unternehmen

Ehrlich gesagt hätte ich vor fünf Jahren nicht gedacht, dass ich einmal einen längeren Text über Robinhood schreiben würde, ohne das Wort „Meme-Aktie“ in den ersten drei Absätzen zu verwenden. Damals, im GameStop-Winter 2021, war die App mit der grünen Feder für viele das Symbol einer überdrehten Zockerkultur. Heute verwaltet der Broker knapp 400 Mrd. US-Dollar an Kundenvermögen, betreibt eine eigene Blockchain und bietet eine Kreditkarte mit 1,3 Millionen Nutzern, eine Bank-App und ein Vermögensverwaltungsangebot. Außerdem ist Robinhood Depotstelle für die staatlich geförderten Trump Accounts. Das ist ein anderes Unternehmen.

Ob es auch ein besseres Investment ist, steht auf einem anderen Blatt. Im dritten Quartal (Juli bis September 2026) stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 1,42 Mrd. US-Dollar – ein Rekord, aber eben einen Hauch weniger als die rund 1,435 Mrd. US-Dollar, die der Markt erwartet hatte. Beim Ergebnis sah es besser aus: Das bereinigte EBITDA kletterte um 9 Prozent auf 808 Mio. US-Dollar (Konsens: 772 Mio. US-Dollar), der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 60 US-Cent (Konsens: 57 US-Cent). Unter dem Strich blieben 51 US-Cent je Aktie hängen, belastet durch Buchverluste von 67 Mio. US-Dollar auf die Beteiligung am Robinhood Ventures Fund I. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei stolzen 57 Prozent.

Großer Vertrauensvorschuss

Die Lücke beim Umsatz entstand an zwei Stellen: beim Aktienhandel und vor allem beim Zinsergebnis. Letzteres litt unter niedrigeren Leitzinsen und einem regelrechten Einbruch der Wertpapierleihe – netto stand hier sogar ein Minus von 19 Mio. US-Dollar, weil die Nachfrage nach schwer leihbaren Titeln versiegt ist. Krypto dagegen war schwach, aber weniger schwach als befürchtet. Und die „sonstigen Erlöse“ profitierten von Servicegebühren in Höhe von 47 Mio. US-Dollar aus den Trump Accounts sowie von mehr Gold-Abonnenten.

Die Kosten stiegen, vor allem durch eine höhere Risikovorsorge für das wachsende Kreditkartengeschäft (71 Mio. statt 26 Mio. US-Dollar). Die Prognose für die bereinigten Betriebskosten inklusive Aktienvergütung für 2026 hat das Management am oberen Ende um 25 Mio. auf 2,675 bis 2,75 Mrd. US-Dollar gesenkt. Kostendisziplin ist bei Robinhood keine Floskel mehr – der annualisierte Umsatz je Mitarbeiter liegt bei 1,9 Mio. US-Dollar, bei gerade einmal gut 3.000 Beschäftigten. Wer Robinhood nur an einem Quartalsumsatz misst, verpasst möglicherweise den Kern der Geschichte. Die wichtigere Frage lautet: Vertrauen die Kunden der Plattform mehr Geld an? Die Antwort ist eindeutig: ja.

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Wo liegen die mittel- bis langfristigen Hebel?

Bei den Kundenvermögen stiegen die Total Platform Assets um 19 Prozent auf 396 Mrd. US-Dollar. Pro Kunde sind das im Schnitt 13.800 US-Dollar. Vor zwei Jahren waren es noch 6.300 US-Dollar. Die Nettozuflüsse erreichten im Quartal 15,7 Mrd. US-Dollar und in den vergangenen zwölf Monaten 71 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einer Wachstumsrate von 21 Prozent, bezogen auf das Vermögen vor einem Jahr. Im Oktober flossen laut Finanzchef Shiv Verma bereits mehr als 13 Mrd. US-Dollar zu, davon 6 Mrd. US-Dollar aus der Spende der Familie Dell für die Trump Accounts.

Robinhood verzeichnete 28,7 Millionen Funded Customers, ein Plus von 1,9 Millionen. Das ist solide, aber kein Feuerwerk. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer sank sogar um 0,8 Millionen auf 13,0 Millionen. Chancen sieht das Unternehmen in Bereichen wie Prognosemärkten, Vermögensverwaltung, Banking und Krediten sowie bei den Trump Accounts. Auch die Internationalisierung, die Tokenisierung und KI-Agenten könnten Wachstumspotenzial bieten. Unterm Strich verfolgt das Unternehmen das Ziel, eine Finanz-Superapp aufzubauen, die Kunden vom ersten Kinderdepot bis zum Nachlass begleitet.

Nicht alles läuft rund

Die Prognosemärkte stehen regulatorisch auf dünnem Eis. Der am schnellsten wachsende Bereich ist zugleich der umstrittenste. Im US-Bundesstaat Connecticut haben die Behörden laut Finance Magnates Unterlassungsverfügungen gegen mehrere Anbieter erlassen, Robinhood eingeschlossen, weil sportbezogene Kontrakte unlizenzierten Sportwetten ähnelten.

Robinhood weist im Quartalsbericht selbst darauf hin, dass Verfahren oder Gesetzesänderungen das Angebot von Event Contracts verhindern könnten. Fällt dieser Baustein weg, fehlen auf einen Schlag rund 12 Prozent des Umsatzes und ein Großteil der Wachstumsfantasie. Zudem schrumpft das Zinsgeschäft. Knapp 30 Prozent der Erlöse sind Zinserträge. Sinkende Leitzinsen drücken auf die Marge der Cash-Sweep-Gelder, und die Wertpapierleihe ist von einem Ertragsbringer zum Verlustposten geworden.

Das wird zwar teilweise durch das höhere Kreditvolumen ausgeglichen, aber eben nur teilweise. Darüber hinaus bedeutet Kredit auch Kreditrisiko. Die Risikovorsorge hat sich binnen eines Jahres fast verdreifacht. Ein Margin-Buch von 22 Mrd. US-Dollar und ein wachsendes Kreditkartengeschäft sind in guten Zeiten lukrativ – in einer Rezession oder einem scharfen Marktabsturz können sie schnell zur Last werden.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Ein Umsatzfehlbetrag von rund 0,8 Prozent, verursacht durch Zinsen und Wertpapierleihe – also durch Faktoren, die Robinhood kaum steuern kann –, ändert nichts an der Richtung. Die stimmt: Das Kundenvermögen wächst zweistellig, die Gold-Quote steigt Quartal für Quartal, und mit Prognosemärkten und Rothera hat sich binnen eines Jahres ein neues Standbein gebildet, das den Krypto-Einbruch fast vollständig ausgleicht. Gleichzeitig sollte man nicht verschweigen, was an der Geschichte stören könnte. Robinhood ist erwachsen geworden, aber nicht brav. Die Wachstumstreiber heißen nach wie vor Optionen, Hebel und Wetten auf Ereignisse. Das ist ein glänzendes Geschäft, solange Regulierer und Märkte mitspielen. Gelingt es Robinhood aber, die Trader von heute zu den Sparern von morgen zu machen, dann dürfte die heutige Bewertung im Rückblick wohl moderat gewesen sein.

Risikobereite Anleger, die gehebelt auf Kurssteigerungen bei der Aktie von Robinhood setzen möchten, können mit einem Mini-Future Long (WKN: MR5HAJ / ISIN: DE000MR5HAJ9) überproportional von einem Anstieg des Aktienkurses profitieren.

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