Die Deutsche Bank (WKN 514000) versucht sich im Libor-Skandal als Musterschüler in Sachen Aufklärung zu zeigen. Dabei soll sich in dem Finanzinstitut mittlerweile ein Stab von 100 Mitarbeitern um die Aufklärung kümmern. Außerdem hat die Deutsche Bank bereits im Jahr 2011 eine Kronzeugenregelung bei der EU-Kommission beantragt und nun auch erhalten, um den finanziellen Schaden, aber auch den Ansehensverlust möglichst niedrig zu halten. Jedoch könnte die Affäre dem neuen Co-Chef Anshu Jain anhaften.

Anders als bei der britischen Großbank Barclays (WKN 850403) ist die Führungsriege der Deutschen Bank nicht in den Manipulationsskandal verwickelt, jedoch könnte der Skandal trotzdem zu einem Problem für Jain werden. Ein Insider sagte dem „Handelsblatt“, dass die Zinsaffäre wie ein Damoklesschwert über Jain schweben würde. Denn die möglichen Zinsmanipulationen sollen bereits im Januar 2010 im Vorstand zur Sprache gekommen sein. Dies könnte auch die ablehnende Haltung des früheren Chefs Josef Ackermann gegenüber Jain als seinem Nachfolger zu einem großen Teil erklären. Wie das Blatt weiter berichtet soll Ackermann einige Warnungen gegenüber dem Aufsichtsrat in dieser Hinsicht ausgesprochen haben.

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Quelle: comdirect

Laut „Financial Times Deutschland“ soll sich die Beteiligung der Deutschen Bank bisher auf mindestens einen Händler belaufen. Dabei soll ein Kartell von rund 60 Händlern verschiedener Institute versucht haben, die Referenzzinssätze zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, dass der Händler bereits im vergangenen Jahr ebenso wie ein weiterer Kollege suspendiert worden sei und das Institut inzwischen verlassen habe. Initiator des gesamten Rings soll allerdings ein Händler von Barclays gewesen sein.

Im Fall von Jain stellt sich dagegen die Frage, wie es denn sein konnte, dass sich die ihm im Investmentbanking unterstellten Mitarbeiter jahrelang an einem solchen Kartell beteiligen konnten, ohne das die Führung davon etwas mitbekommt. Bei Barclays forderte die Affäre bereits die Köpfe der beiden obersten Führungspersonen. Nachdem Verwaltungsratschef Marcus Agius im Zuge des Finanzskandals seinen Rücktritt angekündigt hatte, traf es auch Vorstandschef Bob Diamond.

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[…] Hier stellt sich die Frage, wie die Banken durch die Krise kommen. Besonders der neue Deutsche-Bank-Chef Jain steht hier unter Beobachtung. Mit Spannung schaut der Anleger nun auf die Berichtssaison in […]

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[…] Die Börsenblogger: Deutsche Bank: Schafft es Anshu Jain (unbeschadet) durch den Libor-Skandal? Sebastian Fiebiger (G+): Ich rechne nicht mit bahnbrechenden Erkenntnissen im Zuge der “Aufklärung”. Kursmanipulationen an den Märkten sind ein bisschen wie Doping bei der Tour de France: Jeder macht es, Keiner spricht drüber und am Besten, man lässt sich nicht erwischen. Wird man doch erwischt, streitet man alles ab. […]