Wissen: Das kleine 1×1 der Charttechnik

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Die Analyse von Bilanzen, Geschäftszahlen und Kennziffern ist nicht alles. Kritiker der sogenannten Fundamentalanalyse bemängeln an ihr, dass diese nur Zahlen unter die Lupe nimmt, aber nicht die Psychologie der Anleger ebenfalls im Fokus hat. Eine Disziplin, bei der massenpsychologische Phänomene wesentlich stärker berücksichtigt werden, ist die Technische Analyse und ihr wichtigster Teilbereich – die Charttechnik. Mit diesem Finanzanalyse-Konzept lassen sich Kursverläufe von Wertpapieren, Aktienindizes, Rohstoffen oder Wechselkursen analysieren. Ziel ist es dabei, aus historischen Kursverläufen auf zukünftige Entwicklungen zu schließen. Wir geben marktEINBLICKE in die wichtigsten Basics der Charttechnik. 

Die Chartanalyse, die gemeinsam mit der Fundamentalanalyse zu den wichtigsten etablierten Finanzanalyse-Bereichen gehört, stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Der US-Journalist, Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber des „Wall Street Journal“ Charles Dow veröffentlichte in seiner Publikation ab dem Jahr 1884 Fachartikel zum Thema Chartanalyse.

Der Finanzanalyse-Pionier, der auch den weltbekannten amerikanischen Old-Economy-Aktienindex Dow Jones ins Leben rief, ging dabei davon aus, dass sich die weltweiten Finanzmärkte stets zyklisch und in Wellen entwickeln. Entsprechend sei es auch möglich, aus historischen Kursentwicklungen Prognosen zu den künftigen Kursverläufen abzuleiten, so seine Annahme.

Die drei Grundannahmen der Charttechnik

Es gibt zunächst einmal drei Grundannahmen, auf denen das ganze Konzept der Technischen Analyse und ihres wichtigsten Teilbereichs Charttechnik aufbaut. Diese Axiome lauten:

1. Der Aktienmarkt diskontiert alles.
2. Börsenkurse bewegen sich in Trends.
3. Die Geschichte an der Börse wiederholt sich.

Der Technische Analyst weiß, dass es Gründe dafür gibt, warum Märkte hoch oder runter gehen. Er oder sie glaubt nur nicht, dass das Wissen um diese Gründe bei der Prognose nötig ist. (John Murphy, Pionier der Technischen Analyse)

Sind diese Menschen alle an der Börse investiert? Sie warten zumindest alle gemeinsam an der Fußgängerampel an der Wall Street… Bildquelle: markteinblicke.de

Der Aktienmarkt diskontiert alles …

Der wichtigste Glaubenssatz der Technischen Analysten und Charttechniker lautet, dass der Markt alle Informationen in den Kursentwicklungen diskontiert. Einfach ausgedrückt: Alle denkbaren Faktoren, die in irgendeiner Weise Einfluss auf die Kurse haben könnten, sind bereits in den Kursen enthalten. Damit macht es also keinen Sinn, beispielsweise Geschäftszahlen auszuwerten und zu interpretieren oder die Nachrichtenlage eines Unternehmens zu verfolgen.

Alle Fundamentaldaten bleiben bei der Technischen Analyse außen vor. Es reicht dementsprechend vollkommen aus, den Fokus allein auf die Kurse und Kursentwicklungen zu legen. Das erklärt John Murphy, einer der großen Pioniere der Technischen Analyse in seinem wegweisenden Standardwerk „Technische Analyse der Finanzmärkte“ wie folgt:

Börsenkurse bewegen sich in Trends …

Das zweite Axiom der Technischen Analyse ist die Grundannahme, dass sich die Kurse in Trends (aufwärts, abwärts oder seitwärts) entwickeln. Ziel ist es dementsprechend, Trends frühzeitig zu identifizieren, ihre Stärke einzuschätzen und sich dann mit entsprechenden Finanztransaktionen in dieselbe Richtung zu positionieren.

Technische Analysten setzen dabei darauf, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sich ein etablierter Trend fortsetzt, als die Wahrscheinlichkeit, dass er plötzlich umkehrt. Mit Hilfe dieses Trendkonzepts versuchen Charttechniker, die günstigsten Zeitpunkte zum Ein- und zum Ausstieg aus einer Finanzposition abzuleiten.

Genau wie Schafe sind auch Menschen Rudel- und Gewohnheitstiere. Das schlägt sich an den Börsen in immer wiederkehrenden Kursmustern nieder, die sich mit den Tools der Charttechnik analysieren lassen. (Bildquelle: unsplash / Ariana Prestes)

Die Geschichte an der Börse wiederholt sich …

In einem Chart, also der grafischen Darstellung eines Kursverlaufs, schlägt sich die Psychologie der Marktteilnehmer nieder. Denn Kurse fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen sprich Anlegern und Marktteilnehmern gemacht!

Anleger sind wiederum bekanntlich Gewohnheitstiere. Sie reagieren also in ähnlichen Situationen (Nachrichtenlage, Börsenstimmung, ähnliche Kursentwicklungen) immer wieder so, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben.

Das heißt, wenn ein bestimmtes Muster in der Vergangenheit häufig zu einem spezifischen, weiteren Kursverhalten geführt hat, geht der Charttechniker davon aus, dass ein ähnliches Muster auch in der Zukunft eine gleichgerichtete Kursentwicklung auslösen wird.

Die Magie runder Zahlen

Ein Beispiel für solche massenpsychologischen Phänomene sind runde Zahlen. Nehmen wir beispielsweise an, eine Aktie ist in den vergangenen Jahren immer wieder daran gescheitert, über die für viele Anleger hohe und runde 1.000-Euro-Marke nach oben auszubrechen. Immer wenn sich der Kurs an diese psychologisch wichtige Marke annäherte, brachen die Notierungen im Anschluss wieder deutlich ein.

Dieses Kursverhalten wird im Chart und damit auch für alle Anleger sichtbar. Die mögliche Folge: Klettert der Kurs wieder einmal in die Nähe der 1.000er-Marke, werden viele Anleger alarmiert. Diejenigen, welche die Aktie unter Beobachtung hatten, verlieren nun zunehmend das Kaufinteresse, da die Aktie vermeintlich schon auf sehr hohem Niveau notiert. Auf der anderen Seite werden möglicherweise viele, bereits investierte Anleger, die hohen Notierungen zum günstigen Ausstieg nutzen.

Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie. (André Kostolany)

Die selbst erfüllende Prophezeiung bei Aktienkursen

Die Angebots- und Nachfragekräfte verschieben sich dementsprechend und es kommt dann tatsächlich zum befürchteten Kurseinbruch der Aktie. Die Meinung der Anleger über die weitere Kursentwicklung hat sich also wieder einmal in ähnlicher Weise verändert, was sich immer wieder in gleichen Kursmustern wie hier in einem hartnäckigen Kurswiderstand widerspiegelt.

Psychologen und Verhaltensökonomen erklären diese Phänomene auch mit der sogenannten „self-fulfilling prophecy“, das heißt der „sich selbst erfüllende Prophezeiung“. Einfach erklärt bedeutet das:

Wenn viele Anleger glauben, dass der Kurs einer Aktie fallen wird und dementsprechend auch handeln, wird der Aktienkurs dann auch höchstwahrscheinlich fallen. Dieser Erklärungsansatz spricht ebenfalls dafür, dass die Charttechnik wirklich funktionieren kann – zumal an den Börsen auch viele Großbanken mitmischen, die vollautomatische Handelssysteme verwenden, welche auf der Technischen Analyse aufbauen.

Dadurch werden Trends und immer wiederkehrende Kursmuster zusätzlich verstärkt. Das führt dazu, dass sich die Kursentwicklungshistorie tatsächlich oftmals wiederholt.

Mit Hilfe der Charttechnik ist es möglich, übergeordnete Aufwärtstrends (Bullenmärkte) und Abwärtstrends (Bärenmärkte) zu identifizieren und diese gewinnbringend zu nutzen. (Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG)

Die Anlegerkunst, wichtige Trends an der Börse zu identifizieren

Wie bereits angeführt, lautet eine der zentralen Grundannahme der Technischen Analyse: Kurse bewegen sich in Trends. Damit wird unterstellt, dass sich Kurse zumindest mittel- und langfristig nicht willkürlich entwickeln, sondern dass es einen Zusammenhang zwischen der historischen und der aktuellen beziehungsweise künftigen Kursentwicklung gibt.

Das Ziel der Charttechniker ist es dementsprechend, Trends zu identifizieren und sich dann gegebenenfalls mit Finanzinstrumenten in die entsprechende Richtung zu positionieren.

Typisch für einen Aufwärtstrend sind die im Zeitablauf aufsteigenden Tief- und Hochpunkte.

So sieht ein Aufwärtstrend eines Aktienkurses aus

Zum Erkennen von Trends gibt es in den Chart-Programmen verschiedene Werkzeuge. Eines davon ist das Einzeichnen von Trendlinien. Wie das aussieht, zeigt die Abbildung. Hier ist ein typischer Aufwärtstrend zu sehen.

Der Kurs der Beispielaktie steigt immer wieder an, setzt zwischenzeitlich zurück und geht im Anschluss wieder in die übergeordnete Aufwärtsbewegung über.

Dass es sich hier um einen übergeordneten beziehungsweise langfristigen Aufwärtstrend handelt, zeigt sich daran, dass die neuen Tiefpunkte immer wieder über den vorangegangenen Tiefpunkten liegen.

Der Kurs setzt also immer mal wieder zurück, allerdings auf höhere Plateaus als in der Vergangenheit. Wird unter diese ansteigenden Tiefpunkte eine Trendlinie eingezeichnet, ist diese entsprechend aufwärtsgerichtet.

Die Trendlinie hilft, den Aufwärtstrend optisch noch deutlicher zu machen. Außerdem ist im Chart ebenfalls zu erkennen, dass die zwischenzeitlichen Hochpunkte kontinuierlich höher ausfallen als die vorangegangenen Tops. Das ist die zweite Bedingung für einen Aufwärtstrend.

Die mE-Erklärung:

Aufwärtstrend = Aufsteigende Tief- und Hochpunkte

Bei einem Abwärtstrend fallen die Hoch- und Tiefpunkte kontinuierlich niedriger aus als die vorangegangenen.

Das ist ein Abwärtstrend eines Aktienkurses

In dieser Abbildung ist der umgekehrte Fall zu sehen, nämlich eine übergeordnete Abwärtsbewegung. Abwärtstrends zeichnen sich dadurch aus, dass der Kurs zwar zwischenzeitlich immer mal wieder nach oben laufen kann, die neuen Hochs aber stets tiefer liegen als die Tops in der Vergangenheit.

Wird über die Hochpunkte eine Trendlinie eingezeichnet, hat diese dementsprechend einen fallenden Verlauf. Gleichzeitig gilt im Fall eines Abwärtstrends, dass die neuen Tiefpunkte sukzessive tiefer ausfallen als die bisherigen.

Die mE-Erklärung:

Abwärtstrend = Absteigende Hoch- und Tiefpunkte

 

 

Liegt ein Seitwärtstrend vor, gibt es ein Kaufsignal, wenn der Ausbruch über den horizontalen Widerstand gelingt. Fällt die Aktie dagegen unter die Unterstützung, bedeutet das ein Verkaufssignal.

Der Seitwärtstrendkanal

Mit dem Konzept, an Hoch- und Tiefpunkte Trendlinien anzulegen, lassen sich auch Seitwärtstrends identifizieren. Im Chart ist zu erkennen, dass die obere Trendlinie („Widerstand“), welche die Hochpunkte miteinander verbindet, einen waagerechten Verlauf hat.

Das gleiche gilt auch für die untere Trendlinie („Unterstützung“), welche die Tiefpunkte verbindet. Die beiden Trendlinien stellen zusammen einen seitwärts gerichteten Trendkanal dar. Der Kurs entwickelt sich also in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung.

Die mE-Erklärung:

Ein Seitwärtstrend = Seitwärtslauf der Hoch- und Tiefpunkte

Der Seitwärtstrend könnte erst dann beendet werden, wenn der Kurs über die obere Trendlinie nach oben ausbricht (Kaufsignal, Aufwärtstrendwechsel) oder unter die untere Trendlinie (Verkaufssignal, Abwärtstrendwechsel). Selbst solche Marktphasen können Anleger und Trader gewinnbringend nutzen.

Eine Handelsstrategie könnte hier beispielsweise sein, die Aktie im Kursbereich der unteren Trendlinie zu kaufen und wieder zu verkaufen, wenn sich der Kurs der oberen Trendlinie annähert. In Erwartung also, dass es dann wieder die nächste Gegenbewegung nach unten gibt. Oder es wird auf einen Wechsel vom Seitwärts- in den nächsten Aufwärtstrend gesetzt. Die Aktie müsste dann gekauft werden, wenn der dauerhafte Ausbruch über die obere Trendlinie gelingt.

The trend is your friend!

Gemäß der Grundannahme „Kurse bewegen sich in Trends“ handeln Charttechniker immer in die Richtung des übergeordneten Trends. Ihnen ist also zum Beispiel egal, ob es vom entsprechenden Unternehmen schlechte Nachrichten gibt, wie zum Beispiel einen vermeldeten Gewinneinbruch oder eine gekappte Geschäftsprognose.

Wenn die Aktie im Aufwärtstrend notiert, sollte hier von weiter steigenden Kursen ausgegangen werden. Getreu der charttechnischen Devise: „The trend ist your friend!“. Anleger sollten also nicht versuchen, auf die Gegenrichtung zu spekulieren und damit schlauer sein zu wollen, als der Markt, sondern auf eine Fortsetzung des Trends setzen.

Technische Analyse, die Vorhersage von Kursbewegungen auf der Basis vergangener Kursbewegungen, hat trotz ihrer Unvereinbarkeit mit der Vorstellung der meisten Ökonomen über „effiziente Märkte“ gezeigt, dass sie statistisch signifikante Gewinne generieren kann. (Federal Reserve Bank of New York, C. L. Osler and P. H. Kevin Chang, Staff Report No. 4, August 1995.)

Die Aussagekraft von Unterstützung und Widerstand

Kursunterstützungen und Kurswiderstände spielen in der Charttechnik eine große Rolle. Dahinter steht die Annahme, dass sich Kursentwicklungen/-muster aus der Vergangenheit mit relativ großer Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft wiederholen werden. Das legt ja auch das dritte Axiom der Technischen Analyse „Die Geschichte wiederholt sich“ nahe.

Wichtig zu beachten dabei: Je öfter eine Kursmarke in der Vergangenheit als Unterstützung oder Widerstand fungiert hat, desto bedeutender ist diese. Ist eine Aktie zum Beispiel bereits mehrfach auf 100 Euro gefallen, hat auf diesem Niveau danach aber immer wieder den Weg nach oben eingeschlagen, kann die 100er-Marke als massive Unterstützung bezeichnet werden.

Charttechniker rechnen damit, dass eine Unterstützung oder ein Widerstand, der in der Vergangenheit immer wieder gehalten hat, auch künftig mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit halten wird. Wie bereits angeführt, lassen sich diese Kursmuster mit der Massenpsychologie der Anleger erklären.

Ziel der Technischen Finanzanalyse ist es, aus historischen Kursverläufen Rückschlüsse zu ziehen auf die wahrscheinliche, weitere Entwicklung. (Bildquelle: Pixabay / PIX1861)

Trendbestimmung mit der 200-Tage-Linie

Die mE-Erklärung:
200-Tage-Linie = (Schlusskurs 1 + Schlusskurs 2 + … + Schlusskurs 200) / 200

Wenn es darum geht, übergeordnete Kurstrends zu identifizieren und daraus Handelssignale abzuleiten, sind gleitende Durchschnitte sehr beliebt. Der von Anlegern meist beachtete und genutzte ist der Gleitende Durchschnitt 200 (GD-200) oder auch 200-Tage-Linie genannt.

Die Berechnung, die alle gängigen Chart-Programme übernehmen, ist einfach: Es werden die Schlusskurse der zurückliegenden 200 Handelstage addiert, und die Summe daraus wird dann durch 200 geteilt. So berechnet sich der Wert des GD 200 von heute.

Am nächsten Tag wird dann der älteste Schlusskurs von vor 201 Tagen herausgenommen und der Schlusskurs von gestern hinzugefügt, und so weiter. Wenn alle so berechneten Durchschnittswerte miteinander verbunden werden, ergibt das die 200-Tage-Linie.

Die mE-Erklärung

Ein Kurs über dem GD 200 = Aufwärtstrend
Ein Kurs unter dem GD 200 = Abwärtstrend

Mit der 200-Tage-Linie lassen sich übergeordnete Auf- und Abwärtstrends identifizieren. Notiert die Aktie über dem GD-200, liegt ein Aufwärtstrend vor. Bewegt sich die Aktie dagegen unter ihrer 200-Tage-Linie, lässt sich ein Abwärtstrend unterstellen.

 

Die 200-Tage-Linie ist dementsprechend ein Filter, der übergeordnete Aufwärts-, Abwärts- oder Seitwärtstrends einer Aktie oder eines beliebigen Basiswertes sichtbar macht.

Da der GD-200 rund 40 Wochen (fünf Handelstage pro Woche) abdeckt, ist dieser Indikator ziemlich langfristig orientiert und macht dementsprechend vor allem langfristige Trendentwicklungen sichtbar. Dabei lassen sich Trends wie folgt identifizieren:

Notiert beispielsweise eine Aktie über ihrem GD-200, liegt ein Aufwärtstrend vor. Notiert die Aktie unter ihrer 200-Tage-Linie, lässt sich ein Abwärtstrend unterstellen. Und oszilliert der Kurs um eine tendenziell seitwärts laufende 200-Tage-Linie, bedeutet das einen Seitwärtstrend.

Die mE-Erklärung:

Ein Kurs schneidet GD 200 von unten nach oben = Kaufsignal
Ein Kurs schneidet GD 200 von oben nach unten = Verkaufssignal

 

 

Die Handelssignale des GD-200

Daraus lassen sich wiederum Handelssignale ableiten: Bricht der Kurs von unten kommend nach oben über den GD 200 aus, bedeutet das den Wechsel in den langfristigen Aufwärtstrend („Kaufsignal“). Das wäre ein Signal zum Einstieg in die Aktie. Kreuzt der Kurs die 200-Tage-Linie von oben kommend nach unten, bedeutet das den Wechsel in den langfristigen Abwärtstrend („Verkaufssignal“). Das würde den Ausstieg aus der Aktie nahelegen. Trader könnten im letztgenannten Fall beispielsweise auch mit „Short-Derivaten“ auf weiter fallende Kurse setzen.

Das Handeln nach der 200-Tage-Linie ist bei den Anlegern sehr beliebt. Und weil so viele nach ihr Handeln (Selbsterfüllende Prophezeiung), waren entsprechende Handelssysteme langfristig betrachtet nachweisbar erfolgreich. Gleichwohl sollten Anleger auch zwischenzeitliche Fehlsignale einkalkulieren.

So kommt es zum Beispiel immer mal wieder vor, dass ein Aktienkurs über seinen GD 200 nach oben ausbricht (Kaufsignal), aber im Anschluss wieder nach unten tendiert und den GD 200 dann wieder unterschreitet. Gerade in Seitwärtsmärkten gibt es hier immer wieder Fehlsignale. Langanhaltende Aufwärts- und Abwärtstrends lassen sich mit dem Konzept der 200-Tage-Linie dagegen sehr gut handeln.

Die Bewegung der Märkte scheint auf viele zufällig zu wirken. Die Illusion der Zufälligkeit verschwindet nach und nach, wenn die Geschicklichkeit beim Lesen von Charts zunimmt. (John J. Murphy)

Wichtige Chart-Formationen für Aktienanleger

Dass Anleger „Gewohnheitstiere“ sind und in bestimmten Marktphasen auch immer wieder ähnlich handeln wie in der Vergangenheit, zeigt sich an besonders markanten Chart-Formationen. Davon gibt es eine Vielzahl, mit denen sich ganze Bücher füllen lassen. Hier sollen deshalb nur vier Beispiele gezeigt werden, um das Grundmuster zu erklären.

Generell lassen sich Chart-Formationen in zwei Gruppen einteilen, nämlich in Trendfortsetzungsformationen und in Trendwendeformationen. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um typische Kursmuster, die darauf hindeuten, dass sich ein übergeordneter Trend nach einer vorübergehenden Konsolidierungsphase voraussichtlich fortsetzen wird. Zeichnet sich dagegen eine Trendwendeformation ab, so ist damit zu rechnen, dass ein übergeordneter Trend vor dem Ende steht und der Kurs schon bald dauerhaft die Gegenrichtung einschlagen wird.

Bei einer Flagge handelt es sich um eine typische Trendfortsetzungsformation. Denn nach einer zeitweisen Konsolidierung setzt der Kurs wieder den vorangegangenen, übergeordneten Trend fort, in diesem Fall den Aufwärtstrend.

 

a) Die Trendfortsetzungsformationen

Zu den sehr häufig vorkommenden Trendfortsetzungsformationen gehört die sogenannte „Flagge“. Wie die Abbildung zeigt, notiert die Aktie zunächst in einem klaren Aufwärtstrend.

Doch im Anschluss geht der Kurs in eine leichte Abwärtsbewegung über. Das zeigt sich an den absteigenden Hoch- und Tiefpunkten, die hier mit Trendlinien hervorgehoben worden sind.

Dieser abwärts gerichtete Trendkanal wird auch „Bullenflagge“ genannt, da es sich um eine zwischenzeitliche Konsolidierung in einem übergeordneten Aufwärtstrend („Bullenmarkt“) handelt. Später bricht der Kurs aber über die obere Begrenzung der Flagge nach oben aus (Kaufsignal).

Charttechnisch bedeutet das, die Konsolidierung dürfte jetzt beendet sein und es bestehen gute Chancen, dass die Aktie den übergeordneten Aufwärtstrend nun fortsetzt.

 

Im symmetrischen Dreieck nehmen die Kursschwankungen ab. Nach dem Ausbruch aus der Formation folgt dann eine dynamische Kursentwicklung in Richtung des übergeordneten Trends.

b) Das symmetrische Dreieck

Auch beim sogenannten „symmetrischem Dreieck“ handelt es sich um eine immer wieder anzutreffende Trendfortsetzungsformation. Auch hier notiert die Aktie anfangs in einem Aufwärtstrend. Im weiteren Kursverlauf gibt es dann eine Seitwärtsbewegung.

Wie sich an den eingezeichneten Trendlinien zeigt, fallen die zwischenzeitlichen Hochpunkte immer niedriger aus, während die Tiefpunkte auf immer höheren Kursniveaus gebildet werden. Die Kursentwicklung wird innerhalb der Dreiecks-Formation also typischerweise immer bewegungsärmer.

Im Anschluss brechen die Notierungen dann aus der Dreiecksformation nach oben aus, was ein charttechnisches Kaufsignal bedeutet. Ein Kauf der Aktie hätte sich hier gelohnt, denn nach dem Einstiegssignal wechselt die Aktie zurück in den übergeordneten Aufwärtstrend.

Wie in diesem Beispiel zu sehen, geht es für den Kurs danach sehr dynamisch nach oben. Genau das ist typisch für das symmetrische Dreieck: Während die Kursschwankungen innerhalb der Formation immer geringer werden, folgt nach dem Ausbruch eine kräftige Kurs-Rallye.

Markiert eine Aktie ein Doppeltop und bricht danach unter die Unterstützung ein, bedeutet das ein charttechnisches Verkaufssignal. Es ist dann damit zu rechnen, dass sich der bisherige Trend umkehrt, in diesem Beispiel nach unten.

c) Ein Warnsignal für Anleger: Das Doppeltop

Eine sehr oft anzutreffende Trendumkehrformation ist das Doppeltop. Im Chart ist zu sehen, dass die Aktie anfangs in einem Aufwärtstrend notiert, der in einem Hoch (Top 1) mündet. Nach einer Korrektur auf die eingezeichnete Unterstützung steigen die Notierungen wieder auf das Kursniveau des vorangegangenen Hochs (Top 2).

Es gelingt aber nicht der Ausbruch über diesen Widerstand. Stattdessen geht es für den Kurs im Anschluss wieder abwärts. Die Doppeltop-Formation wird mit dem Fall unter die Unterstützung abgeschlossen (Verkaufssignal).

Das bedeutet, der vorangegangene Aufwärtstrend ist jetzt nicht mehr gültig. Anleger sollten dementsprechend die Aktie besser verkaufen. In diesem Musterbeispiel trat dann auch genau das befürchtete Szenario ein, denn nach dem Verkaufssignal wechselte die Aktie in den Abwärtstrend.

 

 

 

Nachdem hier zunächst zwei Tiefs ausgebildet worden sind, gelingt der Ausbruch über den Widerstand, womit die Doppeltief-Formation abgeschlossen ist. Die Wahrscheinlichkeit ist dann hoch, dass die Aktie in einen dauerhaften Aufwärtstrend wechselt.

d) Ein Doppeltief signalisiert eine Aufwärtstrendwende

Das Spiegelbild der Doppeltop-Formation ist das Doppeltief. Hier bewegt sich die Aktie in der ersten Phase in einem Abwärtstrend, der bei „Tief 1“ einen Kursboden ausbildet. Nachdem sich die Notierungen im Anschluss bis in den Widerstandsbereich erholen, bricht die Aktie erneut ein, und zwar bis auf das Niveau des jüngsten Kursbodens (Tief 2).

Dieser Kursbereich entpuppt sich aber als Unterstützung, denn der Kurs legt im Anschluss wieder zu. Später gelingt dann der Ausbruch über den eingezeichneten Kurswiderstand (Kaufsignal).

Das bedeutet den Abschluss dieser Formation, woraufhin die Aktie dann auch wie erwartet in einen anhaltenden Aufwärtstrend wechselt.

mE-Fazit

An der Börse spielen massenpsychologische Phänomene eine große Rolle, die sich dementsprechend auch in den Kursentwicklungen niederschlagen. Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse wird der Faktor Anleger-Psychologie in der Technischen Analyse berücksichtigt. Denn hier werden die historischen und aktuellen Kursverläufe genau beleuchtet, wobei mit vergangenen Kursmustern Rückschlüsse gezogen werden auf die mögliche, weitere Entwicklung.

Natürlich lässt sich auch mit der Charttechnik die Zukunft nicht mit Sicherheit voraussehen. Vielmehr handelt es sich hier um eine Abwägung von Wahrscheinlichkeiten, so wie es beispielsweise auch von den Meteorologen bei den täglichen Wetterprognosen mal mehr und mal weniger erfolgreich praktiziert wird.

Für Anleger dürfte es sich deshalb lohnen, die Werkzeuge der Charttechnik zu nutzen. Hierbei gilt, wie auch in dem meisten anderen Disziplinen, die Weisheit: Übung macht den Meister …

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