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Die türkische Währung fällt ins Bodenlose. Am Morgen können Dollar und Euro zeitweise um mehr als 10 Prozent gegenüber der türkischen Währung zulegen.

Die Währungskrise in der Türkei spitzt sich zu. Am Morgen sank der Wert der türkischen Lira auf neue Rekordtiefs gegenüber Euro und Dollar. Die türkische Währung schwächelt tatsächlich schon seit Jahren. Doch in den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die Abwertung noch einmal dramatisch beschleunigt.

Verantwortlich für die Schwäche der türkischen Währung ist vor allem, dass der türkische Präsident Erdogan das Vertrauen in die Währung massiv beschädigt hat und der Streit zwischen Washington und Ankara über einen in der Türkei festgehaltenen Geistlichen eskaliert ist. Der Streit gefährdet inzwischen auch die militärische Allianz der Türkei mit dem Westen im Rahmen der NATO.

Zu großer Verunsicherung hat auch Erdogans Wirtschaftspolitik in den vergangenen Monaten und Jahren geführt. Erdogan lehnt offenbar trotz einer hohen Inflation weitere Zinserhöhungen ab und hat zudem die Unabhängigkeit der Notenbank de facto abgeschafft. Auch Aussagen Erdogans, wonach Zinssenkungen zu einem Rückgang der Inflation führen könnten, sorgten für Stirnrunzeln.

Inzwischen zeichnet sich eine dramatische Vertrauenskrise ab und Kapital wird in großem Stil aus der Türkei abgezogen. Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren und befindet sich auf einem Rekordtief gegenüber Euro und Dollar. Am Morgen konnten Euro und Dollar zeitweise um mehr als 10 Prozent gegenüber der türkischen Lira zulegen, nachdem die Lira bereits in den vergangenen Tagen stark abgewertet hatte.

Am Freitag wollte der türkische Finanzminister Berat Albayrak um 11.00 Uhr eigentlich ein „neues ökonomisches Modell für die Türkei präsentieren. Der Termin wurde nun aber offenbar kurzfristig verschoben.

Der Verfall der türkischen Währung könnte auch Banken in der Eurozone bedrohen, die zum Teil hohe Summen an Euro- und Dollar-Krediten in der Türkei vergeben haben. Viele türkische Kreditnehmer dürften sich nicht ausreichend gegen den Kursverfall der heimischen Währung abgesichert haben und könnten deshalb Probleme bei der Rückzahlung der Kredite in Euro und Dollar bekommen. Nach einem Bericht der „Financial Times“ sorgt sich deshalb die Europäische Zentralbank (EZB) vor allem um die Großbanken BBVA , BNP Paribas und Unicredit. Spanische Banken sollen in der Türkei Kredite über rund 83 Mrd. Dollar vergeben haben, französische Banken im Umfang von 38 Mrd. Dollar und italienische Institute in Höhe von 17 Mrd. Dollar.

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Autor: Oliver Baron, Redakteur bei GodmodeTrader.de

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