Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Die letzten Monate waren für Goldanleger ernüchternd. Keine Unsicherheit – ob Handelskrieg oder Iran – konnte den Preis nach oben bewegen. Gold fiel sogar. Ist die Zeit von Gold als sichere Anlage vorbei? Und warum kauft eigentlich Russland Gold?

Die Geister spalten sich über diese Frage. Einige Anleger fühlen sich jetzt erst einmal bestätigt. Sie hielten Gold schon immer für eine unsinnige Anlage. Gold zahlt keine Zinsen oder Dividenden. Es ist nicht produktiv. Als Anlage für die Geldvermehrung taugt es daher nicht.

Im besten Fall ist Gold für Schmuck geeignet, aber nicht mehr. Als Anlage ist Gold geradezu unvernünftig. Das meinen nicht nur radikale Einzelpersonen, sondern auch Investorenlegenden wie Buffett.

Seit 2011 hat Gold keine Rendite mehr gebracht. Aktien sind im gleichen Zeitraum sehr attraktiv gewesen. Wer das Rennen macht, ist so klar, dass man darüber gar nicht diskutieren muss. Noch eindeutiger hat Gold gegen die neue Anlageklasse Kryptowährungen verloren.

Einige Kryptoanhänger sehen die neue Anlageklasse als Goldersatz. Bitcoin und Co. sind demnach das bessere Gold. Wer auf Gold setzt, ist selber schuld und antiquiert. Kryptos können nicht beliebig vermehrt werden. Das teilen sie mit Gold. Darüber hinaus sind sie aber viel einfacher und schneller handelbar.

Vieles spricht dafür, dass die große Zeit von Gold vorbei ist. Genau das sollte allerdings hellhörig machen. Gold lässt sich meiner Meinung nach immer noch nicht durch eine andere Anlage ersetzen.

Buffett hat natürlich Recht, dass Gold als Investment nicht viel taugt. Gold ist kein Investment. Es ist für den Werterhalt gedacht. Ein Investment soll Rendite bringen. Eine Anlage in Gold soll den Wert erhalten. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Gold erfüllt diesen Zweck seit mehr als 2000 Jahren. So schnell wird sich das nicht ändern. Die derzeitige Underperformance von Gold kann man nicht wegdiskutieren. Sie ist aber auch nicht neu. Es ist nicht das erste Mal, dass Gold keine Performance zeigt. Das zermürbt Anleger. Irgendwann setzt sich die Meinung durch, dass Gold nichts mehr taugt. In den Folgejahren werden Anleger dann eines Besseren belehrt.

Bild: Langfristiger Gold-Verlauf

Das Vertrauen in Gold ist nämlich durchaus noch vorhanden. Bestes Beispiel ist Russland. Russland kauft Gold – tonnenweise. Gold ist Geldersatz. Es hat dabei viele Vorteile. Alle anderen Anlagen sind an eine Währung gebunden. Wer z.B. US-Anleihen kauft, hat ein Dollarrisiko. Wer deutsche Aktien kauft, muss auf den Euro setzen.

Gold hingegen ist einfach Gold. Es unterliegt keiner staatlichen Kontrolle. Es kann nicht effektiv sanktioniert werden. Genau das reizt Russland an Gold. Wegen der Sanktionen der USA sind Dollaranlagen ein Problem und ein Risiko. Bei Gold ist das anders.

Keine andere Anlage bietet das. Gold erfüllt immer noch seinen Zweck. Die Zeit des Goldes als eine der wenigen Anlagen bzw. sogar der einzigen Anlage, die werterhaltend ist und nicht der staatlichen Kontrolle unterliegt, hat keine Konkurrenz. Die Performance mag derzeit ernüchternd sein. Wer Geduld hat, muss sich darüber aber keine Sorgen machen.

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Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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