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Das Ersparte mit gutem Gewissen investieren, das wünschen sich wohl immer mehr Kleinanleger. Und dieses Thema der „grünen/nachhaltigen“ Investments erhält aktuell durch die Brüsseler Bürokratie weiteren Rückenwind.

Die ESG-Verpackung (Environment, Social, Governance) ist gefühlt überall präsent und wird die Finanzbranche in den kommenden Jahren in zunehmendem Maße beschäftigen. Denn schon sehr bald will die Europäische Union qua Regulierung dafür sorgen, dass Nachhaltigkeits-Themen in der Asset-Allokation stärker berücksichtigt werden müssen als bisher. Dies ist dem im vergangenen Frühjahr vorgestellten Aktionsplan der EU-Kommission für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft zu entnehmen. Zu den Kernpunkten zählt indes das Ausarbeiten eines einheitlichen europäischen Klassifikationssystems.

Analysten prüfen dann vor jeder Investitionsentscheidung, ob das Unternehmen die vereinbarten Standards einhält. Ist das nicht der Fall, bestraft der Kapitalmarkt diese Gesellschaften. Zumindest kurzzeitig.

Das gestiegene Interesse an grünen Themen und die erhöhte Investitionsbereitschaft spiegeln sich auch im Ergebnis einer Online-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands aus dem Mai 2018 wider. Circa 1.900 Personen, in der Regel gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren, nahmen an dieser Umfrage teil. Tatsächlich gab jeder fünfte Zertifikate-Anleger in Deutschland an, dass ethische und ökologische Kriterien im Rahmen seiner Portfolioallokation höchst bedeutsam sind. Immerhin noch etwas mehr als ein Viertel gibt an, dass sie diese Kriterien bei ihrer Entscheidungsfindung zunehmend in Betracht ziehen. Doch mitunter ist auch etwas Vorsicht geboten. Die Termini „Nachhaltigkeit“ und „grüne Anlagen“ werden geradezu inflationär verwendet. ESG-Faktoren sind oftmals eher schlecht als recht dokumentiert. Zahlreiche Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene haben Methoden entwickelt, die Nachhaltigkeitsfaktoren in Unternehmen zu erkennen. Auch Rating-Agenturen mischen hier mit und messen entsprechende Standards.

Angesichts der Angebotsvielfalt dürfte es interessierten Anlegern jedoch schwerfallen, sich zurechtzufinden und die für sie wichtigen Informationen entsprechend zu filtern. Hier sollte eine Vereinfachung erfolgen, die Klarheit bietet. Das würde Anlegern zusätzliche Sicherheit bei ihren Investment-Entscheidungen geben. Erst dann wären nachhaltige Investments der Nische entwachsen und wirklich im Universum breiterer Anlegerkreise angekommen.

DDV, Lars BrandauEin Beitrag von Lars Brandau

Er ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war Lars Brandau unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig; zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse. Weitere Informationen unter: www.derivateverband.de

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