US-Aktien: Small- und MidCaps hinken dem Markt hinterher

Starke Gewinner, schwache Breite: Der US-Aktienmarkt bleibt selektiv – während KI-Profiteure glänzen, hinken andere Sektoren hinterher.

(Bildquelle: marktEINBLICKE)

In den USA ist die Marktführung eindeutig. Große Technologie-, Plattform-, Halbleiter- und Cloud-Unternehmen dominieren weiterhin die Indexentwicklung. Titel, die direkt oder indirekt vom Ausbau künstlicher Intelligenz profitieren, bleiben die stärksten Treiber. Dazu zählen Halbleiterhersteller, Anbieter von Rechenzentrumsinfrastruktur, Cloud-Plattformen, Netzwerktechnikunternehmen, digitale Werbeplattformen und Softwareunternehmen mit klarer KI-Integration.

Diese Führungsrolle ist fundamental nachvollziehbar. Viele der dominierenden US-Technologiewerte verfügen über hohe Margen, starke freie Cashflows, globale Skalierbarkeit und aussergewöhnliche Bilanzqualität. Anders als in früheren spekulativen Phasen stehen hinter vielen Kursgewinnen reale Gewinne und massive Investitionsprogramme. Der KI-Zyklus ist somit nicht nur eine Bewertungsgeschichte, sondern bereits in Investitionen, Umsätzen und Kapitalausgaben sichtbar.

Die US-Hausse bleibt stark konzentriert. (Bildquelle: marktEINBLICKE)

Dennoch bleibt die US-Hausse stark konzentriert. Der S&P 500 ist kapitalisierungsgewichtet. Wenn wenige sehr große Unternehmen stark steigen, kann der Index neue Höchststände erreichen, selbst wenn viele andere Aktien nur seitwärts laufen oder zurückbleiben. Eine passive US-Allokation ist heute zu einem großen Teil eine Wette auf wenige strukturelle Gewinner – vor allem auf KI, Plattformökonomie und Mega-Cap-Qualität.

Das muss jedoch nicht negativ sein. Die führenden Unternehmen sind häufig auch die profitabelsten und wettbewerbsfähigsten auf dem globalen Markt. Problematisch wäre es erst, wenn die Gewinnerwartungen zu weit vorauseilen oder die Investitionen in KI nicht die erwarteten Renditen bringen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Technologie den Markt trägt. Das tut sie. Die Frage ist, ob die Gewinnentwicklung die hohen Erwartungen weiterhin rechtfertigen kann.

Welche Bereiche hinken hinterher?

Gerade weil die Marktführer so stark sind, ist der Blick auf die Nachzügler besonders wichtig. Derzeit ist der US-Markt kein Markt, in dem alles gleichmäßig steigt. Der Markt unterscheidet sehr klar zwischen Unternehmen mit strukturellem Wachstum und solchen mit zyklischem, regulatorischem oder finanziellem Gegenwind.

Zu den relativen Nachzüglern gehört der Gesundheitssektor. Langfristig bleiben die Bereiche Pharma, Biotechnologie, Medtech und Gesundheitsdienstleistungen attraktiv, doch kurzfristig fehlt dem Sektor die Dynamik der KI-Gewinner. Politische Preisdebatten, Patentabläufe, Unsicherheiten in Medikamentenpipelines und Einzeltitelrisiken belasten die Bewertung. Zwar sind viele Gesundheitswerte qualitativ solide, sie erhalten derzeit jedoch nicht dieselbe Prämie wie Technologietitel mit höherem Gewinnwachstum.

Auch zyklische Konsumwerte entwickeln sich uneinheitlich. Der US-Konsument ist zwar insgesamt widerstandsfähig, doch die Spreizung nimmt zu. Höhere Finanzierungskosten, steigende Kreditkartensalden, teurere Autokredite und der Druck auf einkommensschwächere Haushalte belasten Teile des Einzelhandels, der Freizeitindustrie, der Automobilbranche und konsumnaher Dienstleistungen. Hochwertige Marken und Plattformen können sich behaupten, viele breitere Konsumtitel bleiben jedoch hinter dem Markt zurück.

Der US-Immobiliensektor bleibt ein klarer Nachzügler an der Börse. (Bildquelle: Unspalsh/Andreas Strandman)

Der Immobiliensektor bleibt ebenfalls ein klarer Nachzügler. Höhere Zinsen, Refinanzierungsrisiken und struktureller Druck belasten Gewerbeimmobilien. Ausnahmen gibt es etwa bei Rechenzentren, Logistikimmobilien oder bestimmten Wohnsegmenten. Der klassische börsennotierte Immobilienbereich bleibt jedoch empfindlich gegenüber Kapitalmarktzinsen und Bewertungsanpassungen.

Auch Small- und Mid-Caps hinken dem Large-Cap-Markt hinterher. Das ist für die Marktbreite besonders relevant. Kleinere und mittlere Unternehmen sind stärker binnenwirtschaftlich orientiert, haben weniger Zugang zu günstigem Kapital und spüren Lohn-, Zins- und Finanzierungskosten stärker als große Konzerne. Solange Anleger Sicherheit, Liquidität und Bilanzqualität bevorzugen, fließt Kapital vor allem in große, profitable Marktführer.

Innerhalb des US-Technologiesektors gibt es deutliche Unterschiede. (Bildquelle: markteinblicke.de)

Innerhalb des Technologiesektors gibt es ebenfalls Unterschiede. Die US-Hausse ist nicht einfach eine pauschale Tech-Rally. Besonders stark sind KI-Infrastruktur, Halbleiter, Cloud-Kapazität, Plattformen und Unternehmen mit sehr großer Bilanzkraft. Dagegen stehen Teile der klassischen Softwarebranche unter Druck. Neue KI-Werkzeuge können bestehende Softwaremodelle ergänzen, aber auch disruptiv wirken. Unternehmen ohne klare KI-Monetarisierungsstrategie oder mit nachlassender Preissetzungsmacht werden deutlich kritischer bewertet.

Basiskonsum und Versorger erfüllen weiterhin eine Stabilisierungsfunktion, führen den Markt jedoch nicht an. Beide Sektoren leiden unter Zinskonkurrenz und begrenzter Gewinnfantasie. Sie bleiben für defensive Portfolios wichtig, bieten im aktuellen Umfeld jedoch weniger Wachstumsdynamik als Technologie-, Industrie- oder ausgewählte Finanzwerte.

Das Bild für die USA ist damit konstruktiv, aber selektiv. Die Marktführer sind stark und fundamental unterlegt. Gleichzeitig bleibt die Breite begrenzt. Für Anleger ist das jedoch kein Grund, US-Aktien grundsätzlich zu meiden. Es spricht jedoch für eine aktive Steuerung der Exponierung. Qualitätswachstum bleibt attraktiv, doch Klumpenrisiken sollten bewusst kontrolliert werden.

Ein Beitrag von Serge Nussbaumer

Er ist Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix Securities

 

 

 

 

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