Preisschock? Apple bleibt gelassen

Apple reagiert auf explodierende Speicherchippreise: Warum der Konzern trotz höherer Kosten seine Margen sichern und sogar profitieren könnte.

(Bildquelle: Pressefoto Apple)

Micron Technology hat gerade für das abgelaufene dritte Quartal (Ende Mai) des Geschäftsjahres 2025/26 im Vorjahresvergleich eine mehr als Vervierfachung des Umsatzes gemeldet. Der Spezialist für Speicherchips profitiert von einer beispiellosen Angebotsknappheit im Zuge des KI-Booms. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen wie Apple (WKN: 865985 / ISIN: US0378331005), die diese Chips einkaufen müssen. Nun reagierte der Konzern mit dem Apfel im Logo.

Apple musste handeln

Apple-CEO Tim Cook hatte Kunden und Marktteilnehmer in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ auf umfassende Preiserhöhungen vorbereitet. Man sei regelrecht gezwungen, die Preise anzuheben. „Die Situation ist untragbar geworden“, so Cook. Er merkte außerdem an, dass der jüngste Anstieg der Speicherkosten alles übertreffe, was er in seinen mehr als 40 Jahren in der Branche erlebt habe.

Kurz darauf folgten die entsprechenden Preisanpassungen nach oben. Beispielsweise kostet das iPad Air nun 749 US-Dollar statt der vorherigen 599 US-Dollar. Beim MacBook Pro steigt der Preis wiederum von 1.699 auf 1.999 US-Dollar. Das wichtigste Produkt, das iPhone, wurde bisher ausgeklammert, dabei dürfte es jedoch nicht bleiben. Zumal Apple verschiedene Möglichkeiten hat, die Preise anzuheben.

Apples Preisstrategie bestand in der Vergangenheit darin, die kostengünstigste Option aus dem Sortiment zu nehmen, höhere Speicher- oder Arbeitsspeicherkapazitäten zum neuen Einstiegspunkt zu machen oder Käufer zu Pro-Modellen und Versionen mit höherer Kapazität zu lenken. So hatte Apple im Mai die günstigste Konfiguration des Mac mini eingestellt und die 256-GB-Option für 599 US-Dollar aus dem Sortiment genommen.

Apple baut seinen Vorsprung aus

In einer ersten Reaktion hatten Anleger Apple für die angekündigten Preiserhöhungen sowie das Eingeständnis, angesichts steigender Speicherkosten unter Druck zu stehen, abgestraft. Seitdem hat sich die Apple-Aktie aber wieder etwas stabilisiert. Schließlich ist es auch eine gute Nachricht für Anleger, wenn der Konzern seine Margen weiterhin hochhalten möchte. Zumal Tarun Pathak, Forschungsleiter bei Counterpoint Research, davon ausgeht, dass Apple in diesem Jahr im Smartphone-Bereich einen Rekordmarktanteil erreichen dürfte.

Seiner Ansicht nach wird derzeit „die einzigartige Widerstandsfähigkeit von Apple innerhalb der Branche verdeutlicht“. Apple gewinnt weiterhin in allen Kategorien neue Nutzer hinzu, und aus seiner Sicht wird es für Wettbewerber immer schwieriger, Apple-Nutzer dazu zu bewegen, zu ihrem Betriebssystem zu wechseln. Die iPhone-Auslieferungen von Apple dürften 2026 laut Pathak auf dem gleichen Niveau bleiben, während die meisten anderen wichtigen Hersteller zweistellige Rückgänge verzeichnen werden. Die Anbieter müssten auf Preiserhöhungen zurückgreifen, um ihre Margen zu sichern, doch Apple habe die iPhone-Preise bislang noch nicht angehoben.

Premium-Segmente weisen höhere Margen auf und können Preisschocks besser abfedern. Gleichzeitig sind wohlhabende Verbraucher weniger von Preiserhöhungen betroffen. Darüber hinaus wird erwartet, dass sich die iPhone-18-Pro-Serie besser verkaufen wird als die iPhone-17-Pro-Serie, und das iPhone-17-Modell dürfte aus Analystensicht seine starke Entwicklung fortsetzen, da das iPhone 18 im Jahr 2026 nicht auf den Markt kommt. Infolgedessen soll Apple im Jahr 2026 mit rund 25 Prozent seinen bisher höchsten Marktanteil auf dem Smartphone-Markt erreichen.

Noch mehr Argumente für höhere Preise

Nachdem „Apple Intelligence“ bisher nicht wie gewünscht gezündet hatte, soll dies nun „Siri AI“ gelingen. Damit bot die diesjährige Worldwide Developers Conference (WWDC) Apple die Chance, in Sachen Künstliche Intelligenz durchzustarten. Die Assistenz kommt künftig als eigenständige Siri-App daher.

Gleichzeitig können so aber auch zukünftige Preiserhöhungen besser gerechtfertigt werden. Aufwendige KI-Funktionen benötigen mehr Arbeitsspeicher. Beispielsweise geht man bei IDC davon aus, dass alle neuen iPhone-Modelle auf 12 GB RAM umgestellt werden, da Apple vermeiden möchte, neue Geräte zu verkaufen, die nicht auf die gesamte Palette der Apple-Intelligence-Funktionen zugreifen können.

Es wird geschätzt, dass etwa 54 Prozent der seit 2022 ausgelieferten iPhones das neue Siri-Erlebnis nicht in vollem Umfang unterstützen werden. Dies bietet Apple eine Möglichkeit, höhere Preise mit leistungsfähigerer Hardware zu begründen, anstatt lediglich die gestiegenen Komponentenkosten weiterzugeben.

Mein Fazit

Apple steht durch den starken Anstieg der Speicherchippreise infolge des KI-Booms zwar unter erheblichem Kostendruck, verfügt jedoch über eine außergewöhnlich starke Marktposition, um diese Belastungen aufzufangen. Der Konzern kann Preiserhöhungen dank seiner hohen Markenloyalität, seines Premium-Images und einer geschickten Produktstrategie besser durchsetzen als viele Wettbewerber. Gleichzeitig eröffnen KI-Funktionen wie die Weiterentwicklung von Siri und der steigende Hardwarebedarf zusätzliche Argumente für höhere Gerätepreise.

Als Alternative zu einem Direktinvestment in Apple käme auch ein Indexzertifikat auf den Magnificent 7 Index (WKN: DA0AC0 / ISIN: DE000DA0AC05) infrage. Bei den Magnificent 7 handelt es sich um die sieben Technologiewerte Meta Platforms, Alphabet, Microsoft, Amazon, Apple, NVIDIA und Tesla.

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