Bitcoin befindet sich im Spannungsfeld zwischen sei­nem Vierjahreszyklus und einem Markt, der sich neuen Investmentthemen zugewandt hat

Während Bitcoin auf eine nachhaltige Bodenbildung wartet, entwickelt sich Ethereum technologisch weiter. Der Fokus der Anleger verschiebt sich zunehmend von Spekulation hin zu Fundamentaldaten.

(Bildquelle: Unsplash / Jakub Żerdzicki)

Im Juni setzte sich die Aufmerksamkeitsschwäche im Kryptomarkt weiter in Kursverlusten fort. Die Dominanz von BTC und ETH nahm ab, während Stablecoins an Bedeutung gewannen und die ETF-Zuflüsse deutlich nachließen. Der langfristige Investment Case bleibt bestehen, kurzfristig konkurriert Krypto jedoch mit KI-Aktien, robusten US-Blue-Chips sowie attraktiven Renditen auf Cash und Anleihen um Kapital. Der Markt befindet sich zunehmend in einer interessanten Reset-Phase. Bis Bitcoin den Bereich zwischen 71’000 und 83’000 USD zurückerobert, bleiben Erholungen vorwiegend taktischer Natur.

Wertentwicklung und Korrelationen der Anlageklassen

Knappheitsbasierte Anlageklassen wie Bitcoin, Ethereum, Gold und Silber gerieten unter Druck, da hartnäckige Inflation und hohe Realzinsen die Opportunitätskosten unverzinslicher Anlagen erhöhten. Aktien entwickelten sich dank KI-getriebenem Gewinnwachstum robuster. Gleichzeitig nahmen die Korrelationen zwischen den Anlageklassen zu, wodurch Diversifikation weniger Schutz bot.

Kryptomarktdynamik

Die meisten großen Krypto-Assets schlossen den Monat im Minus, wobei Memecoins die deutlichsten Verluste verzeichneten. Gleichzeitig rücken nachhaltige Geschäftsmodelle zunehmend in den Fokus. DEXs und Handelsplattformen profitierten von hoher Volatilität und Handelsaktivität, während sich der Markt insgesamt in Richtung fundamentaler Bewertungskriterien wie Umsätze und Ertragskraft entwickelt.

Makroökonomische Indikatoren

Die Eskalation zwischen den USA und Iran ließ den Ölpreis kurzfristig über 100 USD steigen, bevor die geopolitische Risikoprämie wieder verschwand. Gleichzeitig blieben Inflation und Realzinsen hoch. Mit einer restriktiveren Haltung der US-Notenbank dürften die Märkte künftig mit höherer Volatilität und geringerer geldpolitischer Unterstützung rechnen. KI-nahe Aktien bleiben fundamental gut unterstützt, während Krypto und Edelmetalle weiterhin unter hohen Realzinsen leiden.

Onchain-Indikatoren

Bitcoin bewegt sich zunehmend in eine Spätphase des Marktstresses. Der Kurs notiert unter wichtigen Kostenbasen, mehr als die Hälfte des Angebots liegt im Verlust, und langfristige Investoren nähern sich historischen Belastungsniveaus früherer Bärenmärkte. Dies verbessert aus unserer Sicht das mittel- bis langfristige Chance-Risiko-Verhältnis, bestätigt jedoch noch keinen nachhaltigen Boden. Ethereum zeigt dagegen eine zunehmende strukturelle Stärke: Die Netzwerkaktivität steigt, während die Transaktionsgebühren weiter sinken und die Skalierung sichtbar voranschreitet.

Wichtige Entwicklungen im Kryptobereich

Ethereum setzte seine technologische Weiterentwicklung mit den Upgrades Dencun, Pectra, Fusaka und den Vorbereitungen für Glamsterdam konsequent fort und untermauert damit seine langfristige Investment-These. Auch andere Ökosysteme entwickelten sich weiter: Solana optimierte sein Gebühren- und Geldmodell, Circle baute seine Infrastruktur für digitale Zahlungen aus und Hyperliquid stärkte seine institutionelle Handelsinfrastruktur. Trotz schwacher Kursentwicklung schreitet der Ausbau der zugrunde liegenden Infrastruktur weiter voran und unterstreicht den langfristigen Trend hin zu programmierbaren Kapitalmärkten und robuster Settlement-Infrastruktur.

Ein Beitrag von Dominic Weibel

Er ist Head of Research bei Bitcoin Suisse.

 

 

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