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Auch im Nebenwertebereich finden sich immer wieder Unternehmen, die eine herausragende Marktpositionierung aufweisen und in ihrer speziellen Branche häufig zu den Marktführern gehören. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen Delticom (WKN: 514680 / ISIN: DE0005146807), das im Juli 1999 von Rainer Binder und Andreas Prüfer, zwei ehemaligen Managern von Continental, in Hannover gegründet wurde.

Im Jahr 2000 lancierte die Delticom AG mit ReifenDirekt.de den ersten Online-Reifen-Shop für Endkunden. Im Juni desselben Jahres folgte mit Autoreifenonline.de der erste Internet-Auftritt für gewerbliche Kunden. Ebenfalls noch im Jahr 2000 wurde mit ReifenDirekt.at der erste Auslands-Shop gestartet.

Europäischer Marktführer

Seitdem ist die Delticom AG mit ihrer Marke ReifenDirekt zum führenden Unternehmen in Europa im Bereich der Online-Distribution von Reifen und Kompletträdern aufgestiegen. Das Produktportfolio für Privat- und Geschäftskunden ist riesengroß und umfasst mehr als 100 Marken und über 25.000 Reifenmodelle für Pkw, Motorräder, Lkw, Nutzfahrzeuge und Busse.

Breite Angebotspalette

Die Angebotspalette wird dabei komplettiert unter anderem durch Kompletträder, Felgen, Fahrradreifen, Motoröle, Tuning Equipment, Werkstattausrüstungen und die unterschiedlichsten Pkw-Ersatzteile. Delticom betreibt in über 70 Ländern rund 500 Online-Shops sowie Online-Vertriebsplattformen und betreut darüber über 14 Millionen Kunden. Zum Service gehört dabei auch, dass die bestellten Produkte auf Wunsch des Kunden zur Montage zu einem der weltweit rund 40.000 Service-Partnern von Delticom geschickt werden können.

Delticom in der Krise

Dem Konzern, der mit seinen 24 Tochterunternehmen und rund 240 Mitarbeitern schwerpunktmäßig in Europa und den USA aktiv ist, machte in den vergangenen Jahren die Krise in der Automobilindustrie immer mehr zu schaffen, die den Reifenhandel belastete. So war der Umsatz – ebenso wie bereits im Vorjahr – im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019 rückläufig. Dieser belief sich auf 626 Mio. Euro, was ein Minus von drei Prozent gegenüber 2018 bedeutete. Unter dem Strich wurde ein Verlust von 41 Mio. Euro verbucht, nach einem Verlust von knapp zwei Mio. Euro im Vorjahr.

Konzernumbau und Kostensenkungen

Der scharfe Ergebniseinbruch resultierte laut Delticom aus hohen Restrukturierungskosten im Zuge der Veräußerung verlusttragender Geschäftsbereiche und der wieder stärkeren Fokussierung auf das Kerngeschäft Online-Reifenverkauf. Dieser Konzernumbau, der die Schließung des operativen Geschäfts der All you need GmbH miteinschloss, trug entscheidend dazu mit bei, dass die Erlöse in den ersten neun Monaten 2020 auf Jahressicht um 16 Prozent auf 355 Mio. Euro einbrachen.

Auf der anderen Seite führten die Umstrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen aber auch zu einer wieder deutlich gestiegenen Profitabilität. So verbesserte sich die Bruttomarge im Zeitraum Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 22,0 Prozent auf 23,9 Prozent. Dabei wurde ein Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,7 Mio. Euro erzielt, womit es Delticom operativ wieder zurück in die Gewinnspur geschafft hat (Vorjahr: Verlust 7,8 Mio. Euro).

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet Delticom damit, das untere Ende des bisherigen Umsatz-Prognosekorridors von 550 bis 570 Mio. Euro erreichen zu können (2019: 626 Mio. Euro). Beim EBITDA geht der Vorstand von einer Spanne zwischen fünf und acht Mio. Euro aus (2019: -6,6 Mio. Euro).

Jahrelange Aktien-Talfahrt

An der Börse ging es für die Aktie von Delticom, die seit dem Oktober 2006 im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet ist, jahrelang kontinuierlich bergab. Nachdem hier im Jahr 2012 ein Allzeithoch bei 82,51 Euro markiert wurde, brachen die Notierungen bis zum März dieses Jahres um 98 Prozent auf rund zwei Euro ein, was den tiefsten Kursstand in der bisherigen Börsenhistorie bedeutete.

Kräftiges Aufholpotenzial

Unter heftigen Schwankungen konnte sich der Kurs bis Mitte November wieder bis zeitweise auf 4,60 Euro nach oben arbeiten. Damit notiert die Aktie im Abstand von 46 Prozent über der 200-Tage-Linie (3,15 Euro), womit die Kurspfeile hier aktuell nach oben zeigen. Das nächste Kursziel ist das bisherige 2020er-Jahreshoch vom August bei 5,50 Euro, womit sich ein kurzfristiges Gewinnpotenzial von 20 Prozent eröffnet. Gelingt hier der Ausbruch nach oben, wäre die Bahn frei bis zum 2019er-Jahreshoch bei 8,26 Euro. Die mittelfristige Gewinnperspektive liegt damit bei 80 Prozent.

Keine Dividende

Aus Dividendensicht ist die Aktie von Delticom dagegen uninteressant. Hier beschloss die Hauptversammlung des Konzerns im Juli, für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2019 keine Dividende auszuschütten. Ziel ist es laut Delticom dabei, die Ertragskraft zu stärken und die beiden nächsten Jahre konsequent für die Neuausrichtung zu nutzen, um die Aktionäre zukünftig wieder am Geschäftserfolg teilhaben zu lassen.

Fazit

Der Online-Reifenhändler Delticom steckte jahrelang in der Krise. Dank des weitreichenden Konzernumbaus hat das Unternehmen inzwischen wieder operativ zurück auf die Gewinnspur gewechselt. Bei der Aktie eröffnet sich damit aktuell kräftiges Gewinnpotenzial. Risikobereite Anleger können deshalb hier einen Einstieg mit kleinem Einsatz in Erwägung ziehen. Für konservative Anleger ist die Delticom-Aktie wegen der langfristig katastrophalen Wertentwicklung und den starken Kursschwankungen dagegen nicht zu empfehlen.

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[…] höchsten Kursstand seit Februar kletterte. Beim Online-Reifenhändler Delticom scheinen sich der Konzernumbau und die scharfen Kostensenkungen langsam auszuzahlen, wie die jüngsten Geschäftszahlen […]

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[…] Entwicklung im laufenden vierten Quartal 2020, insbesondere im Bereich Projektentwicklung, die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr erneut nach oben an. Für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen […]