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Den Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA (WKN: A0JK2A / ISIN: DE000A0JK2A8) begleite ich nun schon seit vielen Jahren als Aktionär und hier im Blog. Bis Ende letzten Jahres war Aurelius gemessen an der Performance sogar der mit Abstand beste Wert auf meiner Empfehlungsliste – bis MBB dank des Aumann-Turbos mächtig aufholte und Aurelius das Opfer einer Short-Attacke wurde, woraufhin der Kurs sich fast halbierte. Das hatte nicht nur Auswirkungen auf das Ranking auf der Empfehlungsliste, sondern traf mich auch finanziell. Nicht nur, weil der Kurs einer meiner größten Depotpositionen massiv einbrach, sondern weil ich in der Folge durch Mehrmaliges Hin- und Hertraden unterm Strich noch zusätzlich Geld versenkt habe. Wer die Attacke stur ausgesessen hat, hat es viel besser gemacht!

Aurelius-Chart: boerse-frankfurt.de

Tja, mich hat mein persönliches Aurelius-Desaster glatte 8% Jahresrendite gekostet. Und damit war mein bis dahin erfolgreicher Jahresauftakt bereits im März total in die Grütze gefahren. Neben einiger Selbstkritik habe ich mir auch viele kritische, teilweise heftige, Kommentare anhören müssen zu meinem Verhalten. Und diese fast alle völlig zurecht, denn ich habe klassische Anfängerfehler gemacht, aber die im Profiumfang… Naja, inzwischen sind wir ein gutes Halbes Jahr weiter und nach aktuellem Stand steuere ich auf mein bestes Jahresergebnis in diesem Jahrtausend zu, jedenfalls in absoluten Zahlen gemessen. Besser ist eigentlich nur 1999 gelaufen, als ich die Biotech- und Internetwelle voll mitgenommen habe – den Absturz beim Platzen der Dotcom-Blase 2000 dann allerdings auch. Aber das ist eine andere Geschichte…

Wie geht’s weiter mit Aurelius?
Aurelius zählt nicht mehr zu meinen größten Positionen im Depot und das nicht nur wegen der Kursabsturzes. Auch mich hatten die Vorwürfe verunsichert und ich habe einen Teil meiner Position abgebaut. Der Kurssturz und die Positionsverringerung zusammen haben Aurelius ins solide Mittelfeld meiner Depotwerte zurückgeworfen, wo die Aktie sich inzwischen wieder ins vordere Mittelfeld vorgekämpft hat. Denn der Kurs hat sich prima erholt nach der Short-Attacke und es gab auch noch eine sehr üppige Dividende von 4 Euro je Aktie on top.

Die Kurserholung geht vor allem darauf zurück, dass Aurelius die Vorwürfe ganz überwiegend widerlegen konnte. Ein bisschen was ist schon hängen geblieben, aber vor allem zwei Vorwürfe hatten es wirklich in sich. Zum einen würde Aurelius sich zulasten der übernommenen Beteiligungen die Taschen vollstopfen und diese ausbluten. Dazu kann man nur sagen, dass dieser plakative Anwurf nur oberflächlich betrachtet stimmt. Denn Aurelius übernimmt u.a. Sanierungsfälle, wo harte Restrukturierungen und Standortschließungen samt Personalabbau überlebensnotwendig sind. Es ist dabei nicht das Ziel, die Beteiligung in Gänze auszuschlachten und zu filetieren, sondern den überlebensfähigen Kern herauszuschälen und aus diesem dann über die nächsten Jahre (wieder) ein erfolgreiches Unternehmen zu formen.

Daran anknüpfend war der zweiten Vorwurf erhoben worden, Aurelius würde den NAV (Buchwert) seiner Beteiligungen künstlich aufblähen und insbesondere die damals werthaltigste Beteiligung, die Secop, würde im Grund ein Totalausfall sein. Das traf natürlich ins Mark und etliche Kritiker stießen ins selbe Horn. Doch Aurelius gab die beste aller Antworten, denn man verkaufte kurze zeit später die Secop. Mit  185 Mio. Euro zwar um einiges unter dem zuvor ausgewiesenen NAV-Ansatz von 255 Mio. Euro, aber eben auch deutlich höher als zum behaupteten Wert von Nullkommanix.

Und kurze Zeit später konnte die zweite – und ebenfalls angeblich kaum werthaltige – sehr große Beteiligung an Getronics für 220 Mio. Euro veräußert werden. Spätestens seit diesem Deal dürfte jedem klargeworden sein, dass die Anwürfe haltlos und waren und einzig darauf abzielten, den Aktenkurs von Aurelius einbrechen zu lassen. Was ja erklärtes Ziel des Short-Sellers war, der zuvor massiv Aurelius-Aktien leerverkauft und so auf fallende Kurse gesetzt hatte.

Und doch hat sich seit der Short-Attacke einiges verändert. Der Nimbus von Aurelius hat einen heftigen Kratzer bekommen und der Aktienkurs hat sich in der Nähe des NAV eingependelt. Zuvor hatte er bis zu 20% darüber gelegen. Hier wird Aurelius noch etwas länger gute Geschäfte vorlegen müssen, bis sich die Restzweifel gänzlich verflüchtigt haben.

Und gute Geschäfte macht Aurelius. So hat man zwischenzeitlich einen Futtermittelproduzenten in der Schweiz erworben (Cargill), die Restrukturierung bei Office Depot Europe schreibt man operativ bereits schwarze zahlen und investiert kräftig in die Neupositionierung, bei der langjährigen Tochter GHotel wurden neue Kooperationspartner gewonnen und neue Hotels in Betrieb genommen und heute kam die Meldung, man habe die Tochter Studienkreis für 71,1 Mio. Euro verkauft. Wie Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus unlängst geäußert hatte, steuert Aurelius auf das beste Jahr seiner Unternehmensgeschichte zu und Anleger können bereits heute davon ausgehen, das es eine weitere Anhebung der Dividende geben wird – bei 5 Euro je Aktie läge man nahe dran an einer Dividendenrendite von 10%…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

KissigEin Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / markteinblicke.de

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