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Das war eine harte Woche! Also, nicht für mich direkt persönlich, aber für den US-Präsidenten beispielsweise. Der musste sich erst mit dem russischen Amtskollegen in Helsinki treffen und dieses Treffen anschließend auch noch haarklein erklären, nachdem die Pressekonferenz auf dem Gipfel mit einem Eklat endete. Für die Amerikaner, deren Präsident sich öffentlich auf die Seite der Russen schlug und den eigenen Geheimdienst in Misskredit brachte. Einen „Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft“ (https://www.mccain.senate.gov/public/index.cfm/2018/7/statement-by-sasc-chairman-john-mccain-on-trump-putin-meeting) beklagte Senator McCain, der Grandseigneur der Republikaner das Auftreten Trumps, andere witterten bereits so etwas wie Hochverrat am amerikanischen Volk (https://edition.cnn.com/2018/07/16/politics/congress-reaction-trump-putin-comments/). Das sei alles ein Missverständnis (https://www.theguardian.com/us-news/2018/jul/19/would-or-wouldnt-how-trumps-claim-he-misspoke-unleashed-a-meme-fest) gewesen, ruderte Trump im Laufe der Woche zurück, wobei er selbst dafür einen Zickzack-Kurs (http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-weisses-haus-muss-neue-russland-aussage-dementieren-a-1219142.html) einschlug, den die Welt so auch noch nicht gesehen hat. Die rätselt deshalb nun, was Trump eigentlich sagen bzw. nicht sagen wollte, und in dem allgemeinen Trubel geht beinahe unter, dass ein anderer in dieser Woche ebenfalls das Wort ergriffen hat. Und das zudem erfreulicherweise recht deutlich: Jerome Powell, seines Zeichens der Neue auf dem Fed-Chefsessel, sprach vor dem US-Kongress. Unter anderem darüber, dass er die Entwicklung der US-Konjunktur durchaus positiv bewertet und deshalb an der Politik der moderaten Zinserhöhungen festhalten möchte. Aber auch darüber, dass der Zollstreit, den der Präsident vom Zaun gebrochen hat, möglicherweise keine allzu gute Idee ist. Und sich negativ auf die US-Wirtschaft auswirken könne. Soviel Ein- und Weitsicht kam an den Märkten richtig gut an:

Zahl der Woche: 5

Für den DAX ging es in insgesamt fünf positiven Sitzungen hintereinander rund 2,8% nach oben, und am Mittwoch kratzte der Index mit dem Tageshoch bei 12.779 Punkten sogar an der 200-Tage-Linie. Für den Sprung über den langfristigen Durchschnitt auf Schlusskursbasis hat das aber eben gerade nicht gereicht, zumal die Notierungen gestern auch erst einmal die Gewinne der Vortage konsolidierten und wieder unter die 12.700er-Marke zurückfielen. Das ist zunächst kein Problem, zumal auf diese Weise die kleine Kurslücke direkt wieder geschlossen werden konnte, die der Index tags zuvor zur Eröffnung in den Chart gerissen hatte. Viel wichtiger ist die Frage, wie es weitergeht: Kann der DAX die Schlappe vom Donnerstag heute wettmachen und den nächsten Angriff auf den GD200 starten, kann ratzfatz ein Haken hinter die Konsolidierung gemacht werden, und die Erholung sollte/könnte weitergehen. Sollte sich die Schwäche allerdings manifestieren, hätte es der deutsche Leitindex ganz schnell wieder mit der 12.600er-Schlüsselstelle zu tun. Gut, dass da wenigstens einer die Laune hochhält, denn Trump haute gestern nochmal richtig einen raus: Er sei von den Zinserhöhungen der Fed „nicht begeistert, es gefalle ihm nicht, all die Arbeit in die Wirtschaft zu stecken und dann zu sehen, wie die Zinsen steigen“. Damit ist er der erste US-Präsident, der die (unabhängige) Notenbank offen bzw. öffentlich kritisiert. Was auch die Presseabteilung des Weißen Hauses eiligst auf den Plan rief, um den Schaden in Grenzen zu halten. Dafür war es natürlich schon zu spät, der US-Dollar machte einen heftigen Satz nach unten, während Gold über 12 US-Dollar in die Höhe sprang. Bleibt zu hoffen, dass sich die Märkte von den Störfeuern aus Washington befreien können und sich unabhängig (!) von politischen Einflussnahmen aller Art entwickeln. Idealerweise nach oben, aber das werden die kommenden Sitzungen ja zeigen!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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