Bildquelle: Pressefoto DSW

Wirecard ist es passiert, Ströer-Aktionäre mussten es erleiden und K+S steht ganz oben auf der Liste: Immer wieder geraten Aktiengesellschaften ins Visier sogenannter Shortseller.

Die Gründe für derartige Attacken sind mannigfaltig und betrachtet man Shortseller isoliert, wird man niemanden so richtig vorwerfen können, auf fallende Kurse zu setzen, wie viele andere eben auf steigende Kurse spekulieren. Toxisch und hässlich wird es allerdings, wenn Shortseller mit windigen Researchhäusern agieren und so den Kurs in die gewünschte Richtung manipulieren.

Ein anderer Aspekt, der bisher viel zu wenig Beachtung findet, wiegt ebenfalls schwer. Denn unterstützt werden Shortseller unverständlicherweise von vielen long-orientierten Fondsgesellschaften, die Aktien der betroffenen Unternehmen halten und eigentlich an steigenden Kursen interessiert sein sollten. Trotzdem leihen sie den Shortsellern die Papiere, die sie für ihr Geschäft benötigen.

Dieses Geschäft lebt aber von möglichst tief fallenden Kursen und wird oft mit ziemlich harten Bandagen betrieben. Wie passt das zu der Ausrichtung der verleihenden Fonds zusammen? Opfer sind meist Gesellschaften mit komplexen Geschäftsmodellen, mit Mängeln im Bereich Corporate Governance, einer nicht zu großen Marktkapitalisierung sowie einem breit gestreuten Aktionariat. Kommen dann noch Kursgewinne in relativ kurzer Zeit hinzu, ist das Szenario fast perfekt.

Dann schlägt die Stunde der Shortseller: Sie säen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, kritisieren die Bilanzierungsmethoden oder die Kompetenz des Managements. Den Shortsellern geht es darum, zwei Ideen in die Köpfe der anderen Aktionäre zu pflanzen: 1. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. 2. Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden. Ist das gelungen, steigt die Zahl der Verkaufsorders und der Kurs kommt ins Rutschen – selbst dann, wenn an den erhobenen Vorwürfen nichts dran sein sollte.

Zu Beginn des Prozesses muss der Shortseller aber erst einmal Aktien der ins Visier genommenen Gesellschaft leihen und diese in den Markt geben. Gelingt der Plan, werden die Papiere billiger zurückgekauft und dem Verleiher zurückgegeben. Offen ist, warum sich Fondsmanager zu Steigbügelhaltern für Shortseller machen und damit gegen das ureigenste Interesse ihrer Kunden und damit der Fondseigentümer handeln. Dass die vereinnahmte Leihgebühr die potenziellen Kursverluste aufwiegen, ist kaum anzunehmen. Oder etwa doch?

So müssen Fondsgesellschaften bei derartigen „effizienten Portfoliomanagementtechniken“ die Erträge auch an den Fonds auszukehren. Hierzulande gilt, dass mindestens die Hälfte der Erträge aus solchen Geschäften an den Fonds zurückgeführt werden müssen. Das bedeutet aber auch: die andere Hälfte eben nicht. Das scheint sich zu lohnen.

Wahrscheinlich wäre es besser, wenn die Fondsmanager einfach so agieren, wie es die meisten anderen Anleger machen, wenn sie von einem Investment nicht mehr überzeugt sind: Die Papiere verkaufen, anstatt – wie jetzt – sich gegen die Kerninteressen ihrer Fondszeichner zu stellen.

Ein Beitrag von Marc Tüngler
Er ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ist ein profunder Kenner des deutschen Aktienmarktes. Als Redner und Aktionärsvertreter auf vielen Hauptversammlungen weiß er um die Befindlichkeiten von Vorständen und Aktionären.
www.dsw-info.de

Bildquelle: DSW / markteinblicke.de

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