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Jahrelang kauften US-Anleger Aktien auf Pump. Doch jetzt geht die sogenannte Margin Debt deutlich zurück. Kommt es zum Crash am US-Aktienmarkt?

Der Aktienkauf auf Pump ist ein guter Frühindikator für die Entwicklung der Aktienmärkte. In Boomphasen greifen viele Anleger am US-Aktienmarkt auch zu Krediten, um Aktien zu kaufen und so von Kursgewinnen zu profitieren. Gerät der Bullenmarkt dann ins Stocken, müssen sich die verschuldeten Investoren besonders schnell von ihren Aktien trennen.

Schließlich müssen die für den Wertpapierkauf aufgenommenen Kredite ganz unabhängig davon bedient werden, wie sich die Wertpapiere entwickeln. Zudem dienen die Aktien als Sicherheiten für die Kredite. Sinkt der Wert der Sicherheiten, kann es zum gefürchteten Margin Call kommen. Der Broker fordert den Investor auf, entweder kurzfristig Geld nachzuschießen oder die Papiere (mit Verlust) zu verkaufen.

Die Margin Debt zeigt das Volumen der ausstehenden Wertpapierkredite am US-Aktienmarkt. Trendwenden zeichnen sich bei der Margin Debt oft früher ab, als bei den Kursen selbst.

Im Jahr 2007 erreichte die Margin Debt bereits im Juli einen Höchststand, der im weiteren Verlauf nicht mehr überschritten wurde, während der S&P 500 im Oktober nochmals ein neues Hoch markierte. Auch im Jahr 2000 erreichte die Margin Debt ihren Höchststand Monate bevor es die Aktienmärkte taten.

Leider kommt es bei der Margin Debt im längerfristigen Verlauf auch immer wieder zu Fehlsignalen. So kam es 2011 sowie 2015/2016 zu mehrmonatigen Rückgängen der Margin Debt, die aber keinen neuen Bärenmarkt anzeigten.

Im längerfristigen Vergleich aber zeigt die Margin Debt ganz deutlich, in welcher Phase sich der Aktienmarkt befindet. Liegt die Margin Debt über ihrem gleitenden 12-Monatsschnitt, so befindet sich der Aktienmarkt mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent in einem Bullenmarkt. Liegt sie darunter, beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Bullenmarkt nur 41 Prozent, wie eine Untersuchung aus dem Jahr 1970 ergeben hat.

Auch aktuell sinkt die Margin Debt wieder deutlich. Während früher Daten der New York Stock Exchange (NYSE) zur Margin Debt maßgeblich waren, stehen inzwischen etwas umfassendere Daten der Branchenvereinigung FINRA zur Verfügung, die auch die Margin-Kredite an der NYSE umfassen.

Seit einem Hoch im Mai 2018 sinkt die Margin Debt in der Tendenz. Besonders stark ging es im Oktober nach unten, dem letzten Monat, für den aktuell Daten zur Verfügung stehen. Im Oktober wurde auch der gleitende 12-Monats-Durchschnitt unterschritten.

Zudem fiel der Rückgang im Oktober besonders kräftig aus. Mit einem Minus von 6,2 Prozent sank die Margin Debt im Oktober so stark wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr.

Auch wenn die Margin Debt zu Fehlsignalen neigt: Der besonders starke Rückgang im Oktober muss auf jeden Fall als Warnsignal verstanden werden. Durch den Rückfall unter den gleitenden Durchschnitt haben Trader und Anleger, die jetzt eher von fallenden Kursen ausgehen, die Wahrscheinlichkeit auf ihrer Seite.

Fazit: Im Oktober haben US-Anleger nicht nur kräftig Geld vom Tisch genommen, sondern auch ihre Wertpapierkredite deutlich zurückgefahren. Der Rückgang bei der Margin Debt könnte eine längerfristige Trendwende am US-Aktienmarkt andeuten. Dafür spricht vor allem, dass die Margin Debt unter ihren gleitenden 12-Monats-Durchschnitt gefallen ist und der Rückgang so stark ausfiel wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr.


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Autor: Oliver Baron, Redakteur bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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