KI zurück im „Risk-on“-Modus

Der S&P 500 hat die Verluste infolge des Iran-Kriegs wettgemacht. Anleger schalten in den "Risk-on"-Modus. KI ist wieder angesagt.

(Bildquelle: NVIDIA Presse)

Die Märkte schalten wieder in den Vorwärtsgang: Nach der Erholung vom Iran-Schock greifen Anleger erneut beherzt bei risikoreicheren Aktien zu. Vor allem das Trendthema Künstliche Intelligenz rückt zurück in den Fokus.

KI-News sorgen für Anlegerfantasien

In den vergangenen Tagen haben sich die weltweiten Aktienmärkte weiter von dem durch den Ausbruch des Iran-Kriegs erlittenen Schock erholen können. Offenbar sind Börsianer guter Dinge, dass die direkten Gespräche zwischen den USA und dem Iran im pakistanischen Islamabad Früchte tragen werden und der zweiwöchige Waffenstillstand halten sowie letztlich in einen Frieden münden werden. Von Anlegerseite wird in den „Risk-on“-Modus gewechselt. In diesem gibt es seit einigen Jahren ein beherrschendes Trendthema – Künstliche Intelligenz.

Dieses Thema ist in den Wochen seit Ausbruch des Iran-Kriegs nie ganz verschwunden, allerdings werden die milliardenschweren Deals und entsprechenden Nachrichten auf eine andere Art und Weise gewürdigt. Eine besonders ermutigende Meldung ist in dieser Hinsicht Metas erstes KI-Modell mit dem Namen Muse Spark. Damit wachsen die Hoffnungen, dass sich die hohen Investitionsausgaben sowie jüngsten aggressiven Einstellungs- und Investitionsoffensiven der Facebook-Muttergesellschaft am Ende rechnen werden.

(Bildquelle: Pressefoto Meta)

Zudem herrschte große Erleichterung, nachdem ein Bericht der „New York Times“ im März noch signalisiert hatte, dass Metas neues KI-Modell bei internen Tests hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Nun soll das Modell aber bei Vergleichstests mit Mitbewerbern offenbar ordentliche Ergebnisse erzielt haben. Laut „Wall Street Journal“ habe Muse Spark Grok deutlich übertroffen und bei bestimmten Tests besser abgeschnitten als Gemini, während es bei anderen Tests mit ChatGPT und Claude mithalten konnte. Für Anleger war dies wiederum eine weitere Gelegenheit, dem KI-Trade eine neue Chance zu geben.

NVIDIA geht nirgendwohin

Wenn es um das Thema Künstliche Intelligenz geht, kommt man an einem Unternehmen nicht vorbei – NVIDIA (WKN: 918422 / ISIN: US67066G1040). Der Spezialist für Grafikprozessoren und KI-Darling hat seine diesjährige hauseigene Entwicklerkonferenz GTC 2026 genutzt, um fabelhafte Umsatzziele auszurufen. Bereits auf der Keynote sagte Konzernchef Jensen Huang, er rechne damit, dass die Auftragsvolumina für die neuesten Generationen von KI-Chips Blackwell und Vera Rubin bis 2027 mehr als 1 Billion US-Dollar erreichen werden.

Im vergangenen Jahr ging das Unternehmen von einem Umsatzpotenzial von 500 Mrd. US-Dollar für die beiden Chip-Technologien aus. Grund dafür ist die weiter boomende Nachfrage – laut Huang sowohl bei Start-ups als auch bei großen Unternehmen. Im Hinblick auf die technischen Aspekte stand im Mittelpunkt der GTC die Verlagerung des Schwerpunkts der KI-Branche zunehmend auf die Modellinferenz und die physische Welt (Robotik und autonomes Fahren), weg vom Training. Das Zauberwort heißt hier Inferenz.

Es geht für KI-Systeme darum, das im Training Erlernte aktiv zu nutzen und das erlernte Wissen im Echtzeitbetrieb anzuwenden. Zudem geht NVIDIA eine sich verschärfende Konkurrenzsituation an. Dazu dient unter anderem eine Investition von 2 Mrd. US-Dollar in Marvell Technology. Die beiden Unternehmen gehen zudem eine strategische Partnerschaft ein. Damit soll es Kunden, die auf NVIDIA-Architekturen aufbauen, erleichtert werden, die von Marvell entwickelten maßgeschneiderten KI-Chips in Kombination mit NVIDIAs Netzwerkkomponenten und Prozessoren zu nutzen.

(Bildquelle: Unsplash / Solen Feyissa)

Alphabet deckt gesamte KI-Palette ab

Mit Alphabet (WKN: A14Y6H / ISIN: US02079K1079) mischt ein weiterer Big Player die KI-Szene auf. Die Google-Muttergesellschaft wird zu den sogenannten Hyperscalern, also Betreibern riesiger Cloud-Infrastrukturen gezählt. Die meisten Unternehmen halten diese Infrastruktur nicht selbst vor, sondern müssen sie mieten, was sich Alphabet fürstlich entlohnen lässt. Jedes Mal, wenn ein Unternehmen ein Modell trainiert, Daten verarbeitet oder eine KI-Anwendung einsetzt, verbraucht es Rechenleistung. Und dieser Bedarf wächst exponentiell mit zunehmender Nutzung. Seit einiger Zeit sorgt Alphabet aber auch mit eigenen KI-Modellen sowie kundenspezifischen Chips für Aufsehen.

Der Suchmaschinengigant deckt damit immer mehr Bereiche im Bereich der Künstlichen Intelligenz ab. Entsprechend hellhörig wurden Anleger in den vergangenen Tagen, als Broadcom eine langfristige Vereinbarung mit Google vermeldet hatte. Im Rahmen des bis 2031 angesetzten Deals wird Broadcom maßgeschneiderte Tensor Processing Units (TPUs) für die Alphabet-Tochtergesellschaft entwickeln sowie Netzwerk- und andere Komponenten für Googles KI-Racks liefern. Damit nicht genug: Google, Broadcom und Anthropic werden ihre strategische Zusammenarbeit ausweiten, in deren Rahmen das KI-Startup Anthropic ab 2027 Zugang zu etwa 3,5 GW an TPU-basierter Rechenleistung erhalten wird.

MongoDB: Zu hohe Erwartungen?

MongoDB (WKN: A2DYB1 / ISIN: US60937P1066) gehört zu denjenigen Unternehmen, die in den vergangenen Monaten in den negativen Sog rund um Softwareaktien und die KI geraten sind. Seit Anfang 2026 liegt die Aktie des Spezialisten für Datenbankmanagementsysteme mit knapp 50 Prozent im Minus. Das Unternehmen hatte starke Ergebnisse zum vierten Quartal präsentiert, jedoch eine enttäuschende Prognose abgegeben. Allerdings ist MongoDB traditionell dafür bekannt, sich bei Prognosen zurückhaltend zu zeigen, während viele Analysten dem Unternehmen weiterhin große Chancen einräumen.

Bernstein-Analyst Firoz Valliji hält das Abstrafen der Aktie durch Anleger für eine Überreaktion, da die jüngsten Ergebnisse seine These nicht widerlegt, sondern vielmehr seine Ansicht bestätigt hätten, dass die Konsumdynamik stark sei. Der Experte ist der Ansicht, dass ein Ausverkauf einen attraktiven Einstiegspunkt für die Aktie darstellt. Obwohl das vierte Quartal und der Ausblick hinter den hohen Erwartungen zurückgeblieben seien, ist Ryan MacWilliams, Analyst bei Wells Fargo, der Ansicht, dass die langfristigen Wachstumsimpulse intakt bleiben. Die Ausgangslage werde von hier aus attraktiver. MongoDB kommt dabei der Umstand zugute, dass es als NoSQL-Datenbank mit flexiblem Schema gerade auf moderne KI-Anwendungen zugeschnitten ist, im Gegensatz zu klassischen relationalen Datenbanken mit festen Schemata.

(Bildquelle: Pressefoto ASML)

ASML: Mitten im KI-Boom

Wenn es um das Thema KI-Boom geht, vergisst man gerne, dass einige der bedeutendsten Branchenvertreter in Europa zu finden sind und nicht notwendigerweise aus den USA, China, Taiwan oder Südkorea stammen. Zu diesen Unternehmen zählt ASML mit seinen Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Wenn es um die weiteren Aussichten für ASML (WKN: A1J4U4 / ISIN: NL0010273215) geht, sind einige Analysten besonders optimistisch, insbesondere da der Konzern in Bereichen operiert, die angesichts der hohen KI-Nachfrage von einem enormen Angebotsdefizit gekennzeichnet sind.

Auf diese Weise lassen sich Preiserhöhungen besonders einfach durchsetzen. Bernstein-Analyst David Dai hat daher das Kursziel für ASML von 1.911 auf 1.971 US-Dollar angehoben und das „Outperform“-Rating bestätigt. Die DRAM-Hersteller würden den Ausbau ihrer Kapazitäten aufgrund der sich vergrößernden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei DRAM beschleunigen. Der Ausbau der DRAM-Kapazitäten und der damit verbundene Anstieg der Investitionsausgaben war einer der Hauptgründe für die optimistische Einschätzung von ASML durch den Analysten.

Er prognostiziert, dass der niederländische Halbleiterzulieferer und Anlagenbauer im Jahr 2028 44 EUV-Maschinen an die DRAM-Branche ausliefern wird, was 45 Prozent der EUV-Auslieferungen des Unternehmens entspricht. Dies sei mehr als doppelt so viel wie die 18 Einheiten im Jahr 2025, die damals 34 Prozent der EUV-Auslieferungen von ASML ausgemacht hatten. ASML bleibt die „Top-Empfehlung“ des Experten für den EU-Halbleitersektor.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Die Märkte wechseln vorerst zurück in den „Risk-on“-Modus. Im Zentrum steht dabei unverändert das Thema Künstliche Intelligenz. Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei den großen KI-Gewinnern wie NVIDIA, die mit extrem optimistischen Nachfrage- und Umsatzprognosen die Fantasie der Anleger weiter befeuern.

Wer als Anleger von den Wachstumsaussichten im Bereich Künstliche Intelligenz überzeugt ist und gleich auf einen Korb aus Branchenvertretern setzen möchte, sollte sich das Indexzertifikat (WKN: DA0ABW / ISIN: DE000DA0ABW6) auf den der Aktionär Künstliche Intelligenz Index einmal anschauen.