Es ist gar nicht so lange her, dass Cybersecurity-Werte in den Negativsog rund um den KI-bedingten Konkurrenzdruck im Softwarebereich geraten waren. Inzwischen hat der Wind jedoch gedreht. Ausdruck der verbesserten Stimmung sind die Reaktionen auf die Quartalsergebnisse bei CrowdStrike (WKN: A2PK2R / ISIN: US22788C1053) und Okta (WKN: A2DNKR / ISIN: US6792951054).
KI-Absicherung wird immer wichtiger
Die Aktie von CrowdStrike gewann am Mittwochabend nachbörslich rund 8 Prozent an Wert hinzu, während Okta um etwa 20 Prozent in die Höhe schoss. CrowdStrike hatte seine Jahresziele angehoben und dabei darauf verwiesen, dass die Nachfrage ausgerechnet aufgrund der Künstlichen Intelligenz angekurbelt wird. Beim jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR, Annual Recurring Revenue) rechnet CrowdStrike im laufenden Jahr nun mit einem Wert von 6,303 bis 6,612 Mrd. US-Dollar gegenüber der vorherigen Schätzung von 6,531 bis 6,555 Mrd. US-Dollar, wobei das operative Ergebnis bei 1,497 bis 1,508 Mrd. US-Dollar liegen soll.
Gerade mit den Ergebnisschätzungen wurden die Erwartungen des Marktes übertroffen. Auch für das abgelaufene zweite Quartal hatte CrowdStrike bei den wichtigsten Kennzahlen über den Erwartungen liegende Werte präsentiert. Dazu gehörte ein Netto-Neuzugang beim ARR von 333 Mio. US-Dollar gegenüber Konsensschätzungen von 286 Mio. US-Dollar. Der Gesamtumsatz lag bei 1,47 Mrd. US-Dollar. Hier hatten Analysten mit 1,44 Mrd. US-Dollar gerechnet. Das EPS erreichte 31 Cents (Konsens: 29 Cents). Das Unternehmen profitiert von der robusten Nachfrage nach Cybersicherheitslösungen, die teilweise durch Anthropics „Mythos“ angekurbelt wurde.
George Kurtz, Gründer und CEO von CrowdStrike, sagte zu den Ergebnissen: „Q2 war das beste Quartal in der Geschichte von CrowdStrike. Wir haben Rekordergebnisse bei Falcon Flex, einen Rekord beim neu hinzugewonnenen ARR und ein beschleunigtes Wachstum erzielt – der Falcon hebt ab. Wir erhöhen unsere Prognose für das Wachstum des neu hinzugewonnenen ARR im Geschäftsjahr 2027 um 630 Basispunkte. Der Mythos-Moment hat dazu geführt, dass sich die Erkenntnis im Massenmarkt durchgesetzt hat, dass die Einführung von KI Sicherheit erfordert – und dafür steht CrowdStrike. Jedes Unternehmen wird auf KI setzen, und deren Absicherung ist die größte Marktchance in unserer Geschichte.“
Wichtige Rolle für Okta
Okta sorgte für noch positivere Marktreaktionen. Das Unternehmen hebt die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 an, da der KI-Boom die Nachfrage nach Cybersicherheitslösungen stark steigen lässt. Die Remaining Performance Obligations (RPOs, verbleibende Leistungsverpflichtungen) erreichten im abgelaufenen zweiten Quartal 4,858 Mrd. US-Dollar und lagen damit über den Konsensschätzungen von rund 4,7 Mrd. US-Dollar.
Die Gesamterlöse lagen bei 805 Mio. US-Dollar, während die operative Marge 28 Prozent erreichte. Hier hatten Analysten im Schnitt mit Werten von 792,7 Mio. US-Dollar bzw. 26 Prozent gerechnet. Für das Gesamtjahr erwartet man auf Konzernebene nun ein Umsatzwachstum von 10 Prozent, gegenüber der vorherigen Prognose von 9 bis 10 Prozent. Beim Gewinn je Aktie werden nun 3,90 bis 3,94 US-Dollar erwartet, nach zuvor 3,79 bis 3,87 US-Dollar.
Da Technologiekonzerne und andere Unternehmen massiv in den Ausbau von Rechenzentren, generativen KI-Tools und autonomen KI-Agenten investieren, ist der Schutz digitaler Ökosysteme vor automatisierten Bedrohungen zwingend geworden. „Da KI-Agenten jede Ebene der Technologie verändern, benötigt jeder Agent eine vertrauenswürdige Identität sowie klare Regeln dafür, worauf er zugreifen und was er tun darf“, sagte Todd McKinnon, CEO und Mitgründer von Okta. Hierbei kommt Okta als Spezialist für Identitäts- und Zugriffsmanagement eine besonders wichtige Rolle zu.
Das mE-Fazit
Die jüngsten Quartalsergebnisse von CrowdStrike und Okta zeigen, dass sich das Verhältnis zwischen Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit zunehmend verändert. Während KI zunächst als potenzielle Bedrohung für klassische Softwareanbieter wahrgenommen wurde, entwickelt sie sich für Cybersecurity-Unternehmen immer stärker zum Wachstumstreiber. Je intensiver Unternehmen KI-Anwendungen, Rechenzentren und autonome Agenten einsetzen, desto wichtiger werden deren Absicherung sowie ein zuverlässiges Identitäts- und Zugriffsmanagement. Die deutlich positiven Marktreaktionen und angehobenen Prognosen beider Unternehmen unterstreichen, dass Anleger diese Entwicklung zunehmend einpreisen.
Neben CrowdStrike und Okta rechnen sich viele andere Branchenvertreter einiges an Wachstumspotenzial im Internetsicherheitsbereich aus. Aus diesem Grund dürfte ein Blick auf das Indexzertifikat auf den Cybersecurity Index (WKN: DA0AB8 / ISIN: DE000DA0AB89) interessant und lohnenswert sein.










