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Es war davon auszugehen, dass das für 2019 vorgegebene Wachstumsziel für die chinesische Wirtschaft von 6,0 bis 6,5 Prozent für 2020 reduziert werden sollte. Darin spiegelt sich der langfristige volkswirtschaftlich erwartete Trend einer nachlassenden Wachstumsdynamik angesichts eines stetig steigenden Wohlstandsniveaus und damit steigender Löhne wieder.

China kann nicht länger die „billige Werkbank“ der Welt für die Produktion einfacher Massengüter sein, sondern entwickelt sich zu einem Hochtechnologiestandort. Doch auch die Corona-Pandemie wird sich auf die Wachstumsperspektiven Chinas auswirken. Zwar hat sich die chinesische Industrieproduktion nach einem Einbruch um 13,5 Prozent im Februar fast wieder auf das Vorkrisenniveau erholt und konnte im April im Vorjahresvergleich um 3,9 Prozent zulegen.

Allerdings ist davon auszugehen, dass nach der Wiederaufnahme der Produktion zunächst die im Januar und Februar nicht erledigten Aufträge abgearbeitet wurden. Angesichts der weitgehenden Shutdown-Maßnahmen in Europa und den USA, wichtigen Abnehmer-Regionen für chinesische Exporte, dürften Anschlussaufträge geringer ausfallen. Zudem sind andere, insbesondere von der Binnennachfrage abhängige Wirtschaftsbereiche, wie Dienstleistungen und der Reiseverkehr noch weit von Vorkrisenniveaus entfernt.

Langfristig dürften außerdem die Bemühungen internationaler Unternehmen zunehmen, ihre Zulieferer regional zu diversifizieren, was zu Lasten chinesischer Produzenten gehen könnte. Zuletzt könnte die beginnende heiße Phase des US-Wahlkampfes zu einem Aufleben des Handelskonfliktes sorgen. Beide Kandidaten haben das Thema zumindest ganz oben auf ihre Agenda aufgenommen.

 

Ein Kommentar von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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Bildquellen: Donner & Reuschel /  Pixabay / glaborde7

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