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Die EZB belässt die Zinsen auf einem niedrigen Stand und der Markt preist Zinserhöhungen in der Eurozone aktuell erst ab 2023 ein. Risikoprämien werden durch die verbreiteten Wertpapierkaufprogramme tief gehalten. Für Schuldner – Staaten und Unternehmen – werden dadurch Anreize geschaffen, weitere Schulden zu günstigsten Konditionen aufzunehmen, ohne jedoch notwendigerweise produktive Investitionen vorzunehmen.

Anleger hingegen werden von anhaltenden negativen Realzinsen immer stärker in risikoreichere Anlagen getrieben. Damit sind sowohl Kreditnehmer als auch Kreditgeber zunehmend von einer weiter expansiven Geldpolitik abhängig. Die einen, da bei höheren Zinsen Refinanzierungsprobleme und ggf. Insolvenzen anstünden, die anderen, da größere Verluste vor allem risikoarme Anleger bedrohen.

Wenn überhaupt, werden die Notenbanken nur sehr langsam aus dieser Sackgasse herauskommen. Diese Woche werden die nächsten expansiven Äußerungen von der US-Notenbank Fed erwartet, nachdem Fed-Chef Powell bereits im August eine veränderte – tendenziell noch expansivere – geldpolitische Ausrichtung ankündigte. Vor allem in den USA wird die Notenbank nicht mehr allein von der Regierung, sondern immer stärker auch von den Erwartungen der Marktteilnehmer getrieben.

Anleger mit dem Ziel des Realkapitalerhalts werden voraussichtlich noch sehr lange auf andere als nur verzinsliche Anlagen mit Top-Bonitäten zurückgreifen müssen.

Ein Kommentar von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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