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Vor vier Jahren gab der Unternehmer und leidenschaftliche Kunstsammler Reinhold Würth der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein vielbeachtetes Interview. Er bezeichnete darin seine Kunstsammlung als so etwas wie den Notgroschen des Unternehmens. In einem insgesamt krisenhaften Jahr wird einmal mehr deutlich, was er meint:

Während unzählige Unternehmen unter den Begleiterscheinungen von Covid leiden, zeigt sich die Kunst einmal mehr sehr robust. Die Preise international renommierter Kunst steigen eher, sind zumindest aber stabil. Ein Notgroschen eben für den, der ihn einsetzen muss, wenn es die wirtschaftliche Situation gebietet.

Die Idee des Notgroschens

Nach eigener Verlautbarung folgte Würth zunächst keinem konkreten Plan. Er startete einfach mit dem Kauf von Werken und zwar solchen, die ihm selber gefielen. Heute umfasst diese Sammlung rund 18.500 Werke. Interessant:

Während man den Eindruck haben könnte, dass eine solche, infolge von Fleiß reichlich mit Geld gesegnete Persönlichkeit nur nach teuren und namhaften Werken greifen würde, entschied er sich explizit auch für Arbeiten für wenige hundert Euro von Akademie-Absolventen bzw. jungen und vollkommen unbekannten Künstlern.

Zugleich betonte er, dass er auch bei der Kunst weiterhin Kaufmann bleibe. Das bedeutet ein Kauf erfolgte nach genauer Abwägung: welches Objekt gefällt und lässt auf Grund seiner Art und Weise einen Wertzuwachs erwarten. Das führte zu Kunstwerken die, Zitat Würth, „heute 20 bis 30 Mal so viel wert sind wie beim Kauf“.

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Albert Oehlen

Da drängt sich die Frage auf, wie solche Wertzuwächse eigentlich zustande kommen. Ein namhafter deutscher Künstler, der zu den wichtigsten deutschen zeitgenössischen Malern gehört, eignet sich dabei sehr gut zur Beschreibung einer solchen beeindruckenden Entwicklung: Albert Oehlen, geboren 1954 in Krefeld.

Als Sohn eines Karikaturisten, und mit Talent versehen, studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Unter anderem bei Sigmar Polke. Über die deutsche Kunstszene hinweg erarbeitete er sich in den 80er, vor allem aber ab den 90er Jahren internationale Aufmerksamkeit.

Folgerichtig wurde er von 2000 bis 2009 als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. 2015 erhielt er die Ehrendoktorwürde des School of the Art Institute of Chicago. Seit Jahren bzw. nunmehr seit Jahrzehnten wird er regelmäßig in wichtigen Ausstellungshäusern gezeigt.

Regelrechte Preisexplosion

Maßgeblich für eine regelrechte Preisexplosion in jüngerer Zeit war aber etwas anderes. Seit 2007 stellt die weltweit einflussreichste Galerie, Gagosian, Albert Oehlen in Einzel- und Gruppenausstellungen global aus. In den letzten Jahren gelang dann jenes Phänomen, welches freilich nicht jedem herausragenden Künstler gelingt: der komplette Ausverkauf seine Ausstellung, bevor sie überhaupt eröffnet wurde.

Dass neben Talent und Leidenschaft ein gutes Marketing erforderlich ist, ebenso wie das notwendige Quäntchen Glück, ist offenkundig. Die Verbindung zu dem Galeristen überhaupt, bei einer gleichzeitig signifikant steigenden Zahl von musealen Ausstellungen, führte zu drastischen Preisanstiegen infolge reger Nachfrage.

Eine Künstlerin bzw. ein Künstler entwickelt sich zum Magneten: je wichtiger die Ausstellung, je bedeutsamer die erwerbenden, internationalen Sammler, die „zugreifen“, desto stärker ist die Nachfrage. So erhöhte sich der Durchschnittspreis der Werke von Oehlen in Auktionen gegenüber 2005 um 5.500 %.

Sein Preisindex stieg seit 2000 um 3.862 % an und im Contemporary Art Markets Report von Artprice belegte er Rang 8 in der Kategorie „500 High Performance Top Selling Artists“.  Sein Gemälde Prähistorische Hand II (1996) rangierte im Jahr 2017 mit 915 % Steigerung auf Platz 9 der Kunstwerke mit dem höchsten Zuwachs.

Es dürfte nicht verwundern, das Gemälde von Albrecht Oehlen auch Teil der Sammlung Würth sind. Wann machen Sie sich auf die Suche nach „Ihrem“ Oehlen?

Ein Beitrag von Arne von Neubeck

Er ist Gründer & Geschäftsführender Gesellschafter von The Global Fine Art. Das Augsburger Kunsthandelshaus verbindet die Leidenschaft für die Kunst mit der kaufmännischen Analyse von Kunstwerken.
www.tgfag.de

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