Früh anfangen, klug investieren, Ruhe bewahren: Wer für sein Kind regelmäßig Geld zurücklegt und dabei auf renditestarke Anlageformen setzt, kann über die Jahre ein beachtliches Vermögen aufbauen – ganz ohne große Einmalbeträge. Viele Eltern unterschätzen, wie stark kleine Beiträge wirken, wenn man dem Zinseszinseffekt Zeit lässt.
Der Status quo: Viele Eltern sparen konservativ
Eine aktuelle Studie des digitalen Vermögensverwalters VisualVest, einer Tochtergesellschaft von Union Investment, zeigt jedoch, dass viele Eltern in Deutschland auf vermeintlich sichere, aber renditeschwache Anlageformen setzen. Laut der repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.000 Eltern nutzen 35 Prozent das klassische Sparbuch, um für ihre Kinder zu sparen.
Auf Platz zwei folgt das Tagesgeldkonto mit 28 Prozent. Ebenso beliebt sind Sparschweine und ETFs, die jeweils von einem Viertel der Eltern genutzt werden. Festgeld, Fonds und Aktien kommen auf jeweils 15 Prozent. Risikofreudige Investments bleiben eher die Ausnahme.
Insbesondere Mütter bevorzugen konservative Anlageformen. Nur 18 Prozent von ihnen investieren in ETFs oder Aktien, während es bei den Vätern 32 Prozent sind. Umgekehrt setzen 33 Prozent der Mütter aufs Sparschwein, im Vergleich zu lediglich 17 Prozent der Väter.

Warum Sicherheit oft Vorrang hat
Für 52 Prozent der Eltern ist ein geringes Verlustrisiko der wichtigste Aspekt bei der Geldanlage für ihre Kinder. Gleichzeitig betonen 62 Prozent die Bedeutung von hoher Rendite und langfristigem Wachstum – ein Widerspruch, der zeigt, wie schwierig es vielen Eltern fällt, Chancen und Risiken am Kapitalmarkt abzuwägen.
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Umfrage: Mehr als ein Viertel der Eltern spart gar nicht für ihre Kinder. Hauptgrund dafür sind finanzielle Engpässe – 56 Prozent geben an, schlichtweg kein Geld übrig zu haben. Weitere Gründe sind kurzfristige Konsumausgaben und die Einschätzung, dass das Sparen für Kinder nicht zwingend notwendig sei.
Der Schlüssel zum Erfolg: Zeit und Kontinuität
Schon mit 25 oder 50 Euro monatlich lässt sich über 18 Jahre eine solide Summe ansparen. Entscheidend ist, möglichst früh zu beginnen – idealerweise direkt zur Geburt. Denn je länger das Geld investiert ist, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.
Statt auf das klassische Sparbuch mit niedrigen Zinsen zu setzen, empfehlen viele Experten eine breit gestreute Geldanlage, etwa in einen ETF-Sparplan auf den MSCI World oder ähnliche weltweite Indizes. Solche ETFs sind kostengünstig, transparent und bieten langfristig solide Renditechancen – im Durchschnitt etwa 6 % pro Jahr.
Die mE-Beispielrechnung: 50 Euro pro Monat über 18 Jahre
Ein Elternpaar entscheidet sich, ab der Geburt monatlich 50 Euro in einen ETF-Sparplan für das Kind zu investieren. Nach 18 Jahren wurden insgesamt 10.800 Euro eingezahlt. Durch die durchschnittliche jährliche Rendite von 6 % wächst das Depot auf etwa 17.400 Euro an. Der Wertzuwachs beträgt rund 6.600 Euro – allein durch Erträge und Zinseszinseffekt.
| Jahr | Eingezahlt (kumuliert) | Depotwert (mit 6 % p. a.) |
| 5 | 3.000 € | ca. 3.500 € |
| 10 | 6.000 € | ca. 8.200 € |
| 15 | 9.000 € | ca. 14.300 € |
| 18 | 10.800 € | ca. 17.400 € |
Worauf Eltern achten sollten

- Kinderdepot: Ein Depot auf den Namen des Kindes ermöglicht die Nutzung von Steuerfreibeträgen. Allerdings hat das Kind mit 18 Jahren vollen Zugriff – das sollte man bedenken.
- Flexibilität: ETF-Sparpläne lassen sich jederzeit anpassen oder pausieren. Das ist bei starren Produkten wie Ausbildungsversicherungen oder Bausparverträgen oft nicht möglich.
- Geldgeschenke nutzen: Tauf- und Geburtstagsgeschenke in bar lassen sich gezielt investieren – entweder als Einmalanlage oder zur Erhöhung der Sparrate.
- Bildung nicht vergessen: Neben finanzieller Vorsorge ist auch die gezielte Förderung von Talenten, Sprachkenntnissen und sozialer Kompetenz eine wertvolle Investition in die Zukunft des Kindes.
Das marktEINBLICKE-Fazit
Der Vermögensaufbau für Kinder muss weder kompliziert noch teuer sein. Mit einem einfachen ETF-Sparplan, etwas Disziplin und einem langen Atem lässt sich ein solider Start ins Erwachsenenleben ermöglichen – sei es für den Führerschein, das erste eigene Auto, ein Auslandssemester oder den Start ins Berufsleben.
Katja Speck, Geschäftsführerin von VisualVest, bestätigt: “Gerade beim Sparen für Kinder ist der lange Anlagehorizont ein großer Vorteil. Wer früh mit dem Investieren beginnt, kann kurzfristige Schwankungen an den Märkten ausgleichen und langfristig ein Vermögen aufbauen.”








