Der August wurde von steigenden globalen Anleiherenditen und zunehmenden Sorgen hinsichtlich der langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen geprägt, insbesondere in den USA. Im Fokus der Investoren stand die Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen auszuweiten, nachdem die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen den höchsten Stand seit nahezu zwei Jahrzehnten erreicht hatten.
Während die US-Behörden das Programm als Maßnahme zur Liquiditätssteuerung bezeichneten, werteten viele Marktteilnehmer es als Versuch, die Finanzierungskosten des Staates zu begrenzen, anstatt die zugrunde liegenden Probleme einer rasch steigenden Staatsverschuldung und anhaltend hoher Haushaltsdefizite anzugehen. Entsprechend dürften Eingriffe am Anleihemarkt lediglich vorübergehende Entlastung bringen und die langfristige Entwicklung der Renditen kaum nachhaltig beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass sowohl die US-Notenbank (FED) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) an einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik festhalten werden. Fiskalische Unterstützungsmaßnahmen, robuste Arbeitsmärkte und anhaltende Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz dürften die wirtschaftliche Aktivität weiterhin stützen. Gleichzeitig sorgen erhöhte Energie- und Lebensmittelpreise für anhaltende Aufwärtsrisiken bei der Inflation. Daher sehen wir nur begrenzten Spielraum für geldpolitische Lockerungen und rechnen in den kommenden Quartalen weiterhin mit zusätzlichen Zinserhöhungen.
Unser Basisszenario geht davon aus, dass die langfristigen Renditen ihren Aufwärtstrend schrittweise fortsetzen werden. Ausschlaggebend hierfür sind die zunehmenden Sorgen über die öffentlichen Finanzen, strukturelle Haushaltsdefizite sowie der steigende Kapitalbedarf, der das Angebot an verfügbaren Finanzmitteln übersteigt. Für die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erwarten wir einen Anstieg von derzeit rund 4,85 % auf etwa 5,25 % im mittelfristigen Zeithorizont. Kurzfristige Gegenbewegungen und temporäre Renditerückgänge bleiben dabei jedoch jederzeit möglich.
Trotz dieses Ausblicks hat sich die Stimmung der Anleiheinvestoren deutlich eingetrübt, während die aktuellen Renditeniveaus zunehmend attraktivere Einstiegsmöglichkeiten bieten. Vor diesem Hintergrund halten wir insgesamt an einer neutralen Positionierung bei Staatsanleihen fest. Gleichzeitig bevorzugen wir weiterhin eine kürzere Duration als die jeweilige Benchmark, da wir von weiteren steigenden Realrenditen ausgehen.
In Europa erwarten wir, dass die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen im mittelfristigen Verlauf schrittweise von derzeit rund 3,25 % auf einen Bereich von etwa 3,5 % bis 3,75 % ansteigt. Diese Entwicklung reflektiert sowohl den anhaltenden Renditeauftrieb innerhalb Europas als auch die Auswirkungen des globalen Zinsumfelds.
Er ist Investment Lead bei der BENDURA BANK AG.
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