Bildquelle: Pixabay / cocoparisienne

Nachhaltigkeit ist ohne Zweifel das absolute Trendthema in vielen Bereichen des Lebens. Kaum eine Bank, die nicht auf entsprechende Anlagen hinweist oder damit wirbt. Die Aktionen von Greta Thunberg und Friday for Future tun ihr übriges, um das notwendig Umdenken anzuheizen. Nicht ohne Folgen: Blackrock-Chef Larry Fink machte mit seinem Brandbrief an die CEOs deutlich, dass auch die Fondsindustrie zunehmend auf Nachhaltigkeit setzen will. Und die Deutschen? Die investieren fleissig in nachhaltige Anlagen.

2019 war ein gutes Anlagejahr
Nach einem düsteren Anlagejahr 2018 war das letzte Jahr umso erfreulicher. Der DAX gewann mehr als 25 Prozent. Auch weltweit war die Stimmung von den Bullen dominiert. Erkennbar war dieser Optimismus auch beim Anlageverhalten in Deutschland. „Die gute Stimmung an den Finanzmärkten hat sich im vergangenen Jahr positiv auf die Fondsbranche ausgewirkt. Angesichts steigender Aktienkurse und Zuflüsse ist das von den Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen auf die neue Rekordmarke von 3.398 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr“, erklärte Tobias C. Pross, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf der Jahrespressekonferenz vor wenigen Tagen.

Große Zuwächse in Fonds
Der Großteil des deutschen Fondsvermögens entfällt laut BVI auf offene Spezialfonds mit 1.875 Mrd. Euro und auf offene Publikumsfonds mit 1.116 Mrd. Euro. In den letzten zehn Jahren hat sich das Gesamtvermögen der Branche fast verdoppelt (Ende 2009: 1.706 Mrd. Euro). In offene Investmentfonds investierten Anleger 2019 netto 120,2 Mrd. Euro neue Gelder. Hierbei sind offene Spezialfonds mit 102,7 Mrd. Euro der Treiber. Das ist ihr bestes Absatzjahr nach 2015, als ihnen 121 Mrd. Euro zuflossen.

Das Neugeschäft der offenen Publikumsfonds entspricht rund einem Prozent des von ihnen verwalteten Vermögens. Die volumengrößte Gruppe mit der Rekordmarke von 423 Mrd. Euro sind unverändert Aktienfonds. Ihr Marktanteil ist in den letzten zehn Jahren aufgrund steigender Aktienkurse und Mittelzuflüsse von 30 (Ende 2009) auf 38 Prozent gestiegen. Mischfonds sind mit 311 Mrd. Euro (28 Prozent) die zweitgrößte Gruppe. Es folgen Rentenfonds mit 209 Mrd. Euro (19 Prozent) und Immobilienfonds mit 109 Mrd. Euro (10 Prozent).

Nachhaltigkeit liegt im Trend
Im Neugeschäft der offenen Publikumsfonds entfallen 7 Mrd. Euro auf nachhaltige Fonds. Das sind 40 Prozent der Netto-Zuflüsse von Publikumsfonds insgesamt. Diese Zahl ist wenig erstaunlich, denn das Label „Nachhaltigkeit“ zieht. Anleger-Skandale wie Prokon oder German Pellets haben gezeigt, dass deutsche Anleger sofort für Investments bereit sind, wenn es um nachhaltige Themen geht. Die Fondsgesellschaften haben dies erkannt und entsprechend im Marketing agiert.

Was ist überhaupt nachhaltig?
Wenn man dagegen Menschen auf der Straße nach der Bedeutung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ fragt, werden ebensoviele Definitionen wie Antwortende herauskommen. Am Ende sind also auch große Tech-Konzeren wie Apple oder Facebook auf ihre Art und Weise nachhaltig. Das heißt die entsprechenden Aktien landen ebenso in entsprechenden Fonds, wie Windenergieaktien oder auf Umweltschutz fokussierte Unternehmen – wobei man als unbedarfter Anleger vor allem solche Aktien im Blick hat, wenn es um „grüne“ Aktien geht.

Schuld daran sind die schwammig formulierten ESG-Kritieren. ESG steht für Environment, Social and Governance. Um entsprechenden Kriterien gerecht zu werden, müssen Unternehmen lediglich belegen, dass sie mit Ressourcen wie Energie, Wasser und Rohstoffen sparsam umgehen und bei der Produktion die Umwelt schonen, ferner müssen sie faire Arbeitsbedingungen oder auch eine saubere Trennung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung nachweisen sowie sozialen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Es ist also wie bei so vielen Dingen eine Frage des Etiketts. Jeder Anleger sollte genau schauen, was sich im individuellen Fall hinter dem Label „nachhaltig“ verbirgt und was nicht.

Finanzbranche im Wandel
Ungeachtet dessen ist auch eine Veränderung in der Finanzbranche zu sehen. Larry Fink von der Fondsgesellschaft Blackrock brachte diese Veränderung wie folgt zum Ausdruck: „Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden. Im vergangenen September gingen Millionen Menschen auf die Straße, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fordern. Viele von ihnen brachten die erheblichen und nachhaltigen Auswirkungen der Klimaveränderung für Wirtschaftswachstum und Wohlstand zum Ausdruck. Ein Risiko, das die Märkte bislang nur zögerlich zur Kenntnis nehmen. Aber das Bewusstsein ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen.

Die nicht von der Hand zu weisenden Klimarisiken zwingen Anleger, ihre zentralen Annahmen zur modernen Finanzwirtschaft zu überdenken. Die Forschungsergebnisse einer Vielzahl von Organisationen, darunter der Weltklimarat IPCC, das BlackRock Investment Institute und viele andere, aber auch neue Studien von McKinsey über die sozioökonomischen Auswirkungen von Klimarisiken, zeigen uns, wie sich die Klimarisiken gleichermaßen auf die Umwelt wie auch die globale Finanzwirtschaft, die das Wirtschaftswachstum begleitet, auswirken.“

Fazit
Anleger sehen sich derzeit einer Flut von nachhaltigen Produkten ausgesetzt. „Grün“ ist hipp und beruhigt das Gewissen – besonders auch beim ungeliebten Thema Geldanlage. Aber sind das die bessere Anlagen? Aus langfristiger Renditesicht sind entsprechende Aktien bislang nicht aufgefallen, Untersuchungen brachten bislang wenig Renditevor- oder Nachteile zu Tage. In einem breit gestreuten Portfolio dürfte sich daher auf Sicht von 15 Jahren oder mehr wenig ändern. Wer dagegen gezielt auf ökologische Aktien oder Papiere von im Bereich Umweltschutz tätigen Unternehmen setzen möchte, muss ganz genau hinsehen. Ein entsprechendes Portfolio ist sicherlich mit Abstrichen auch für Privatanleger darstellbar. Einfacher sind natürlich entsprechende Fonds- oder Zertifikatelösungen. Produkte wie der Pictet Water Fund (WKN: 933349 / ISIN: LU0104884860) oder das Vontobel Climate Impact Indexzertifikat (WkN: VE37TN / ISIN: DE000VE37TN8) sind entsprechende Lösungen, breit gestreut und dennoch wirklich nachhaltig zu investieren.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage und beim alltäglichen Lebensgenuß

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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