So groß ist das Potenzial für Value-Titel

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Richard Halle, Manager des M&G (Lux) European Strategic Value Fund ist zwar noch nicht endgültig bereit, dass Comeback der Value-Aktien auszurufen, allerdings ist er der Ansicht, dass viele der Gründe für das Scheitern eines Value-Comebacks in den letzten zehn Jahren inzwischen an Gewicht verloren hätten.

„Rotation hin zu Value sowohl stark als auch andauernd“

„Bisherige Anläufe zu einem Value-Comeback waren nur kurzlebig und nicht sehr umfassend. In den letzten zehn Jahren galt vielmehr: Jede Value-Rallye war eine hervorragende Gelegenheit, auf Wachstum zu setzen. Nun ist die Rotation hin zu Value jedoch sowohl stark als auch andauernd, wachstumsorientierte Investoren mussten erhebliche Verluste hinnehmen – und zwar nicht nur diejenigen, die spät eingestiegen sind, sondern häufig auch jene, die noch vor Beginn der Corona-Pandemie in Growth investierten“, sagt Halle.

Der Fondsmanager ist der Ansicht, dass wir aktuell das Ende mehrerer starker und langfristiger Trends erleben würden, die bisher Gegenwind für Value bedeutet hätten. „Mehr noch, diese Trends werden sich mit ziemlicher Sicherheit umkehren“, heißt es weiter. Zu diesen Trends zählt er eine zunehmende Globalisierung, immer weiter sinkende Zinsen, eine Dominanz der Zentralbanken, groß angelegte Kreditschöpfung, unglaubliche Gelddruckerei und Deflation. All dies hat laut Halle das letzte Jahrzehnt geprägt. In den nächsten zehn Jahren wird die Welt seiner Ansicht nach – „und damit auch der Aktienmarkt – wohl ein anderes Gesicht bekommen.“

Eine schwierige Unterscheidung

Wenn man als Anleger versucht, sich zwischen Value- und Growth-Aktien zu entscheiden gibt es allerdings einen wichtigen Aspekt, den man beachten sollte. Dieser Aspekt wird aus Sicht der Fondsmanager bei M&G jedoch häufig übersehen:

„Die meisten Menschen halten Value- und Growth-Titel für zwei unterschiedliche, aber klar voneinander abgegrenzte Gruppen von Aktien. In Wirklichkeit sind sie das jedoch nicht. In Zeiten des Wandels können einstige Value-Titel durchaus zu neuen ‚Lieblingen‘ unter den Wachstumswerten werden – wie zum Beispiel die ‚langweiligen‘ Basiskonsumgüteraktien während des TMT-Booms (Technologie, Medien und Telekommunikation).

Telekom-Aktien sind für viele Anleger solide Value-Werte. Bildquelle: Pressefoto Deutsche Telekom

Genau diese wurden dann Mitte bis Ende der 2010er Jahre gefeiert, als die Anleger ‚Anleihe-ähnliche‘ Titel liebten. Das gilt ebenso umgekehrt: Auch Wachstumstitel können zu Value-Aktien werden. Ein Beispiel dafür sind die Telekommunikationsaktien vor und nach der TMT-Blase oder Banktitel vor und nach der Finanzkrise. Wir sind überzeugt, dass es auch jetzt zu solchen Fällen kommen wird“, sagt Halle.

Gemessen an der M&G-Definition von Value und Growth setzen laut Halle die Märkte immer noch sehr stark auf Wachstumstitel und sind bei Value-Aktien „short“. „Eine Kurzanalyse verschiedener Datenbanken zeigt, dass (noch) fast kein Investmentfonds nennenswerte Gelder in Value-Titel investiert. Und bei Privatanlegern dürfte es ähnlich aussehen. Das Potenzial für Value bei einer Umstellung der Anleger ist somit gegeben.“

Steigende Zinsen sprechen für Value-Aktien

Für Value-Werte sprechen beispielsweise die hohe Inflation und die Aussicht auf steigende Zinsen. Die US-Notenbank Fed will zwar zunächst auf sogenannte „jumbo-hikes“, also Leitzinserhöhungen von 0,75 Prozentpunkten oder mehr auf einen Schlag verzichten, allerdings dürfte es einige Zinserhöhungsschritte nacheinander im Volumen von 50 Basispunkten geben.

Fed-Chef Jerome Powell und andere US-Währungshüter könnten angesichts der Entwicklung am Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck geraten. Der Mai-Arbeitsmarktbericht fiel überraschend positiv aus. Der US-Arbeitsmarkt läuft teilweise heiß. Zudem steigen die Löhne, was die Inflation weiter anheizen und zusätzliche Reaktionen der Fed erforderlich machen könnte. Und selbst die EZB dürfte bald beginnen, die Geldpolitik zu normalisieren.

Value-Kennzahlen gewinnen an Bedeutung

Die erwarteten Zinssteigerungen haben dafür gesorgt, dass klassische Value-Kennzahlen, wie der Blick auf die heutigen Unternehmensgewinne, an Bedeutung gewonnen haben. Bei sogenannten Wachstumswerten liegt der Fokus auf zukünftigen Gewinnen, während im Moment hohe Wachstumsinvestitionen getätigt und sogar Verluste in Kauf genommen werden.

Bei Value-Aktien sieht die Sache anders aus. Sie haben heute hohe Gewinne, Dividenden oder Cashflows vorzuweisen, was zu attraktiven Bewertungen aus Sicht des Value Investing führt. Niedrige Zinsen treiben jedoch die heutigen Bewertungen und damit die Aktienkurse der Wachstumswerte. Wenn die Zinsen niedrig sind, bedeutet dies, dass zukünftige Gewinne nur schwach abgezinst werden.

Star-Investor Warren Buffett jubelt ganz besonders

Das heißt, dass ihnen schon heute ein relativ hoher Wert beigemessen wird, was wiederum ihre Aktienkurse in die Höhe schnellen lässt. Dies ist auch ein Grund, warum insbesondere die Aktien von wachstumsstarken Technologieaktien Federn lassen mussten, als die Sorgen vor einer hohen Inflation und steigenden Zinsen an die Märkte zurückkehrten.

Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Value-Anhänger: Warren Buffett. Bildquelle: markteinblicke.de

Bei steigenden Zinsen würden zukünftige Gewinne entsprechend stark abgezinst werden. Ihr heutiger Wert würde sinken und mit ihm auch die Aktienkurse. Daher haben Investoren zuletzt wieder unter anderem verstärkt auf Trades des Value-Fans Warren Buffett und seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2 / ISIN: US0846707026) geschaut. Ein Grund, warum die A-Aktie des Konzerns am 14. März 2022 erstmals die Marke von 500.000 US-Dollar knacken konnte.

mE-FAZIT

Die jüngsten Marktentwicklungen sprechen dafür, dass Value-Titel weiter an Attraktivität im Vergleich zu Wachstums- und Technologietiteln gewinnen sollten. Dabei gilt es ganz besonders einen Rat von Fondsmanager Richard Halle zu beachten und bei der Einteilung zwischen Value und Growth aufzupassen.

M&G (Lux) European Strategic Value Fund EUR CI Acc
WKN A2JRB0
ISIN LU1670707527
Fondsgesellschaft M&G Luxembourg S.A.
Auflegungsdatum 20.09.18
Fondsvermögen (Anteilklasse) 1,3 Mrd. Euro
Fondswährung Euro
Fondskategorie Aktien
Ertragsverwendung thesaurierend
Ausgabeaufschlag 4,00 Prozent
Laufende Kosten 0,92 Prozent
Geschäftsjahresende 31.03.

 

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