Nvidia: Ex-Highflyer vor dem Comeback?

Bildquelle: Pressefoto NVIDIA

Die Nvidia-Aktie (WKN: 918422 / ISIN: US67066G1040) ist deutlich von ihren Rekordständen zurückgekommen. Der einstige Börsen-Highflyer hatte zuletzt mit einigen Problemen zu kämpfen. Damit war er aber nicht allein. Zudem dürfte sich an den positiven mittel- bis langfristigen Aussichten nichts geändert haben.

Nvidia war lange Zeit nur eingefleischten PC-Gamern bekannt. Das 1993 gegründete US-Halbleiterunternehmen hatte die Videospielegemeinde vor allem mit leistungsstarken Grafikkarten erfreut. Seit einigen Jahren hat es Nvidia jedoch immer mehr in den Mainstream geschafft.

Nvidia bedient wichtige Zukunftsmärkte

Die Nvidia-Aktie gehörte in den vergangenen Jahren zu den Lieblingen vieler Börsianer. Der Spezialist für Grafik-Prozessoren hatte im Zuge einiger wichtiger Trends genau die passenden Produkte parat. Als die Euphorie rund um Kryptowährungen ihren Höhepunkt erreichte, war Nvidia mittendrin. Schließlich wurden die leistungsstarken Grafikkarten des Konzerns dringend für das sogenannte Mining von Kryptowährungen benötigt.

Für Anleger, die sich nicht mit Kryptowährungen direkt beschäftigen wollten, war die Nvidia-Aktie eine attraktive Möglichkeit, von dem Boom rund Bitcoin und andere digitale Währungen zu profitieren. Dabei mussten sie sich keine Gedanken um steuerliche Aspekte des Besitzes und der Veräußerung oder die komplizierte Funktionsweise von Kryptowährungen machen.

Nvidia hat im Zuge einiger wichtiger Trends genau die passenden Chip-Produkte parat. (Bildquelle: Pressefoto NVIDIA)

Nvidia profitierte zudem von starken Geschäften im Gaming-Bereich. Next-Generation-Konsolen wie die PlayStation 5 von Sony oder die Xbox Series X von Microsoft hatten Gamer weltweit begeistert. Zumal Nvidia aufgrund seiner Stärke im Gaming-Bereich zeitweise zu den sogenannten Corona-Profiteuren gezählt werden durfte.

Den Gaming-Boom gibt es nicht erst seit Corona

Immer mehr Menschen mussten häufiger und für eine längere Zeit Lockdown-bedingt zu Hause bleiben. In dieser Zeit galt es natürlich, sich abzulenken. Viele taten dies, indem sie ihr nicht nur Filme, Serien und Dokumentation auf Streamingdiensten wie Netflix schauten, sondern auch Videospiele zockten. Allerdings boomte die Gaming-Branche nicht erst seit Corona.

Laut Statistiken des auf Medien spezialisierten Researchunternehmens Ampere wuchsen die Umsätze in der Videospieleindustrie zwischen 2019 und 2021 um etwas mehr als 26 Prozent auf einen Rekordwert von 191 Mrd. US-Dollar. In den Jahren vor Corona wurde die Entwicklung nicht nur durch neue, leistungsstärkere Konsolen vorangetrieben, sondern auch durch Trends wie die Verbreitung des Mobile Gamings oder E-Sports. Wettkämpfe im E-Sports-Bereich erlebten in den vergangenen Jahren regen Zulauf.

Die Stars der Szene werden ähnlich wie bekannte Sportgrößen von Fans auf der ganzen Welt verehrt, während diese dank Social Media sowie der Wettkämpfe selbst inzwischen hohe Preisgelder abräumen können. Kanäle wie Twitch ermöglichen den Gamern selbst wiederum ein Publikum beim Spielen verschiedener Games.

Gleichzeitig werden die Wettkämpfe auf Twitch und anderen Kanälen in einigen Fällen ähnlich professionell wie im Fußball und anderen Sportarten übertragen und von Kommentatoren analysiert. Zu den weiteren Zukunftsmärkten, in denen sich Nvidia erfolgreich betätigt, gehören die Bereiche Künstliche Intelligenz, Datenzentren oder das Autonome Fahren.

Lange Wartezeiten für begehrte Chips

Genauso wie andere Tech-Unternehmen hatte Nvidia zuletzt jedoch mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen. Am 23. November hatte die Nvidia-Aktie noch bei 346 US-Dollar ein neues Rekordhoch erreicht. Seitdem hat das Papier rund 62 Prozent an Wert eingebüßt.

Ein Grund dafür ist der Umstand, dass im Zuge der Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation Technologiewerte auf breiter Front haben Federn lassen müssen. Zudem hatten Anleger nicht besonders erfreut auf die geplatzte milliardenschwere Übernahme des britischen Chip-Designers Arm reagiert.

Gleichzeitig litten die sogenannten Corona-Profiteure darunter, dass die Wirtschaft wiedereröffnet wurde und die Menschen in ihre Büros zurückkehrten. Geblieben waren allerdings die weltweiten Lieferkettenprobleme, die sich zeitweise ganz besonders in der Chip-Industrie gezeigt hatten.

Dies wurde auch an den Next-Generation-Spielekonsolen PlayStation 5 und Xbox Series X deutlich. Die Lieferkettenprobleme sorgten dafür, dass die hohe Nachfrage nicht jederzeit befriedigt werden konnte und Gamer lange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, bevor sie ihre Lieblingskonsole in Händen halten durften.

Der Kater von Bitcoin & Co belastet auch Nvidia

Somit ist es auch zu erklären, dass die Gaming-Industrie zuletzt einen kleinen Durchhänger erlebte. Daher sagt Ampere für 2022 einen Rückgang der Gaming-Umsätze um etwa 1,6 Prozent auf 188 Mrd. US-Dollar voraus. 2023 soll es dagegen mit 195 Mrd. US-Dollar wieder einen neuen Rekordwert geben. In einem anderen Bereich wartet man bei Nvidia ebenfalls auf eine Erholung.

Es bleibt abzuwarten, ob diese eintritt. Die Rede ist vom Krypto-Markt. Dort war zuletzt ein deutlicher Preisverfall über nahezu sämtliche digitale Währungen zu beobachten. Im Herbst 2021 hatte ein Bitcoin noch knapp 67.000 US-Dollar gekostet.

Zuletzt lagen die Notierungen der wichtigsten Kryptowährung dagegen nicht einmal mehr bei 19.000 US-Dollar. Dieser Preisverfall dürfte insbesondere bei Kleinanlegern, die sich dabei kräftig verzockt haben dürften, für Ernüchterung gesorgt haben.

Angesichts der niedrigeren Preise ist auch das Mining nicht mehr ganz so rentabel, während diesem in einigen Ländern von Regierungsseite der Kampf angesagt wird. Unter anderem in China. Ein weiterer Aspekt, den man in Bezug auf Nvidia im Blick haben sollte, ist die Konjunkturabhängigkeit von Chip-Werten.

Angesichts der niedrigeren Preise ist das Krypto-Mining nicht mehr ganz so rentabel. (Bildquelle: Pressefoto NVIDIA)

Nvidia und die Konjunkturabhängigkeit von Chip-Werten

Die Geschäfte und damit auch die Aktienkurse von Halbleiterunternehmen bewegen sich traditionell im Einklang mit dem Konjunkturzyklus. Nun wird sogar eine Rezession befürchtet. Entsprechend dürfte es für Nvidia und andere Branchenwerte noch einiges an Gegenwind geben.

Zumal die europäische Gaskrise, die weltweiten Lieferkettenprobleme, Chinas COVID-19-Problem oder die steigenden Zinsen die Wirtschaft noch eine Weile schwächen dürften. Gleichzeitig kommen spezielle Herausforderungen wie der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie der Krieg in der Ukraine als Belastungsfaktoren hinzu.

So darf Nvidia bestimmte Chips im Bereich Künstliche Intelligenz ohne Erlaubnis der US-Regierung nicht mehr nach China oder Russland verkaufen, da diese auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden könnten. Trotz dieser Herausforderungen bleiben die mittel- bis langfristigen Aussichten für Nvidia positiv.

Konjunkturzyklen bringen bekanntermaßen auch wieder eine Erholungsphase mit sich. Zudem beschäftigt sich der Konzern mit ausgewiesenen Wachstumsfeldern. Nicht umsonst sind die Experten bei Janus Henderson zuletzt in einem Marktkommentar speziell auf die Chancen von Grafikprozessoren eingegangen. Ihrer Ansicht nach bestimmen diese die Zukunft der Computertechnik.

Im Zentrum der Digitalisierung

In der Vergangenheit seien laut Kommentar GPUs in der Computergrafik und Bildverarbeitung eingesetzt worden. Doch mit der Weiterentwicklung der Technologie habe sich der Anwendungsbereich erheblich vergrößert. Es wird auf das Mooresche Gesetz verwiesen. Darin heißt es, dass sich die Anzahl der Transistoren in einem integrierten Schaltkreis alle zwei Jahre verdoppeln würde, während sich die Kosten für die Datenverarbeitung halbierten.

Damit habe sich die Nutzung von GPUs vereinfacht. „Hochleistungs-GPUs sind heute für viele unterschiedliche Technologien von zentraler Bedeutung und werden die Grundlage für die nächste Generation von Datenverarbeitungssystemen bilden“, sagen die Fondsmanager von Janus Henderson. Besonders interessant: Grafikprozessoren dienten der Steigerung der Effizienz der Datenverarbeitung und verbesserten die Gesamtleistung.

Dies sei nicht nur für Endverbraucher wie Gamer von Vorteil, sondern auch für anspruchsvollere Anwendungen. Als Beispiele, wo die Vorteile besonders zum Tragen kommen würden, werden das Training künstlicher Intelligenz (KI) und Deep-Learning-Modelle genannt, die eine intensive parallele Verarbeitung von Hunderttausenden neuronaler Netze gleichzeitig erfordern würden.

mE-FAZIT

Wie viele andere Tech-Werte muss auch Nvidia derzeit eine schwierige Phase durchstehen. Allerdings stimmen die mittel- bis langfristigen Aussichten beim Spezialisten für Grafikprozessoren positiv. Schließlich beschäftigt sich das Unternehmen mit ausgewiesenen Wachstumsfeldern und ist vielfach mittendrin, wenn es um das Vorantreiben der Digitalisierung als Ganzes geht.

red. mE; Bildquelle: Pressefoto NVIDIA