Baugeldzinsen bleiben konstant hoch

Banken geben Zinsentwicklung unterschiedlich an Kunden weiter | In Süddeutschland sinken die Kaufpreise

(Bildquelle: Unsplash / Ibrahim Rifath)

Nachdem die Zinsen für Immobiliendarlehen im Mai etwas nachgegeben haben, könnten sie im Juni wieder anziehen. Das ist die Einschätzung unter anderem von Mirjam Mohr, Vorständin Privatkundengeschäft der Interhyp AG, Deutschlands größtem Vermittler privater Baufinanzierungen:

Auch wenn wir für die kommenden Wochen etwas steigende Zinsen erwarten und leichte Überschreitungen der 4-Prozent-Marke für zehnjährige Zinssicherheit möglich sind, wird sich der Zins-Korridor zwischen 3,5 und 4 Prozent halten.

Die monatlich von Interhyp im Bauzins-Trendbarometer befragten Zinsexperten sehen dies ähnlich. Sie halten kurz- und langfristig mehrheitlich gleichbleibende Zinsen für am wahrscheinlichsten. Einige prognostizieren jedoch, dass sich Kredite im Jahresverlauf nochmals verteuern. Bis Jahresende verortet die Mehrheit die Zinsen bei bis zu 4 Prozent.

Bauen bleibt weiter teuer – Kredite dürften laut Experten sich im Jahresverlauf nochmals verteuern. (Bildquelle: Pressefoto Traumhaus AG)

Bei der Anschlussfinanzierung jetzt aufpassen

Im Bereich der Anschlussfinanzierung könnte es laut Mohr jetzt gute Optionen geben. „Verbraucher sollten die Anschlussfinanzierung genauso wichtig nehmen wie die Erstfinanzierung.

Dazu gehört, sich einen breiten Überblick über die Angebote am Markt zu verschaffen“, erklärt sie angesichts seit Wochen stark schwankender Zinskonditionen. „Wenn ein Wechsel des Kreditgebers auch mit Kosten verbunden ist, können die finanziellen Vorteile klar überwiegen.

Banken geben Zinsentwicklung unterschiedlich an Kunden weiter

Denn die Kreditinstitute geben die Zinsentwicklungen unterschiedlich an ihre Kunden weiter. Zum anderen profitieren Verbraucher bei einer Umschuldung von Neukundenkonditionen – und drittens bewertet eine neue Bank die Immobilie neu. „Weil die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind und Eigentümer bereits viel abbezahlt haben, sinkt in vielen Fällen der Beleihungsauslauf – und die Konditionen werden besser“, so die Expertin.

Die durch einen Bankwechsel entstehenden Kosten seien mit einigen hundert Euro oftmals geringer als angenommen und würden in vielen Fällen durch mögliche Einspareffekte mehr als kompensiert.

In Süddeutschland sinken die Kaufpreise

Wer dann noch in Süddeutschland auf der Suche nach den eigenen vier Wänden ist, kann sich derzeit über sinkende Kaufpreise freuen. Wer derzeit eine Eigentumswohnung in Bayern oder Baden-Württemberg kauft, zahlt bis zu 15 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von immowelt, in der die durchschnittlichen Angebotspreise von Bestandswohnungen (75 Quadratmeter, 3 Zimmer, 1. Stock, Baujahr 1990er-Jahre) in ausgewählten Stadt- und Landkreisen in Bayern und Baden-Württemberg untersucht wurden.

Insgesamt sind die Kaufpreise von Eigentumswohnungen in 106 von 117 untersuchten Kreisen innerhalb der vergangenen 12 Monate gesunken. In 16 Kreisen beträgt der Rückgang sogar mindestens 10 Prozent. „Die hohe Inflation und die gestiegenen Bauzinsen haben den Immobilienboom auch im Süden Deutschlands beendet. Ob in den teuren Großstädten oder den preiswerten ländlichen Regionen – die Kaufpreise sinken nahezu flächendeckend“, sagt Felix Kusch, immowelt Country Managing Director.

„Somit könnte der Traum vom Eigenheim, trotz hoher Zinsen, auch für Normalverdiener wieder in den Bereich des Möglichen rücken. Denn angesichts der gesunkenen Nachfrage bietet sich für Käufer die Chance, in Preisverhandlungen weitere Abschläge zu erzielen.“