Ölpreis zeigte hohe Volatilität im Juni

Mit der Entspannung im Nahen Osten verschwand die geopolitische Risikoprämie an den Rohstoffmärkten. Öl und Gold gaben deutlich nach, während Anleger den Blick wieder stärker auf Geldpolitik und Konjunktur richten.

(Bildquelle: Pressefoto Shell)

Die Rohstoffmärkte wurden im Juni vor allem von der Entspannung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie der Wiederöffnung der Straße von Hormus bestimmt. Die geopolitische Risikoprämie, welche die Rohstoffpreise seit Ende Februar gestützt hatte, verschwand rasch nach der Bekanntgabe eines vorläufigen Friedensabkommens Mitte Juni.

Der Preis für Brent-Rohöl fiel im Monatsverlauf um 23,2 Prozent auf 72,92 US-Dollar pro Barrel und gab damit sämtliche während des Konflikts erzielten Gewinne wieder ab. Zu Beginn des Junis notierte Öl noch oberhalb von 90 US-Dollar pro Barrel, da die Straße von Hormus weiterhin geschlossen war und die OPEC-Produktion infolge von Angebotsstörungen nahe jahrzehntelanger Tiefststände lag.

Die Marktstimmung änderte sich jedoch abrupt, nachdem sich die Vereinigten Staaten und der Iran auf die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Schifffahrtsroute geeinigt hatten. Mit der Wiederaufnahme des Tankerverkehrs und der Entspannung auf der Angebotsseite wurde die zuvor aufgebaute geopolitische Risikoprämie rasch ausgepreist.

Zusätzlichen Druck auf die Ölpreise übten Erwartungen steigender iranischer Ölexporte sowie Prognosen großer Investmentbanken aus, die für die zweite Jahreshälfte einen möglichen globalen Ölüberschuss in Aussicht stellten. Insgesamt verzeichnete der Ölpreis seit Ende Februar eine außergewöhnlich starke Bewegung – von einem Höchststand von nahezu 120 US-Dollar pro Barrel bis zu einem Rückgang auf zuletzt 67,04 US-Dollar pro Barrel.

Auch Gold erlebte eine deutliche Korrektur und fiel von 5.318 US-Dollar je Feinunze auf 4.380 US-Dollar Ende Juni. Das Edelmetall stand dabei unter dem Einfluss zweier wesentlicher Faktoren: dem Rückgang geopolitischer Unsicherheit und einem restriktiveren geldpolitischen Ausblick.

Obwohl die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen im Juni unverändert ließ, signalisierten die Währungshüter die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen. Dies stärkte den US-Dollar und führte zu steigenden Realrenditen. Dadurch sank die Attraktivität von nicht verzinslichen Anlagen wie Gold. Während die weiterhin starke Nachfrage der Zentralbanken und robuste Goldimporte aus China langfristig unterstützend wirkten, konzentrierten sich Anleger vor allem auf den Wegfall des klassischen „Safe-Haven“-Bedarfs nach der Einigung zwischen den USA und dem Iran.

Wir erwarten, dass die Federal Reserve ihren geldpolitischen Kurs stärker straffen wird als die Europäische Zentralbank – und zwar stärker, als dies derzeit in den Finanzmärkten eingepreist ist. Diese zunehmende geldpolitische Divergenz dürfte eine nachhaltige Aufwertung des Euro über die Marke von 1,16 US-Dollar hinaus begrenzen und spricht insgesamt für weiteres Abwärtspotenzial in den kommenden Monaten und Quartalen.

In unserem Basisszenario dürfte der Wechselkurs EUR/USD schrittweise in den Bereich von 1,10 zurückfallen, gestützt durch höhere US-Renditen und die anhaltende Stärke des US-Dollars.

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Wechselkurs USD/CHF. Der Schweizer Franken blieb zunächst vergleichsweise stark, verlor jedoch im weiteren Verlauf gegenüber dem US-Dollar an Wert, da die Renditen in den USA stärker anstiegen.

Infolgedessen bewegte sich USD/CHF in Richtung 0,80, was die zunehmende Zinsdifferenz zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz widerspiegelt.

Gleichzeitig bleibt der Schweizer Franken ein attraktives Absicherungsinstrument gegen wachsende Sorgen hinsichtlich der Staatsfinanzen vieler Industrieländer im Umfeld steigender Zinsen. Aufgrund der sehr niedrigen Staatsverschuldung und der geringen Haushaltsdefizite der Schweiz ist die Währung besonders gut positioniert, um von solchen Entwicklungen zu profitieren.

Darüber hinaus behält der Franken seine traditionelle Rolle als verlässlicher sicherer Hafen in Zeiten erhöhter Risikoaversion. Da wir davon ausgehen, dass geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten auch in den kommenden Monaten und Quartalen bestehen bleiben, sollte diese Eigenschaft den Schweizer Franken weiterhin unterstützen.

Ein Beitrag von Joel Frick

Er ist Investment Lead bei der BENDURA BANK AG. 

 

 

 

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