20 Bausteine. Eine Idee.

20 Unternehmensaktien, drei Jahre später: Welche Burggräben tragen noch und wo bröckelt es? Der große Baustein-Aktien-Check.

(Bildquelle: Allison Saeng für Unsplash+)

Liebe Leserinnen und Leser,

wie viel Börse steckt eigentlich in Ihrem Tag? Morgens der Rasierer, dazu der erste Kaffee, im Büro die gewohnte Software, abends die Kartenzahlung im Restaurant: Kaum ein Tag vergeht, ohne dass wir mit börsennotierten Unternehmen zu tun haben, meistens ohne es zu merken. Wer ihre Aktien kauft, wird zum Miteigentümer von Firmen, die tagtäglich Waren und Dienstleistungen verkaufen und im besten Fall Gewinne erwirtschaften. Auf diesem simplen Gedanken ruht seit Jahren unsere Baustein-Aktien-Strategie.

Drei Jahre später: der Qualitätscheck

Im Sommer 2023 haben wir in marktEINBLICKE eine Auswahl von 20 Unternehmen vorgestellt, die wir als Fundament für den langfristigen Vermögensaufbau für geeignet hielten. Lebensmittel- und Haushaltsriesen gehörten dazu, aber auch Technologiewerte vom Softwarekonzern über den Chipentwickler bis zum Anbieter von Kreativprogrammen. Unsere Überzeugung damals: Ein Depot braucht vor allem bewährte Geschäftsmodelle und dauerhafte Wettbewerbsvorteile.

Nun ist es Zeit für die Gegenprobe. Wir haben die damaligen Argumente an der Gegenwart gemessen, und das Ergebnis ist, wie so oft im Leben, differenzierter als jede Schlagzeile. Starke Marken und solide Geschäftsmodelle bleiben wertvoll. Aber auch ein Burggraben schützt nicht vor jeder Enttäuschung.

Qualität ist kein Freifahrtschein

Die vergangenen Jahre haben die Unterschiede sichtbar gemacht, und wir wollen sie nicht schönreden. Während künstliche Intelligenz das Geschäft eines Chipentwicklers und eines großen Cloud- und Softwarekonzerns beflügelt, stellen neue KI-Anwendungen das Geschäftsmodell eines Kreativsoftware-Anbieters auf die Probe. Bei einem dänischen Pharmakonzern hat sich der Wettbewerb um Medikamente gegen Fettleibigkeit deutlich verschärft. Hersteller von Luxusgütern und Spirituosen spüren die schwächere Nachfrage in China und den USA. Daraus folgt eine Erkenntnis, die uns wichtig ist: Eine Baustein-Aktie ist niemals mit einer risikolosen Aktie zu verwechseln.

Ein Burggraben will gepflegt werden

Das Bild vom wirtschaftlichen Burggraben gehört zu den beliebtesten Erklärungen für erfolgreiche Unternehmen. Eine starke Marke, patentiertes Wissen, ein dichtes Vertriebsnetz oder hohe Wechselkosten machen es Konkurrenten schwer, Marktanteile abzunehmen.

Bei Kosmetikkonzernen liegt beispielsweise der Vorteil in Marken, Forschung und Vertrieb, bei einem Zahlungsdienstleister wiederum in einem weltweiten Netzwerk, bei einem Softwarekonzern dagegen in einer eng verzahnten Programm- und Cloudlandschaft.

Doch auch breite Gräben verändern sich. Neue Technologien brechen alte Gewohnheiten auf, neue Wettbewerber greifen hohe Preise an, und eine starke Marke hilft wenig, wenn Verbraucher ihre Ausgaben zurückfahren. Ein Burggraben, den niemand pflegt, ist eben irgendwann nur noch eine Mulde mit Wasser.

Die Zahlen müssen zum Versprechen passen

Was sich auf Dauer bewährt, erkennt man nicht am Logo und nicht an der Größe eines Unternehmens. Entscheidend ist, ob Umsätze und Gewinne nachhaltig erwirtschaftet werden, ob nach Investitionen ausreichend Free Cashflow bleibt und ob die Bilanz auch in schwächeren Jahren trägt.

Ebenso wichtig ist der Preis: Selbst eine ausgezeichnete Firma kann eine enttäuschende Aktienanlage sein, wenn Anleger für künftiges Wachstum bereits zu viel bezahlt haben. An der Börse wird nicht nur Qualität gehandelt, sondern immer auch Erwartung.

Zwanzig Temperamente, kein Einheitsdepot

Die 20 Aktien bilde(te)n bewusst keine homogene Gruppe. Lebensmittelkonzerne, Haushaltsartikel- und Reinigungsmittelhersteller stehen für den Alltagskonsum, ein Versicherer und ein Zahlungsabwickler folgen anderen Einnahmemodellen, der Chipentwickler hängt an Investitionszyklen im KI-Geschäft, ein Aufzughersteller profitiert vom Neubau und vor allem von Wartung und Modernisierung. Ein gutes Depot braucht keine zwanzig Aktien mit derselben Geschichte, sondern unterschiedliche Ertragsquellen. Und es braucht Anleger, die Schwankungen aushalten können.

Zeit bleibt der wichtigste Verbündete, aber keine Garantie. Einzelaktien können dauerhaft an Wert verlieren, und ein Depot kann zeitweise tief im Minus stehen. Ein breit gestreuter ETF bleibt deshalb eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung. Unsere Auswahl ist keine Musterlösung für jedes Depot, sondern eine Einladung, gute Unternehmen genauer kennenzulernen.

Was in der neuen mE-Ausgabe auf Sie wartet

Genau das tun wir in der neuen Ausgabe von marktEINBLICKE, die in der kommenden Woche erscheint. Wir greifen darin die exakte Auswahl von damals wieder auf und fragen bei jeder der 20 Aktien:

Welcher Burggraben trägt noch? Wo haben sich die Rahmenbedingungen verändert? Und worauf müssen langfristige Anleger heute besonders achten? Auf ein pauschales Gütesiegel verzichten wir bewusst, denn Qualität ist kein Zustand, den man einmal feststellt und dann vergisst.

Unser mE-Fazit

Gute Unternehmen werden nicht automatisch zu guten Investments, und gute Investments bleiben nicht automatisch gut. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, braucht deshalb beides: den Mut, auf bewährte Geschäftsmodelle zu setzen, und die Bereitschaft, sie immer wieder kritisch zu prüfen. Genau darin liegt für uns der Kern der Baustein-Aktien.

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