Die Fed beweist Rückgrat

US-Präsident Trump fordert ein Prozent, die Fed liefert vier: Warum diese Zinserhöhung eine echte Botschaft ist.

(Bildquelle: Pressefoto Federal Reserve)

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Wochen, in denen eine einzelne Zinsentscheidung mehr über den Zustand einer Institution verrät als tausend Sonntagsreden. Diese Woche war so eine Woche. Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, zu dem der amtierende US-Präsident mit voller Wucht das genaue Gegenteil forderte.

Für uns ist das nicht nur eine geldpolitische Randnotiz, sondern eine gute Nachricht für alle, die an eine funktionierende, unabhängige Notenbank glauben, ganz gleich, welcher Präsident gerade im Weißen Haus sitzt und welcher Notenbankchef gerade auf dem Stuhl der Fed Platz genommen hat.

Was die Fed tatsächlich entschieden hat

Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Schritt damit, man habe die geldpolitische Unterstützung der US-Wirtschaft „um eine Dosis verringert“, um schneller zum Inflationsziel von zwei Prozent zurückzukehren. Tatsächlich liegt das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, der PCE-Index, auf Jahressicht weiterhin oberhalb der drei Prozent.

PIMCO-Ökonomin Tiffany Wilding sieht in den begleitend veröffentlichten Fed-Prognosen deutliche Anzeichen dafür, dass in diesem Jahr noch eine weitere Zinserhöhung folgen könnte, und hält sogar einen zusätzlichen Schritt im kommenden Jahr für wahrscheinlich, sollte sich die Inflation nicht im gewünschten Tempo zurückbilden.

Nach ihrer Einschätzung folgten „auf Warshs Rhetorik erstmals auch Taten“, und weitere Straffungen auf den letzten Metern der Inflationsbekämpfung seien wahrscheinlich. Wilding weist zugleich darauf hin, dass sich die Lage grundlegend von 2022 unterscheide:

Vom Arbeitsmarkt gehe derzeit kein zusätzlicher Inflationsdruck aus, das Produktivitätswachstum bleibe robust. Sollten die Energiepreise nicht weiter kräftig steigen, dürfte zudem der ursprüngliche Preisschock aus dem Iran-Konflikt im Frühjahr aus den Jahresvergleichswerten herausfallen und die Gesamtinflation damit näher an ihr Ziel rücken.

Auch Benjamin Bente, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Vates Invest, ordnet die Entscheidung als überfällig und richtig ein. Seiner Analyse zufolge hatte sich Warsh spätestens seit seiner Rede in Jackson Hole als entschlossener Inflationsbekämpfer inszeniert, doch diesen Worten fehlten bislang die Taten, was insbesondere am Anleihemarkt zuvor für eine „deutliche Quittung“ gesorgt habe. Nun sei geliefert worden, und die Märkte, die eine Anhebung bereits eingepreist hatten, seien nicht enttäuscht worden. Bente betont zudem, dass der Beschluss von einem breiten Votum im Offenmarktausschuss getragen wurde, was Spekulationen über tiefe Gräben zwischen Falken und Tauben im Gremium entkräfte.

Und dann kam Trump

Was diese Woche aber wirklich zu einem Lehrstück in Sachen Notenbankunabhängigkeit machte, war die Reaktion des Präsidenten selbst. Nur wenige Stunden nach der Zinsentscheidung meldete sich Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social zu Wort, mit einer Forderung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ: „Interest Rates in the United States should be 1%, or less, because we are the Best Credit in the World – BY FAR.“

Es folgte, fast schon trotzig, der Hinweis „Our Country is BOOMING with new Investment!“, bevor er mit der Forderung schloss: „LOWER THE INTEREST RATES FOR THE UNITED STATES OF AMERICA, AND FAST!“

Dazwischen verknüpfte er seine Zinskritik noch mit dem amerikanischen Handelsdefizit und erklärte kurzerhand, das Wort „Defizit“ sei nichts weiter als ein schickeres Wort für „Verlust“. Später am selben Tag legte er bei einem Auftritt in North Carolina mündlich nach und bezeichnete das Fed-Board als „very hostile“ und „very political“.

Man muss diese Aussagen nicht kommentieren, sie sprechen für sich.

Bemerkenswert ist vor allem der zeitliche Kontrast: Wenige Stunden, nachdem die Fed den Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben hatte, forderte der Präsident öffentlich ein Prozent oder weniger. Eine Differenz, die kaum größer sein könnte und die zeigt, wie weit geldpolitische Notwendigkeit und politischer Wunschzettel derzeit auseinanderliegen.

Unsere Einordnung: Unabhängigkeit ist kein Selbstzweck

Aus unserer Sicht ist genau das der eigentliche Kern der Geschichte. Es ist gut, sehr gut sogar, dass sich die US-Notenbank von diesen Forderungen nicht hat beeindrucken lassen. Eine Zentralbank, die sich dem politischen Druck des jeweiligen Amtsinhabers beugt, verliert über kurz oder lang genau das, was sie eigentlich schützen soll:

das Vertrauen der Märkte in stabile Preise und verlässliche Rahmenbedingungen. Bente bringt es treffend auf den Punkt, wenn er festhält, dass die Fed damit bewiesen habe, „kein verlängerter Arm des Weißen Hauses“ zu sein.

Diese Unabhängigkeit gilt für uns unabhängig davon, wer gerade im Oval Office sitzt oder wer den Vorsitz der Notenbank innehat. Genau diese institutionelle Standhaftigkeit, nicht die einzelne Zinsentscheidung, ist die eigentlich beruhigende Nachricht dieser Woche.

Unser mE-Fazit

Die Zinsentscheidung der Fed ist letztlich mehr als eine geldpolitische Randnotiz: Sie ist ein Beleg dafür, dass Institutionen auch unter erheblichem politischem Druck standhaft bleiben können. Für den eigenen langfristigen Vermögensaufbau bedeutet das: Wer sich nicht von jedem Truth-Social-Post oder jeder tagespolitischen Zinsforderung verunsichern lässt, sondern auf Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und verlässlichen Cashflows setzt, unsere Baustein-Aktien, fährt auch in politisch aufgeladenen Zeiten wie diesen ruhiger und besser.

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