So gibt´s keinen Ärger mit der Erbschaft

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Erbschaft- oder Schenkungsteuer und diverse Freibeträge – für viele Menschen sind diese Begriffe böhmische Dörfer und man will sich mit diesen auch nicht auseinandersetzen. „Das hat noch Zeit“ ist einer der Sätze, der mit dem Thema Erbschaft einhergeht. Mit Blick auf die potenzielle Belastung durch die Erbschaftsteuer, sollte aber eine Nachlassregelung bereits frühzeitig getroffen werden.

In Deutschland wird von Jahr zu Jahr immer mehr vererbt. Im vergangenen Jahr ist laut dem Statistischen Bundesamt steuerlich berücksichtigtes Vermögen in Höhe von 118 Milliarden Euro verschenkt oder vererbt worden. Dies ist ein Anstieg von fast 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. Ebenfalls angestiegen sind die steuerlich berücksichtigten Erbschaften auf 63,4 Milliarden Euro in 2021, was einem Zuwachs von 26,2 Prozent gegenüber 2020 entspricht.

Das Erbe sollte auf jeden Fall geregelt werden

Bei diesen großen Summen stellt sich die Frage: Wie vererbe ich eigentlich richtig und was müssen auf der anderen Seite Erben beachten? Antworten auf diese Fragen können viele Experten geben. Ein Notar, ein Rechtsanwalt und auch ein Steuerberater wären die ersten Ansprechpartner. Nur eines sollte man vermeiden:

„Nichts zu regeln und die Angelegenheit vor sich herzuschieben“, sagt Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). „Vermögensnachfolge, Vererben und Testament erinnern zwangsläufig daran, dass das eigene Leben endlich ist. Daher besteht vielfach eine Abneigung, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Das ist menschlich verständlich, aber nicht selten folgenreich.“

Wer will, dass das zu Lebzeiten Geschaffene auch über den eigenen Tod hinaus im eigenen Sinne Verwendung findet, sollte einiges beizeiten regeln, rät Morgenstern.

Bei einer Erbschaft geht es oftmals um viel Vermögen und Geld – daher sollte die Vermögensnachfolge schon zu Lebzeiten geklärt sein. Bildquelle: markteinblicke.de

Die Erbschaft- oder Schenkungsteuer

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Erbschaft- oder Schenkungsteuer. In den meisten Erbfällen wird diese nur einen Teil des gesamten Vermögens betreffen. Trotz zum Teil sehr hoher Freibeträge sollte das Thema Erben und Vererben aber nicht erst im Fall des Todes behandelt werden – vor allem nicht, wenn im Familienvermögen auch Immobilien sind. Das gilt besonders für die Fälle, in denen Familienangehörige die Immobilie bewohnen. Hier gibt es großzügige Regelungen bei der Erbschaftsteuer:

Das Vererben einer selbst genutzten Immobilie an den Ehepartner (bzw. eingetragenen Lebenspartner) ist frei, wenn dieser noch mindestens zehn Jahre lang selbst darin wohnen bleibt. Diese Zehn-Jahres-Regel gilt auch für die Fälle, in denen das Haus oder die Wohnung an Kinder oder Enkel vererbt wird. Nur wenn der Erbe die Immobilie innerhalb der Zehnjahresfrist verkauft oder vermietet, fällt rückwirkend Erbschaftsteuer an.

Die Freibeträge bei einer Erbschaft

In diesen Fällen greifen die jeweiligen Freibeträge (siehe Tabelle). Bis zu diesen Beträgen bleiben Erben und Schenkungen steuerfrei. Wichtig für hohe Vermögen: Bei Schenkungen kann je nach Verwandtschaftsgrad alle zehn Jahre ein persönlicher Freibetrag geltend gemacht werden.

Erbschaftssteuer: In vielen Fällen greifen die jeweiligen Freibeträge. Bildquelle: markteinblicke.de

Derzeit ist der Immobilienbesitz insbesondere in der Altersgruppe der 45- bis 74-Jährigen sehr hoch, während er u.a. aufgrund von Verkauf oder Übertragung der Immobilie auf die eigenen Kinder in höherem Alter wieder sinkt.

Die Gruppe der unter 45-jährigen kann also ohne Zweifel als Generation Erbe bezeichnet werden – auch wenn laut einer Umfrage der Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (GNIW) nur knapp über die Hälfte (51 Prozent) der deutschen Senioren ihren Erben etwas hinterlassen kann.

Viele Senioren entscheiden sich für das Vererben

Allerdings möchte der Löwenanteil der potenziellen Erblasser das auch tun: 81 Prozent möchten ihrer Familie etwas hinterlassen, 7 Prozent möchten gemeinnützige Organisationen als Erben einsetzen und 5 Prozent möchten andere Menschen, etwa Freunde oder Bekannte, begünstigen.

„Ein Großteil der Senioren möchte der nachfolgenden Generation etwas hinterlassen. Unsere Befragung zeigt aber, dass es durchaus Menschen gibt, die aus verschiedensten Gründen ihre Familie nicht berücksichtigen möchten. Prinzipiell scheint der gesellschaftliche Druck für viele ein Grund zu sein, um sich für das Vererben zu entscheiden“, erklärt Dr. Henryk Seeger, Geschäftsführer der GNIW. „Viele Senioren würden lieber ihren Lebensabend genießen, als das Vermögen für die nachfolgende Generation zu sparen.“

So gaben 53 Prozent der Befragten mit Erbmasse an, dass sie ihr Vermögen eher dafür nutzen würden, um ihr Leben zu genießen, als es zu vererben. Allerdings glauben 60 Prozent, dass es entweder von der Gesellschaft oder den Angehörigen erwartet wird, etwas zu vererben; nur 32 Prozent verspüren in dieser Frage keinen Druck. 31 Prozent versuchen derweil das Erbe vorzuziehen und ihr Vermögen an die Erben zu Lebzeiten zu übertragen oder zu verschenken.

Zu vererben gibt es in Deutschland einiges, vor allem Immobilien. Bildquelle: Unsplash

Schon frühzeitig an Schenkungen denken

„Vererben scheint für viele Senioren mit Erwartungen verknüpft zu sein. Dabei möchten viele ihr Vermögen nutzen, um den Lebensabend zu genießen oder aber Teile des Erbes schon zu Lebzeiten zu verschenken“, erklärt Dr. Seeger.

Mit Blick auf die potenzielle Belastung durch die Erbschaftsteuer, ist dies auch der richtige Ansatz. Immobilienexperten können dabei frühzeitig entsprechende Hilfestellungen geben, wenn es etwa um die Frage geht: Verkauf der Immobilie zu Lebzeiten oder Vererben derselben. Dies kann speziell bei mehreren Erben einer Immobilie von entscheidender Bedeutung sein.

„Es existieren eine ganze Reihe interessanter Gestaltungsmöglichkeiten, die beispielsweise ein lebenslanges, grundbuchrechtlich abgesichertes Wohnrecht absichern, auch wenn das Eigentum bereits übertragen wurde“, sagt Michael Hofstetter, Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender von einem der größten Haus & Grund-Vereinen in Ludwigsburg.

Senioren, die vererben möchten, sind oft vermögend

Zu vererben gibt es in Deutschland einiges – von den 51 Prozent der GNIW-Befragten, die Vermögenswerte besitzen, verfügen nur 3 Prozent über weniger als 5.000 Euro potenzielle Erbmasse. Zwischen 5.000 und 25.000 Euro besitzen rund 13 Prozent. 18 beziehungsweise 20 Prozent besitzen sogar zwischen 100.000 und 250.000 Euro beziehungsweise 250.000 und 500.000 Euro, 14 Prozent schließlich besitzen sogar mehr als eine halbe Million Euro.

„Es ist zum einen besorgniserregend, dass etwas mehr die Hälfte der Senioren nichts zu vererben hat. Jene, die Vermögenswerte besitzen, sind wiederum potenziell eher vermögend. Allerdings zeigt unsere Erhebung auch, dass ein Großteil des Kapitals eingemauert in Immobilien und nicht kurzfristig verfügbar ist“, erklärt Dr. Seeger, Geschäftsführer der GNIW.

Die gesetzliche Erbfolge und das Berliner Testament

Gut beraten ist man mit einem Testament – auch wenn dieses nicht zwingend notwendig ist, da es die gesetzliche Erbfolge gibt. „Existiert kein Testament, dann wird das vorhandene Vermögen gemäß dieser Regelung verteilt. Wer davon aber abweichen will (in den Grenzen, wie es die Pflichtteilsansprüche zulassen), der muss per Testament oder Vermächtnis seinen Willen festlegen“, erklärt Morgenstern.

Wer sich für ein Testament entscheidet, sollte auf dieses achten: Es muss fehler- und widerspruchsfrei sein und die Formvorgaben einhalten. „Das ist vor allem dann der Fall, wenn das sogenannte Berliner Testament verwendet wird“, so Morgenstern.

Das sogenannte Berliner Testament können Ehegatten auch ohne rechtlichen Beistand selbst erstellen, „müssen dabei aber bestimmte Vorgaben einhalten, es zum Beispiel handschriftlich verfassen“, ergänzt Morgenstern. „Man sollte immer bedenken, dass Geld als Erbe einfacher aufzuteilen ist, als Sachwerte wie Immobilien. Häufig gibt es nach dem Ableben stattdessen Streit unter den Erben“, sagt Dr. Seeger.

Ein Testament beugt Erbstreitigkeiten vor

„Manche wollen vermiete, andere wollen die Immobilie verkaufen und wieder andere werfen den restlichen Erben vor, etwa die Werte der Immobilie falsch anzusetzen. Streitpotenzial gibt es beim Vererben leider zuhauf.“ Senioren sollten daher frühzeitig vorsorgen und klare Regelungen schaffen, rät Seeger.

In Deutschland gehen viele Senioren entsprechend den Weg über ein Testament und schieben damit Ärger und auch das Thema gesetzliche Erbfolge zur Seite. Ein Großteil der GNIW-Befragten hat demnach bereits ein Testament aufgesetzt.

So hat man früher sein Vermächtnis gemacht: Handschriftlich mit Siegel. Letzteres ist heute nicht mehr nötig, aber handschriftlich sollte ein persönliches Testament geschrieben sein. Bildquelle: Pixabay / Bru-nO

37 Prozent gaben an, dass es ihnen wichtig sei, mithilfe eines Testaments Erbstreitigkeiten vorzubeugen. 21 Prozent wollten mittels des Testaments bestimmen, welcher Begünstigte welchen Teil des vererbten Vermögens erhält. 6 Prozent gaben an, dass sie schlicht verhindern wollen, dass ihre Verwandten überhaupt etwas erben. 36 Prozent gaben an, noch kein Testament aufgesetzt zu haben, davon hielten 21 Prozent den gesetzlichen Verteilungsschlüssel für ausreichend, 14 Prozent wollen sich erst in Zukunft mit diesem Thema beschäftigen.

Zudem war ein weiteres Thema, ob es wichtig sei, was mit ihren Wertgegenständen und Sachwerten (Immobilien, Schmuck, Kunst) nach ihrem Tod geschehe. Dabei gaben 66 Prozent der Befragten an, dass es ihnen wichtig sei, über den Tod hinaus mitbestimmen zu können, was mit ihren Sachwerten passiert. Für 26 Prozent der Befragten war es weniger wichtig, was mit ihren Wertgegenständen und Immobilien nach dem Tod passiert.

mE-Fazit

Vererben und Erben gehören zusammen, eine gute Kommunikation zwischen den Generationen zu den jeweiligen Plänen, Wünschen und Befindlichkeiten ist hierfür eine wichtige Basis, um Streitereien zu vermeiden.

Gerade bei einer Immobilienerbschaft gibt es viele Aspekte, die zu beachten sind. Eine klare Erbschaftsregelung, die bestenfalls noch zu Lebzeiten festgelegt wird, ist sehr empfehlenswert – ebenso das Hinzuziehen von Experten. Denn ohne professionelle Beratung von einem Rechtsanwalt oder Notar begibt man sich oftmals auf dünnes Eis.

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