Es lebe das Saisonmuster!

Beendet ein Ende des EZB-Zinserhöhungszyklus auch die Konsolidierungsphase beim DAX? Und was macht nun die Fed? Für den DAX könnte es ab nächster Woche wegen dessen moderater Bewertung und einem klassischen Saisonmuster wieder bergauf gehen ...

(Bildquelle: unsplash / Omar Flores)

Haben Sie damit gerechnet, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde noch einmal an der Zinssschraube dreht? Wir sind ehrlich – die marktEINBLICKE-Redaktion hat es nicht – ähnlich wie es die allgemeine Markterwartung war. Aus Sicht der EZB war es wiederum der logische Schritt.

Denn weiterhin ist der Inflationsdruck deutlich zu hoch und wird es auch noch einige Zeit bleiben. Dass dann noch die neuen Inflationsprognosen für dieses Jahr und 2024 leicht nach oben angepasst wurden – war ebenfalls logisch. „Wenn die Zielsetzung bei 2 Prozent liegt, für 2024 aber 3,2 Prozent Teuerung erwartet werden, besteht keinerlei Spielraum für eine weniger restriktive Gangart“, so marktEINBLICKE-Kolumnist Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei Donner & Reuschel, und ergänzt:

Die Entwicklung in den USA und Europa ist gegenläufig

„Dass der Markt nur kurzfristig im Sinne fallender Aktienkurse reagiert hat, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Projektion der Kernrate der Inflation parallel leicht nach unten angepasst wurde – der breite Inflationsdruck also zumindest langsam sinkt, wohl auch weil erstmals seit Ende 2022 die Unternehmensgewinne weniger zur Inflation beigetragen haben.“

Die Weltwirtschaft kommt nicht so recht auf die Beine. (Bildquelle: Pixabay / 12019)

International gesehen ist derweil die Entwicklung gegenläufig. Die Weltwirtschaft kommt nicht so recht auf die Beine. In Europa herrscht konjunkturelle Flaute, die USA halten sich noch gut, China wird von strukturellen Problemen massiv belastet. „Vor diesem Hintergrund dürften die Notenbanken bald die Zinsgipfel erreichen“, sagt somit Carsten Gerlinger, Managing Director und Head of Asset Management bei Moventum AM. „Die ausgeprägte Unsicherheit an den Aktienbörsen spricht für defensive Geschäftsmodelle.“

Die Konjunktur zeigt zunehmende Schwächezeichen. Einige Länder befinden sich laut Gerlinger bereits in einer technischen Rezession, andere werden noch folgen. Die Einkaufsmanagerindizes spiegeln nicht nur die schlechte Stimmung im verarbeitenden Gewerbe wider, sondern tendenziell auch im Dienstleistungsbereich. „Eine weitere Eintrübung ist in den kommenden Monaten zu erwarten, eine klassische Rezession ist unverändert wahrscheinlich“, sagt Gerlinger.

Defensive Baustein-Aktien sind weiterhin erste Wahl

Gegenläufige Entwicklungen würden auch das Geschehen an den Aktienbörsen bestimmen. So wirkt die Aussicht auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus stützend. „Das gilt beispielsweise für die Tech-Branche, die nicht nur vom Hype rund um KI, sondern auch von der Aussicht auf eine Zinswende profitiert“, so Gerlinger.

Der Liquiditätsentzug dagegen sei negativ für Risiko-Assets. Die Einkaufsmanagerindizes verheißen laut Gerlinger nichts Gutes für die nahe Zukunft, gleichzeitig tut sich hier ein Widerspruch zu den immer noch positiven Gewinnerwartungen der Unternehmen auf. „Anleger sind mit einer großen Unsicherheit konfrontiert“, resümiert Gerlinger, „deswegen bevorzugen wir Titel aus defensiven Branchen.“

Man sollte bei den Investments bleiben, die man eh schon im Depot haben sollte – Baustein-Aktien, die den langfristigen Vermögensaufbau garantieren. (Bildquelle: adobe stocks/ suit.photos und Herstellerlogos)

Diese Aussage von Gerlinger ist für langfristig orientierte Anleger ein Argument, bei den Investments zu bleiben, die man eh schon im Depot haben sollte – Baustein-Aktien, die den langfristigen Vermögensaufbau garantieren. Genau diesen Anlegern ist es auch (fast) egal, dass der DAX erst vor sechs Wochen ein neues Rekordhoch erzielt hatte und nun – wenn man aktuellen Analysen Glauben schenken mag – die „DAX-Bullen auf einmal mit dem Rücken zur Wand stehen“, wie es Marktanalyst Ronald Gehrt in einer aktuellen Analyse für den Online-Broker LYNX schreibt. Wer an der Börse investiert ist, sollte einmal mehr wissen, dass die Geldanlage in Aktien ein Marathon-Lauf ist und eben kein Sprint …

Das bringt die neue Börsenwoche (KW38-2023)

Und wieder stehen die Notenbanker im Fokus. Dieses Mal unter anderem die Amerikaner. Mit Spannung blicken die Finanzmärkte nun auf die Berichtswoche, in der weitere Notenbanksitzungen stattfinden werden.

Neben der Bank of England und der Schweizer Notenbank sowie der Bank of Japan steht eindeutig die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve im Mittelpunkt. Während für die BoE ebenso wie für die SNB mit jeweils einen Schritt von 25 Basispunkten auf 5,5 Prozent bzw. 2 Prozent zu rechnen ist, wird für die Fed trotz der jüngst eher enttäuschenden Inflationsdaten mit einer Zinspause gerechnet, schreibt die Helaba.

„Die Fed muss abwägen, ob das Risiko, zinspolitisch zu überziehen, dasjenige übersteigt, zu wenig zu tun. Argumente sowohl für ein Stillhalten als auch für eine Erhöhung sind vorhanden“, so die Helaba.

Was macht die Fed? (Bildquelle: Pressefoto Federal Reserve)

Die Situation in den USA geldpolitisch zu beurteilen, sei aktuell ebenso schwierig wie für die Eurozone. Die EZB habe in der auslaufenden Woche unter dem Eindruck einer erhöhten Inflationsprognose die Zinsen angehoben, setze sich damit aber dem Risiko aus, die Konjunktur endgültig in die Rezession zu drängen, so die Experten weiter. Die Frage ist: Wird die Fed dennoch stillhalten? „Argumente, die dafür sprechen sind die stark gesunkenen Steigerungsraten bei Erzeuger-, Import- und Exportpreisen“, die Helaba. Kurz um: Der Fed-Entscheid dürfte spannend werden …

Alle anderen Daten der Woche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Blicken Sie nach vorne! „Es war wahrscheinlich eine knappe Entscheidung, aber es gab die letzte Zinserhöhung durch die EZB, die der Aktienmarkt größtenteils erwartet hatte“, kommentiert Robert Schramm-Fuchs von Janus Henderson Investors diese Woche.

Angesichts des Wortlauts der Erklärung und der nach unten korrigierten mittelfristigen Inflationsprognosen klinge es so, als ob die EZB den Zinserhöhungszyklus nun abgeschlossen hat und eine lange Pause zu erwarten ist. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Aktienmärkte die letzte Zinserhöhung in einem Zyklus eher positiv aufgenommen haben, unabhängig davon, ob eine Rezession folgte oder nicht.“ Das klingt doch gut. Das heißt:

Kommen Sie erst gar nicht auf die Idee, bei einem Teil Ihres Kapitals zu switchen – etwa in Tagesgeld. Es bringt nichts. Denn die Abkehr der Nullzins-Politik der EZB kommt bei den Verbrauchern nicht an. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox liegen die Tagesgeldzinsen bei vielen Banken und Sparkassen nach wie vor lediglich knapp über der Nulllinie. Von daher – bleiben wir lieber bei Aktien. Die Helaba hat für Anleger ein schönes Argument:

„Die Chancen, dass nach einem traditionell schwachen dritten Quartal Aktien gegen Jahresende noch einmal kräftig zulegen, stehen nicht schlecht. Das aus fundamentaler Sicht stärkste Argument für deutsche Aktien ist die ausgesprochen moderate Bewertung. Auf Basis der wichtigsten Kennziffern (Kurs-Gewinn-, Kurs-Dividenden-, Kurs-Cashflow- und Kurs- Buchwert-Verhältnis) liegt der faire DAX-Wert derzeit bei rund 17.500 Punkten.“

Na, also geht doch ….

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse),

Ihre marktEINBLICKE -Herausgeber

Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt