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Die msg life AG (WKN: 513010 / ISIN: DE0005130108) ist ein Spezial-Softwareunternehmen für die Versicherungsbranche und auf dem besten Weg, einen erfolgreichen Turnaround hinzulegen. Ich hatte vor knapp einem halben Jahr erstmals über das Unternehmen berichtet, das aus der Fusion der beiden ehemaligen neuer Markt-Werte FJA und Cor entstanden war, und hatte es als aussichtsreiche Turnaroundsituation bei €2,20 auf meine Empfehlungsliste genommen und kurze Zeit später bei knapp über €2,00 nochmals etwas aufgestockt, als die eigentlich recht ansprechenden Halbjahreszahlen mit einem 10-prozentigen Kurseinbruch quittiert wurden. Seither hat sich das Unternehmen prächtig entwickelt und mit ihm der Aktienkurs. Bis gestern…

Denn gestern gab das Unternehmen eine für seine Aktionäre folgenschwere Meldung heraus. Denn die msg systems AG, mit aktuell ca. 49,09% Anteil die Hauptaktionärin der msg life AG, hat dem Vorstand der msg life AG mitgeteilt, ein freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot für alle Aktien der msg life AG abgeben zu wollen. Den Aktionären soll der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis angeboten werden.

Normalerweise versetzt ein Übernahmeangebot die Aktionäre in Entzücken, denn üblicherweise wird es mit einer fetten Prämie auf den zuletzt aufgerufenen Aktienkurs garniert. Doch nicht dieses Mal. Denn die Hauptaktionärin will den freien Aktionären lediglich ein Angebot in Höhe des gesetzlichen Mindestpreises unterbreiten und bei freiwilligen Übernahmeangeboten und bei Pflichtangeboten hat ein Bieter den Aktionären einer Zielgesellschaft eine angemessene Gegenleistung nach §31 Abs. 1 WpÜG anzubieten. Wie eine angemessene Gegenleistung zu berechnen ist, ergibt sich aus den §§3ff. der WpÜG-Angebotsverordnung. Nach §5 Abs. 1 WpÜG-Angebotsverordnung muss die Gegenleistung mindestens dem gewichteten durchschnittlichen inländischen Börsenkurs der durch einen Bieter zu erwerbenden Aktien einer Zielgesellschaft während der letzten drei Monate vor Veröffentlichung der Entscheidung zur Abgabe eines Angebots bzw. der Veröffentlichung der Kontrollerlangung entsprechen. Die BaFin ermittelt nun diesen Angebotspreis und im Anschluss daran wird die Hauptaktionärin msg systems AG eine Angebotsunterlage veröffentlichen. Dann steht der Preis fest, zu dem Aktionäre ihre Aktien andienen können.

msg life-Chart: finanztreff.de

In den letzten drei Monaten schwankte der Aktienkurs der msg life AG zwischen €2,15 und €2,95, aber bei der Preisbestimmung spielen auch die Umsätze, also die Anzahl der gehandelten Aktien eine Rolle. Daher kann man aktuell den Angebotspreis nur erahnen. Aber er dürfte vermutlich so um die €2,50 liegen – dort, wo sich der Aktienkurs auch nach der Meldung eingependelt hat. Und damit deutlich unterhalb der kürzlich erreichten Hochs bei €2,95.

Cui bono?
Nun handelt es sich lediglich um eine Übernahmeangebot und kein Aktionär muss darauf eingehen. Aus dieser Sichtweise ist der Kurseinbruch also unverständlich. Allerdings hat die Hauptaktionärin natürlich eigene Interessen und hat das Übernahmeangebot mit der Meldung verbunden, sie strebe im Anschluss ein Delisting der Aktien an. Und diese Meldung stellt dann auch einen Schaden für die freien Aktionäre dar! Konkret heißt es in der Meldung:

„msg life beabsichtigt, zu gegebener Zeit nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage ein Delisting der Aktien der msg life ag durchzuführen und hierzu einen Antrag auf Widerruf der Zulassung der Aktien zum Handel im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zu stellen. Eine Einführung der msg life-Aktien an einem anderen regulierten Markt oder einer anderen Handelsplattform wird nicht angestrebt.“

Formal strebt also die msg life AG selbst das Delisting an und nicht die Hauptaktionärin, aber de facto steckt diese natürlich dahinter. Und das Warum ist auch ziemlich klar: msg life konnte zuletzt zwei große Aufträge an Land ziehen. Im November vermeldete man als Neukunden die Canada Life-Gruppe und im Dezember weitere Aufträge der österreichischen UNIQA-Gruppe. Beide Aufträge dürften dafür sorgen, dass der Turnaround bei msg life als erfolgreich angesehen werden kann und es künftig ans Geld verdienen gehen wird.

Für die freien Aktionäre ist es natürlich ein echter Tritt, dass die Großaktionärin ihnen den Lohn für ihr Durchhaltevermögen entwenden will. Die Aktionäre haben in der kritischen, Existenz bedrohlichen Lage dem Unternehmen die treue gehalten und jetzt sollen sie am Erfolg nicht mehr teilhaben dürfen. Das ist moralisch schäbig, ökonomisch allerdings verständlich. Die Großaktionärin will halt ihren Ertrag maximieren.

Handlungsoptionen
Wer – wie ich – zu durchschnittlich knapp €2,10 vor einem halben Jahr eingestiegen ist, kann die bisher aufgelaufenen Gewinne mitnehmen und seine Aktien einfach über die Börse verkaufen. Rund 20% Kurszuwachs in sechs Monaten ist eine sehr ansehnliche Rendite, auch wenn sie beim Jahreshoch von €2,95 natürlich deutlich üppiger ausgefallen wäre. Dieses ist die einfache Lösung, Gewinne mitnehmen und keine Scherereien.

Es gibt auch einen anderen Weg, den steinigen. Denn momentan geht es nur um ein Übernahmeangebot, nicht um einen Squeeze-out. Das heißt, kein Aktionär wird aus dem Unternehmen gedrängt, niemand muss seine Aktien verkaufen oder andienen. Man kann sie einfach behalten oder sogar zukaufen. Doch das hat natürlich Konsequenzen. Denn ein Delisting bedeutet, dass die Aktien nicht mehr einfach über die Börse veräußert werden können. Was ein enormer Komfort- und subjektiver Sicherheitsaspekt ist. Man würde weiterhin an einer AG beteiligt sein, Aktionär bleiben, aber ohne Börsenhandel. Im Grunde wäre es vergleichbar mit einem GmbH-Anteil oder der Einlage in einen geschlossenen Investmentfonds. Auch diese kann man nicht über die Börse verkaufen, sondern ggf. nur an die Gesellschaft zurückgeben. Im Falle des Delistings könnte man den Großaktionärin also auch künftig die Anteile andienen; es müsste dann allerdings ihr fairer Wert bestimmt werden. Das ist mit Aufwand verbunden und viele werden diesen Aufwand scheuen.

Andererseits deuten die neuen Aufträge darauf hin, dass die Großaktionärin der Auffassung ist, die Aktien der msg life AG wären bei €3 perspektivisch unterbewertet. Und ich sehe das auch so. Man ist in einer Boombranche zuhause und wieder sehr erfolgreich unterwegs. Die Halbjahreszahlen (und damit auch das anstehende Jahresergebnis) sind noch durch den Einmaleffekt aus einem Vergleich in Zusammenhang mit der ehemaligen Beteiligung an der B+S Banksysteme AG belastet, die künftig nicht mehr anfallen werden. Es ist abzusehen, dass die künftigen Geschäftszahlen deutlich besser ausfallen werden als die bisherigen. Und das ist ja letztlich der Grund, weshalb die msg systems AG möglichst viele der Aktien der msg life AG einsammeln möchte. Und das natürlich möglichst günstig.

Um es klar zu sagen: diese Spekulation ist nur etwas für Hartgesottene!

Denn wenn es zum Delisting kommt, werden die Aktien zwar noch im Depotauszug auftauchen, aber mit dem Wert Null. Das sieht dann nach einem Verlust aus. Als Value Investoren kennen wir natürlich den Unterschied zwischen Aktienwert und Aktienpreis und wissen daher auch, dass der Depotauszug den Preis angibt und nicht den zugrundeliegenden Wert. Aber dennoch verschwindet die Position einfach und man ist gefühlt ärmer. Doch Gefühle haben an der Börse nichts zu suchen, es geht rein ums Business!

Was wird nun passieren?
Es wird durch die BaFin der Angebotspreis ermittelt und die msg systems AG wird dann ihr entsprechendes Angebot unterbreiten. Die freien Aktionäre werden also Post von ihrer Depotbank bekommen. Dann wird es irgendwann eine Meldung geben, wie viel Aktien angedient wurden und wie hoch der neue Anteilsbesitz der Hauptaktionärin ist. Im Anschluss wird es dann – so ist es angekündigt – zu einem Delisting kommen und die Meldung über dessen Umsetzung dürfte den Aktienkurs noch einmal negativ beeinflussen. Dann erfolgt das Delisting und die übrigen freien Aktionäre sind dann weiterhin Aktionäre der msg life AG, allerdings ohne die Möglichkeit, ihre Aktien täglich an der Börse veräußern oder ihren Bestand aufstocken zu können…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / markteinblicke.de

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amadus1[Börsenblogger] msg life AG: Übernahmeangebot, Delisting – lasst die Spiele beginnen! Letzte Kommentartoren
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amadus1
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amadus1

Wie geht es weiter oder ist nun schon alles vorbei???? Wie kann ein Unternehmen nur seine treuen Finanzgeber enteignen und das in Deutschland bei soviel Regulierung??? Ist noch mit irgend welchen Entscheidungen oder Möglichkeiten zu rechnen? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, oder?

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