Hypoport und das Ende des Immobilienbooms

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Die Folgen der Inflation und der bevorstehenden Rezession werden immer deutlicher sichtbar. Pünktlich zum Beginn des kalendarischen Herbstanfangs am 23. September hat einer der größten Immobilienfinanzierungsvermittler des Landes die weiße Fahne gehisst. Der Immobilienboom in Deutschland ist defintiv vorbei und die Folgen sind noch gar nicht abzusehen.

Goldene Zeiten für Finanzierer sind vorbei

Die Geschäfte für den Immobilienfinanzierungsvermittler Hypoport (WKN: 549336 / ISIN: DE0005493365) liefen jahrelang exzellent – selbst während Corona. Nun hat der Finanzkonzern, das ein Netzwerk von Technologieunternehmen für die Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft als Muttergesellschaft umfasst, seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ausgesetzt. Die Begründung lässt aufhorchen:

Das zweiten Halbjahr zeigt bisher eine sehr schwache Nachfrage in der privaten und institutionellen Immobilienfinanzierung sowie im Corporate Finance Geschäft. Trotz einer deutlichen Ausweitung des Immobilienangebots und leichter Preisrückgänge halten die Verbraucher sich in dem Hypoport-Hauptmarkt der privaten Immobilienfinanzierung wegen der Kombination aus sprunghaftem Zinsanstieg, extremer Inflation und Rezessionsängsten sowie Hoffnung auf stärker fallende Immobilienpreise mit Transaktionen zurück.

Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass die deutschen Immobilienkäufer quasi in einen Käuferstreik getreten sind – allerdings nicht ganz freiwillig. Die zum Teil absurden Preissteigerungen der letzten Jahre treffen nun auf Existenzängste und schrumpfende Vermögen. Eine Studie von Engel & Völkers zeigte zudem, dass für fast zwei Drittel der Deutschen eine Immobilienfinanzierung ohne Erbschaft oder Schenkung nicht mehr möglich ist.

Dieser Fakt wurde in den vergangenen  Jahren meist “übersehen”. Die Folgen sehen wir nun. Bislang konnten die bereits leicht rückläufigen Immobilienpreise auf der einen Seite und die steigenden Finanzierungskosten auf der anderen, in Verbindung mit ausgelasteten Handwerkern noch nicht zu einem neuen Gleichgewicht finden. Das dürfte nun auch einige Zeit dauern, denn ein Rückgang der Preise dürfte erst beginnen. Noch einmal Hypoport:

Die derzeitige Jahresprognose wird deutlich verfehlt werden. Da für den Vorstand nicht prognostizierbar ist, ob die Zurückhaltung der Verbraucher in der privaten Immobilienfinanzierung bereits im weiteren Jahresverlauf beendet sein wird, setzt der Hypoport Vorstand die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2022 aus.

Die Aussichten sind also schlecht und nicht kalkulierbar. Simon Keller, Analysten bei Hauck Aufhäuser Investment Banking, bringt es in seinem Downgrade der Hypoport-Aktien (“Sell” mit Kursziel 70 Euro, nach zuvor “Hold” mit Kurziel 205 Euro) auf die Formel, dass das Schlimmste wohl noch in der Zukunft liege.

Damit ist jetzt nicht nur die Hypoport-Aktie gemeint, sondern vermutlich der gesamte deutsche Immobilienmarkt und dessen Finanzierung. Sollte die Rezession im kommenden Jahr tatsächlich so einschneidend werden, wie derzeit einige Wirtschaftsforscher erwarten, dürften auch bei der Immobilienfinanzierung erhebliche Folgen, inkl. Notverkäufen und Zwangsversteigerungen, zu sehen sein.

Der Bau- und Immobilienboom scheint ein Ende gefunden zu haben. (Bildquelle: Pixabay / bernswaelz)

Immobilie ja – aber nur zum selbst darin wohnen

Noch immer hält sich bei vielen Anlegern die Mär, dass eine Immobilie eine tolle und renditestarke Geldanlage ist. Das mag in kurzen Zeiträumen und bei entsprechender Bonität sowie viel (Mieter-)Glück auch zutreffen. Aber generell reicht eine Immobilie zum selbst bewohnen völlig aus – dieses Klumpenrisiko ist für ein Leben groß genug.

Alles andere Kapital sollte breitgestreit und flexibel veräußerbar angelegt werden. Womit wir automatisch bei Aktien wären. Selbst in der jetztigen Börsenphase sind langfristig orientierte Anleger entspannt und sammeln weiter Aktien günstig bewerteter Unternehmen ein. Sie vergessen auch nicht den kraftvollen Effekt von Dividenden, die gerade in Bärenmärkten eine wichtige Renditestütze sind. Wohlgemerkt aber nur, wenn sie Aktien als das sehen, was sie sind: Eine langfristig ausgerichtete Beteiligung an einem Unternehmen.

Unser Fazit

Das Kursminus von knapp 40 Prozent zum Start in den (Immobilien-)Herbst ist für Hypoport nur eine weitere bittere Pille. Vor einem Jahr notierte die Aktie im Bereich von 600 Euro und hat heute Mühe die Marke von 90 Euro zu halten. Der Fall ist also gewaltig –aber vermutlich gerechtfertigt.

Wer derweil ein breit aufgestelltes Aktienportfolio besitzt, muss sich selbst in diesem Fall keine Gedanken machen, denn bei einem Depotanteil von zwei, drei Prozent je Einzelposition macht selbst ein Kurssturz in dieser Größenordnung nur wenig aus. Und für die Anhänger des Sprichworts “Buy the Dip”, die auf eine rasche Erholung der Hypoport-Aktie setzen: Viel Glück in der aktuellen Wirtschaftsphase.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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