Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Zu Beginn der Woche machte eine Zahl die Runde, die aufhorchen lässt: Der europäische Markt für börsengehandelte Indexfonds kurz ETFs ist jetzt eine Billion Euro groß – das hat Refinitiv nun errechnet. ETFs haben in den letzten Jahren einen massiven Siegeszug rund um den Globus angetreten.

In den USA ist der Wert bereits mehr als viermal so hoch. Weltweit dürfte die Schwelle von 8 Billionen US-Dollar überschritten worden sein. Bei den diesem Umfang muss die Frage erlaubt sein: Wer investiert eigentlich noch aktiv?

Vorteile für den einzelnen

Zugegeben: Wir sind zwiegespalten, wenn es um ETFs geht. Auf der einen Seite ist nichts so simpel, wie einen ETF-Sparplan auf einen großen Index als Basis für den eigenen Vermögensaufbau zu nehmen. Auf der anderen Seite ist eben genau das auch der Nachteil. Mehr als Durchschnitt ist man eben nicht. Aber vielen reicht genau das. Nicht ganz zu unrecht.

Bekanntermaßen hat der DAX einem Anleger seit der Gründung am 31.12.1987 im Durchschnitt Jahr für Jahr eine Rendite von 7,2 Prozent eingebracht – aber nur wenn man alle rund 8.000 Tage durchgängig investiert war.

Selbst zwischenzeitliche Einbrüche im Zuge von Krisensituationen wie dem Platzen der Dot.com-Blase, Lehman-Pleite, Fukushima oder Griechenland- und Eurokrise sind dabei bereits berücksichtigt. Wie ginge dies einfacher als mit ETFs?

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Eine Analyse der Sutor Bank ergab bereits vor einiger Zeit: Bei einem Anleger, der im DAX zwischen 1988 und 2018 die besten 13 Tage versäumt hat, schrumpft die Rendite auf die Hälfte. Verpasst er die besten 33 Tage, hätte er sogar Geld verloren.

Noch zugespitzter ausgedrückt: Wer nur 0,4125 Prozent der entscheidenden Börsentage im Betrachtungszeitraum von 31 Jahren nicht investiert war, hat eine negative Rendite eingefahren. Und genau in diese Falle tappen viele „aktive“ Anleger, sprich Investoren, die vorrangig auf Einzelwerte setzen.

Daraus ergibt sich: Wer mit einem Sparplan dauerhaft in den breiten Markt investiert, kann auch nichts verkehrt machen. Gute Tage oder schlechte Börsentage machen nichts an der Gesamtrendite. Aber ist das wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Wenn das alle machen…

ETFs funktionieren nur, weil sie eine Art Trittbrettfahrer-Option für Anleger darstellen. Der „große Markt“ steigt und als ETF-Kunde hängt man sich einfach dran. Das geht jedoch nur so lange gut, wie dieser Markt funktioniert. Wenn jedoch immer mehr Anleger „passiv“ investieren und nicht mehr „aktiv“ auf Einzelwerte setzen, wird es zunehmend schwer eine notwendige Dynamik für den Gesamtmarkt bzw. Einzelwerte zu entfachen.

Anders gesagt, wer den Index auf einem x-beliebigen Niveau kauft, kauft genau eine Zusammensetzung, die – sofern kein Titel aus dem Gesamtmarkt ausschert – unverändert bleibt. Hinzu kommt, dass je mehr passive Anleger am Markt unterwegs sind, die Möglichkeiten für aktive Anleger den Markt in eine gewisse Richtung zu treiben, massiv steigen. Die Gamestop-Episode ist da nur ein Vorgeschmack.

Titelauswahl

Bildquelle: markteinblicke.de

Ein weiteres ETF-Problem: Die meisten Anleger wollen nur auf die großen Indizes mit den Blue Chips setzen. Das hat zur Folge, dass Papiere von Apple, Microsoft & Co. in der Vergangenheit in immer neue Höhen getrieben wurden, während die zweite Reihe und vor allem kleinere Nebenwerte links liegen gelassen werden – was erstens schade und zweitens ein echter Nachteil sein kann, denn die richtigen Innovationen finden oftmals in diesem Segment statt, bevor sie dann von großen Unternehmen übernommen werden.

Fazit

ETFs haben unzweifelhaft ihren Vorteil: Einfach, kostengünstig und sicher auf die Performance des Gesamtmarkts zu setzen. Für viele Privatanleger sind sie erste Wahl – zu Recht. Wer jedoch etwas Mühe investiert, wird zusätzlich um Einzelwerte – egal ob Blue Chips oder Nebenwerte – nicht herum kommen.

Besonders in kritischen Börsenphasen haben sich manch kleinere Titel deutlich weniger Crash-anfällig gezeigt als die großen. Die Mischung macht’s eben. Hinzu kommt: Der richtige Crashtest für ETFs kommt erst noch: Zu Lehman-Zeiten waren ETFs noch nicht so groß – wenn, hätten sie das damalige Desaster bestimmt vergrößert.

Wer jetzt darüber nachdenkt, sich mit Einzelwerten auseinanderzusetzen, sollte unbedingt zeitnah auch einen Depot-Vergleich anstellen – Sparpläne sind das eine für Banken, Aktien das andere. Interessante Literaturtipps haben wir hier zusammengestellt. Unsere Übersichtsseite Aktien für Einsteiger kann ebenfalls nützlich sein.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage und beim alltäglichen Lebensgenuß

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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